Hier in Uster gehört Englisch zur Klubsprache
Big library
Hier stehen über 6000 englischsprachige Bücher: in der Bibliothek des Women’s Activity Club, wo es zusätzlich viele Aktivitäten gibt.
«Schreiben Sie doch mal über unseren Women’s Activity Club», kam kürzlich die Aufforderung ans «Regio», das immer wieder dazu aufruft, interessante Geschichten aus der Region zu melden. Ein kurzer Blick auf die Website des Women’s Activity Club (WAC) fördert einen interessanten Aspekt zutage. Der Club verfügt über die grösste Bibliothek an englischsprachigen Büchern in der Region: Nichts wie auf, zu einem Besuch vor Ort.
Hier stehen sie nun in Reih und Glied, die zahlreichen Bücher mit englischen Buchtiteln. «Aktuell haben wir über 6000 Publikationen hier», erklärt Bibliothekarin Kathe Hofstetter, die wie fünf weitere Frauen hier ehrenamtlich arbeitet. Die meisten Bücher bekommen sie von Privaten geschenkt. «Am beliebtesten sind derzeit Comics», berichtet Hofstetter. Solche der Reihe «Dog Man» oder «Baby-Sitters». In den Regalen stehen aber auch zahlreiche Romane und Sachbücher.
«Um Englisch zu lernen, braucht es Bücher», erklärt Ieva Ciceri, die Club Office Managerin. In den üblichen Bibliotheken sei die Auswahl an Englischbüchern sehr überschaubar. Die Bibliothek des WAC ist grundsätzlich für die Clubmitglieder geöffnet – aber auch Nichtmitglieder können hier Bücher ausleihen.
Was steckt hinter dem WAC? «Wir sind ein internationaler englischsprachiger Familienclub», erklärt Vizepräsidentin Denise Kempshall. «Wir haben viele Expats, aber auch Schweizerinnen und Schweizer, die ihre Englischkenntnisse verbessern möchten. Wir sind aber keine herkömmliche Sprachschule.» Der Fokus des Clubs liegt auf den Kindern.
So gibt es eine englischsprachige Vorkindergarten-Spielgruppe und Nachmittagskurse für Kinder ab zwei Jahren bis zur sechsten Klasse. Dort werden sie in Schreiben und Lesen unterrichtet. «Viele Kinder gehen in die öffentliche Schweizer Schule, wo zwar Frühenglisch unterrichtet wird, aber nicht auf intensivem Niveau», erklärt Ciceri. Genau hier kann der WAC-Unterricht einspringen.
«Zudem pflegen wir hier ein Clubleben. Im Social Club treffen wir uns regelmässig zum Dinner, zu Spielabenden oder zu Buchbesprechungsrunden», sagt Denise Kempshall. Der WAC wurde vor über 25 Jahren zunächst als kleiner Kreis von Frauen gegründet, deren ausländische Männer wegen des Jobs hierher in die Schweiz kamen. Die Frauen sassen ohne Deutschkenntnisse allein zu Hause – ohne Kontakte. So gründete Mary Lou Mettler, die Ehefrau des Firmenchefs der Mettler-Toledo in Greifensee, einen Nähkreis. Daraus entstand der heutige WAC.
In der neuen Heimat hier in der Schweiz ohne Deutsch zu sprechen Kontakt finden: Das ist auch heute noch eine wichtige Aufgabe des WAC. «Wir haben vorher in England gelebt. Wir sind dann als Familie hierher in die Schweiz gezogen», berichtet Ieva Ciceri, die aus Lettland stammt und mit einem Italiener verheiratet ist. «Hier im WAC fand ich direkt von Anfang an Anschluss. Das war sehr wichtig», sagt Ciceri.
Auch Denise Kampshall hat einen Ehemann aus England. «Er sprach mit meinen zwei Kindern immer Englisch, sie antworteten ihm aber auf Deutsch. Hier im WAC haben die Kinder dann Unterricht genommen und ihr Englisch auf spielerische Weise erlernt. Sie wachsen nun zweisprachig auf.»
Auch Kathe Hofstetter, die aus Thailand stammt und in den USA zur Schule ging, war froh, hier direkt Leute zu treffen, mit denen sie Kontakte pflegen und Englisch sprechen konnte. Im WAC, in dem aktuell rund 100 Familien Mitglied sind (der Jahresbeitrag pro Familie kostet 160 Franken), treffen sich Menschen aus rund 40 Nationen.
