«Mega lässig» – Alphörner lockten die Besucher ins Tösstal
Bei strahlendem Sonnenschein
Am Samstag trafen sich beim Skilift Steg Alphornbläserinnen und -bläser aus der ganzen Schweiz. Die traditionellen Klänge lösten sogar Freudentränen aus.
Beim Skilift Steg machen sich am Samstag die angenehme Sonne auf der Haut und die Alphornmusik bemerkbar, die durch das Tal zieht. Es findet das alljährliche Alphorn- und Büchelwettblasen statt – in diesem Jahr ist das Tösstal der Austragungsort.
Folgt man dem Klang der Musik, werden bald zwei Männer in Tracht sichtbar. Sie zeigen ihre Künste vor einem grossen Publikum. Nach dem Auftritt bedankt sich die Moderatorin beim Duo Padre e Figlio für die schöne Aufführung – und die weite Anreise aus dem Tessin. Im Hintergrund hört man passend dazu das Läuten von Kuhglocken.
Jedes Jahr findet der Anlass an einem anderen Ort in der Ostschweiz statt. Für die aktuelle Ausgabe fungiert die Alphorngruppe Uster als Gastgeberverein. OK-Präsident Mike Mitchell, der selbst in der Eventbranche tätig ist, organisiert das Fest mit viel Herzblut. «Die Nordostschweizer sind bekannt dafür, dass sie das Wettblasen sehr schön und traditionell gestalten», erklärt er.

Mitchell ist nicht nur Organisator, sondern auch leidenschaftlicher Alphorn-Fan. Er will alles darüber wissen: «Welches ist das beste Alphorn? Woher kommt es? Die verschiedenen Herstellungsarten faszinieren mich sehr.» Stolz zeigt er ein 110 Jahre altes Alphorn, das heute als Dekoration dient.
Zwischen Wettbewerb und Geselligkeit
Die Teilnehmenden sind keine Profis, sondern Amateure, die ihr Hobby pflegen. «Es geht darum, dass jeder mitmachen kann und auch mal juriert wird. So weiss man, wo man steht», sagt Mitchell. Insgesamt sieben Juroren bewerten die Auftritte. Eine wichtige Voraussetzung gibt es jedoch: «Die Tracht ist ein Muss, ohne Dresscode geht es nicht», sagt Mitchell und lacht.
Obwohl die meisten Bläser aus der Nordostschweiz stammen, sind Teilnehmer aus der ganzen Schweiz angereist – von Davos bis aus dem Tessin. Insgesamt 72 Gruppen haben sich für das Treffen im Tösstal angemeldet. Das Wettblasen dient vielen als Vorbereitung für das grosse Eidgenössische Jodlerfest, das Ende Juni in Basel stattfindet.



Zwar ist der Altersdurchschnitt der Teilnehmenden eher hoch, doch es finden immer mehr junge Leute den Weg zum Instrument. Mitchell glaubt zu wissen, warum: «Die Jungen suchen etwas Bodenständiges und Soziales. Die Digitalisierung vereinsamt sie, aber was wir hier machen, das sozialisiert.»
Begeisterung trotz kleiner Improvisation
Daniel ist am Morgen mit seiner achtköpfigen Gruppe aufgetreten und bester Laune. «Ich liebe die Schweizer Tradition, die man hier fühlt. Es ist immer friedlich mit diesen Leuten.»
Kurz darauf treten zwei Freunde von Daniel auf und ziehen das Publikum in ihren Bann. Am Ende ruft eine der Musikerinnen «Improvisato!» und lacht. Offenbar lief nicht alles exakt nach Plan, doch gemerkt hat das im Publikum wahrscheinlich niemand.
Nicht nur die Musiker, auch das Publikum ist begeistert. Die 7-jährige Alisha aus der Nachbarschaft ist spontan vorbeigekommen. «Mir war langweilig daheim, und da sah ich die vielen Leute in schönen Kleidern und mit Alphörnern», erzählt sie, «es ist mega lässig hier!»



Zwischen den Auftritten herrscht eine heimelige Atmosphäre mit viel Gelächter. Man kennt sich in der Szene, es bestehen langjährige Freundschaften. Das bestätigt Remo Hartmann. Er nutzt das Fest zum Netzwerken: «Man muss an diese Events kommen, um später auch selbst wieder Treffen organisieren zu können.»
Sobald ein Bläser in Tracht die Auftrittsfläche betritt, wird es im Publikum wieder mucksmäuschenstill. Nach den Darbietungen hört man oft laute Juchzer – ein traditionelles Zeichen der Freude.
Emotionaler Abschluss
Am späteren Nachmittag steht dann das grosse Finale an. Alle Teilnehmenden versammeln sich auf der Fläche – so viele, dass der Platz kaum ausreicht. Die Moderatorin weist die Bläserinnen und Bläser an, sich versetzt aufzustellen. Und sie scherzt: «Ich kann nicht sagen, dass nur die Frauen mit den schönen Trachten nach vorne sollen. Sie sind alle so schön, auch die Männer.»
Als der Gesamtchor gemeinsam drei Lieder spielt, bietet sich ein imposantes und emotionales Spektakel. Auf den vollbesetzten Bänken sieht man bei manchen Zuschauern sogar Freudentränen in den Augen.
Nach diesem emotionalen Höhepunkt zieht es die Gesellschaft in die Festwirtschaft. Bei Wurst, Bier und anregenden Gesprächen lässt sie den Tag gemeinsam ausklingen.

