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Gesellschaft

Im ehemaligen Café Frauenfelder

«Magic Max» wird zum Stripklub – das gefällt nicht allen

In der Bahnhofstrasse 39 in Wetzikon soll ein Ladenlokal für «sexgewerbliche Nutzung» entstehen. Der Stadtrat kündigt eine Prüfung an.

Das Haus an der Wetziker Bahnhofstrasse 39: Früher ein Café, danach eine Billardbar – und schon bald ein Stripklub?

Foto: Bettina Schnider

«Magic Max» wird zum Stripklub – das gefällt nicht allen

Im ehemaligen Café Frauenfelder

In der Bahnhofstrasse 39 in Wetzikon soll ein Ladenlokal für «sexgewerbliche Nutzung» entstehen. Der Stadtrat kündigt eine Prüfung an.

Die Bauausschreibung vom 17. April kommt schnörkellos und unscheinbar daher: In der Bahnhofstrasse 39 will man künftig im ersten Obergeschoss die Räumlichkeiten für «sexgewerbliche Nutzung» umbauen. Die «Nutzerin» ist die Casablanca GmbH.

Auf Anfrage bestätigt die Antragstellerin dieser Redaktion, das Lokal künftig mieten zu wollen – mehr will sie dazu nicht sagen. Die Unternehmerin betrieb bereits ein solches Etablissement an der Haldenstrasse in Wetzikon. Das dortige Angebot umfasste «eine Kombination aus Barbetrieb, Sauna und erotischen Feinmassagen», wie es auf der Onlineplattform lokal.ch heisst. Man lege dort Wert auf eine diskrete Umgebung für Erwachsenenunterhaltung.

Diskret dürfte der neue Standort an der Bahnhofstrasse dagegen nicht sein, liegt er doch mitten im Herzen von Unterwetzikon in einem altehrwürdigen Haus von 1923, in dem lange das Café Frauenfelder beheimatet war. Im Jahr 2024 zog dann die Billardbar Magic Max ein.

Auf Facebook kocht der Unmut hoch

Dementsprechend erbost sind einige Facebook-User, die sich online über das Bauvorhaben auslassen. «In der Nähe des FIZ gehört eine solche Lokalität nicht hin», schreibt Theo H. Das Familienzentrum FIZ befindet sich nur wenige Meter entfernt auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Auch die Parkmöglichkeiten seien dort begrenzt. «Ein Standort ausserhalb wäre sicher ein besserer Ort», fügt Theo H. hinzu.

Userin Sarina A. B. wird konkreter: «Die Inhaberin des neuen Puffs ist übrigens auch Inhaberin des EMA Spielparadieses. Wie passt das ethisch zusammen?», fragt sie in der Gruppe. Ein anderer User schreibt: «So ein Drecks-Saich, wieder eine Bar weniger im Bahnhofbereich.»

Denn mit der Neueröffnung des Striplokals geht auch die Schliessung der Billardbar Magic Max einher. Warum das «Magic Max» schliessen muss, darüber möchte der aktuelle Betreiber – auch er will nicht namentlich genannt werden – nicht sprechen. Er bestätigt aber, dass per Ende April Schluss ist.

Stadtrat Lenz kündigt Prüfung an

Doch wie passt das neue Etablissement zusammen mit dem Bestreben, das Bahnhofquartier schöner zu machen? Bei der Stadt selbst beruft man sich darauf, dass man als Baubehörde keine Vorbehalte zur geplanten Nutzung habe, solange diese den Bauvorschriften entspreche.

Stadtrat Stefan Lenz (FDP) betont dagegen, die Entwicklung von Unterwetzikon liege dem Stadtrat – unabhängig von baurechtlichen Fragen – sehr am Herzen. «Wir werden noch mal genau prüfen, ob die geplante Umnutzung wirklich ins Quartier passt.» Die Hürden für Gewerbe seien bereits heute hoch. «Bezüglich der Auswirkungen auf die Wohnqualität ergeben sich sicher verschiedene Fragen, die eine sorgfältige Abwägung unumgänglich machen.»

Stefan Lenz sitzt an einem Tisch und gestikuliert.
Stadtrat Stefan Lenz verspricht, die Angelegenheit zu prüfen. (Archivbild)

Der Gewerbeverein Wetzikon äussert sich dagegen eher verhalten zur Thematik. Man nehme grundsätzlich nicht Stellung zu einzelnen Bewilligungs- oder Geschäftsentscheiden, solange diese im Rahmen der geltenden Gesetze und Vorschriften erfolgten, heisst es vom Präsidenten Georg Eidenbenz per E-Mail.

Wichtig sei aber, dass die Bahnhofstrasse und das Zentrum von Wetzikon «sich positiv entwickeln und für Bevölkerung, Gewerbe und Besucher attraktiv bleiben». Man verfolge die Entwicklung interessiert und vertraue darauf, dass die zuständigen Behörden die verschiedenen Aspekte sorgfältig prüften. «Zum Wohle des Wetziker Gewerbes.»

Für viele dürfte das neue Etablissement allerdings nicht darunter fallen, was man sich unter einer «positiven Entwicklung» vorstellt.

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