Wohnquartier statt Industrie: Das sind die Pläne für das Egli-Areal in Kempten
Ortsplanung in Wetzikon
Die Jules Egli AG will das ehemalige Industrieareal am Ortseingang von Wetzikon in Wohnraum umwandeln. Doch das Projekt hat zahlreiche Hürden vor sich.
Kommt man von Auslikon her, befindet sich am Ortseingang von Wetzikon das Egli-Areal. Hier, auf dem Gelände der ehemaligen Baufirma Jules Egli AG, sind zahlreiche Unternehmen angesiedelt. Doch wenn es nach der Eigentümerin geht, soll eine zukunftsfähige Transformation des Areals stattfinden.
Firmengründer Jules Egli übernahm 1946 ein Baugeschäft in Fischenthal. 1949 zog die Firma nach Wetzikon und baute ihre Geschäftstätigkeit im Baubereich stetig aus. Im Rahmen einer Nachfolgelösung wurden die Geschäftsbereiche 2010 verselbständigt und verkauft. Heute ist die Jules Egli AG eine reine Immobiliengesellschaft. (bes)
Die Vision trägt den klingenden Namen «Lakeside Wetzikon» und will das heutige Areal in Kempten verändern. Vom Industriegebiet zum Wohnquartier mit Gewerbe. «Das Areal soll passend für die heutige Zeit weiterentwickelt werden», sagt Stefan Egli, Geschäftsführer der Jules Egli AG.

Für ihn ist die aktuelle Nutzung des Egli-Areals alles andere als optimal. Mit 26’000 Quadratmetern ist es etwas grösser als dreieinhalb Fussballfelder. «Wir haben hier Flächen an bester Lage, die nicht optimal genutzt werden», sagt er. So sind die Gewerbebauten zwar voll vermietet, es gibt aber auch zahlreiche Grünflächen auf dem Areal. Egli meint dazu: «An bester Lage sollte man nicht Rasen mähen.»
In Zeiten allgegenwärtiger Wohnungsnot ist dies für ihn schlicht falsch. Die Vision der Firma sieht deshalb vor, auf dem Areal vor allem auch Wohnbauten zu errichten. «Wir haben den idealen Standort», ist Egli überzeugt und verweist darauf, dass sich rund um das Gelände bereits zahlreiche Wohnquartiere befinden. «Wir sind hier in der Nähe des Schulhauses Walenbach, gut geeignet für Familien.» Zudem sei es nur ein Katzensprung ins Zentrum von Kempten, wo es zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten gebe.
Problem BZO
Doch die aktuellen Regelungen sind ein Hindernis für die Pläne der Firma. Im Moment liegt das Grundstück in der Industriezone. Ein Gestaltungsplan, der bereits 2021 von Stadt und Kanton genehmigt wurde, würde eine Überbauung mit 20 Prozent Wohnanteil erlauben.
Auf der Basis dieses Gestaltungsplans hat die Jules Egli AG zwar einen Architektenwettbewerb mit Siegerprojekt veranstaltet, jedoch noch kein Bauprojekt entwickelt – und das hat Gründe. «Der Gestaltungsplan geht an der Realität vorbei», sagt Egli. Er sei zwar realisierbar, aber nur mit grossen finanziellen Risiken für die Firma. Denn Gewerbebauten sind nur mit der Möglichkeit der Querfinanzierung durch einen höheren Wohnanteil rentabel zu realisieren.
Aus diesem Grund strebt die Jules Egli AG eine andere Option an: eine Überbauung mit 80 Prozent Wohnanteil. An der Pfäffikerstrasse ist ausserdem ein Gewerbebau geplant, dieser soll die Wohnungen vom Lärm der Hauptstrasse abschirmen. «Das Gewerbe bekäme also eine riesige zweite Chance», hält Egli fest.

Doch momentan ist diese Vision Zukunftsmusik. Denn mit der aktuell gültigen Bau- und Zonenordnung (BZO) ist sie nicht realisierbar. Deshalb strebt die Jules Egli AG die Umzonung der Parzelle in eine Mischzone an. Sie steht diesbezüglich schon seit Jahren im Austausch mit der Stadt Wetzikon.
Plan B gibt es nicht
Anfang Jahr hat sich die Firma nochmals offiziell mit einem Schreiben an den Stadtrat gewandt mit der Bitte, die Umzonung bei der anstehenden Revision der Nutzungsplanung – und damit der Bau- und Zonenordnung – zu berücksichtigen. Die Stadt hat den Eingang bestätigt, es gab aber noch keinen vertieften Austausch.
Trotzdem ist Stefan Egli überzeugt, dass die Argumente für die Vision «Lakeside Wetzikon» sprechen. «Der Mehrwert für Wetzikon liegt auf der Hand.» Zudem würde das Gewerbe nicht unter den Plänen leiden. «Fast alle Betriebe, die heute auf dem Areal eingemietet sind, könnten wir im neuen Gewerbebau unterbringen.» Die einzige Ausnahme bilden Unternehmen, die auf grosse Aussenflächen angewiesen sind.

Die Mieter auf dem Areal wissen von den Bestrebungen der Eigentümer. «Wir informieren transparent», betont Egli. Unsicherheit herrsche nicht bei den Mietenden. «Sonst hätten wir auch nicht alle Objekte vermietet.»
Wann das Bauprojekt – sofern die Umzonung gelingt – starten könnte, steht ohnehin noch in den Sternen. Die Stadt nimmt die Überarbeitung des Richtplans zwar an die Hand, einen genauen Zeitplan hat sie aber noch nicht bekannt gegeben. Doch die Vertreter der Jules Egli AG bringen diese Geduld mit – und hoffen, dass sie mit ihrem Anliegen für eine Umzonung Erfolg haben werden. Das müssen sie auch. Stefan Egli: «Einen Plan B haben wir nicht.»
Mehr Informationen zu den Plänen der Jules Egli AG findet man auf der Firmenwebsite julesegliag.ch.
