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So nutzt das Oberland den ÖV

Gibt es in Ihrer Gemeinde eher Zugliebhaber oder Autofans?

Wie viele nutzen das ÖV-Angebot im Oberland tatsächlich, und wer setzt lieber auf Motorrad oder Auto? Finden Sie heraus, wie Ihre Gemeinde in unserem regionalen ÖV-Ranking abschneidet.

Zug oder Auto? Bei rund 85 Prozent der Oberländer ist das Auto der klare Mobilitätsfavorit.

Archivbild: Ljilja Mucibabic

Gibt es in Ihrer Gemeinde eher Zugliebhaber oder Autofans?

So nutzt das Oberland den ÖV

Wie viele nutzen das ÖV-Angebot im Oberland tatsächlich, und wer setzt lieber auf Motorrad oder Auto? Finden Sie heraus, wie Ihre Gemeinde in unserem regionalen ÖV-Ranking abschneidet.

Es sind zwei Realitäten, die an jedem Pendlermorgen bei einer typischen Strasse im Oberland aufeinandertreffen: Am Strassenrand stehen einige Leute an einer Bushaltestelle und warten mehr oder weniger geduldig, während gehetzte Autofahrer vor dem Rotlicht auf das Lichtsignal starren. Doch was ist nun wirklich beliebter – Zug und Bus oder Auto und Motorrad?

Die Zahlen des Statistischen Amts des Kantons Zürich zeichnen ein deutliches Bild: Autofahren ist unangefochten die beliebteste Fortbewegungsmethode im Oberland. Auf den ÖV steigen nur rund 14,7 Prozent um. Im Schnitt kommen auf 1000 Oberländer rund 570 Autos. Woran liegt das? Eine Spurensuche.

Orte entlang der S5 und der S15 lieben den ÖV

Am fleissigsten benutzen die Rütner den ÖV: Rund 29 Prozent der Bevölkerung lassen dort das Auto in der Garage stehen und setzen auf Zug und Bus. Dies ist ein auffallend hoher Wert, der auch deutlich über demjenigen der nachfolgenden Gemeinden Dübendorf und Greifensee (beide 23 Prozent) liegt. Zum Vergleich: In Winterthur benutzt knapp ein Drittel der Bevölkerung das ÖV-Netz, in Zürich ist es gut die Hälfte.

Die höchsten Werte bei der ÖV-Nutzung gibt es tendenziell in Uster und im Glattal, wo praktisch alle Gemeinden deutlich über dem regionalen Schnitt von 14,7 Prozent liegen. Eine Erklärung könnten die höheren Frequenzen und schnelleren Verbindungen nach Zürich sein. Dies deckt sich mit der Beobachtung, dass auch Gemeinden entlang der Linien S5 und S15 sehr gute Werte aufweisen – also allesamt Orte, die von einem schnellen Viertelstundentakt nach Zürich profitieren.

Lange Wege und tiefe Frequenzen

Das Blatt wendet sich jedoch, sobald man einen Blick über den Tellerrand hinaus in den Rest des Oberlands wagt: In Wildberg beispielsweise ist der routinierte Griff zum Autoschlüssel gang und gäbe. Aufsehenerregende 95 Prozent benutzen dort ihr Auto oder ihr Motorrad, um von A nach B zu kommen. Ebenfalls hohe Werte verzeichnen Hittnau und Fischenthal (beide 93 Prozent).

Auffallend ist, dass generell Orte ohne Bahnanschluss oder mit langen Reisezeiten in die urbanen Zentren schlechte Werte bei der ÖV-Anbindung aufweisen. In Wildberg fährt nur einmal pro Stunde ein Postauto je nach Pfäffikon und Turbenthal. In Hittnau gibt es nur eine Verbindung pro Stunde mehr. Mit Russikon und Weisslingen schneiden weitere Gemeinden zwischen Pfäffikersee und Tösstal bei der ÖV-Nutzung schlecht ab.

Fischenthal hat zwar einen Bahnhof, jedoch tagsüber keine Buslinie, die diesen mit dem Rest der Ortschaft verknüpfen würde. Erst am Abend, wenn kein Zug mehr fährt, bedient die Buslinie 854 im Stundentakt einzelne Halte in der Gemeinde.

Entsprechend lang sind die Fusswege, welche zur nächsten Haltestelle zurückgelegt werden müssen – durchschnittlich 448 Meter müssen Herr und Frau Fischenthaler auf sich nehmen, um von ihrem Haus zur nächsten Station des öffentlichen Verkehrs zu gelangen. Zum Vergleich: In Dübendorf, wo dieser Wert am tiefsten liegt, sind es lediglich 161 Meter. Somit sind dort die Wege fast dreimal kürzer als in Fischenthal.

Die Gemeinde Zell kommt ebenfalls nicht in den Genuss einer eigenen Buslinie, hat jedoch drei Bahnhöfe. Die Zeller sind anscheinend wanderfreudig: Gute 17 Prozent nutzen den ÖV, trotz einem durchschnittlichen Fussmarsch von fast 400 Metern bis zur nächsten Haltestelle.

Spannend ist zudem das Beispiel Bäretswil. Obwohl tagsüber ein Viertelstundentakt nach Wetzikon besteht, sehen nur 11 Prozent der Bevölkerung einen Bus von innen. Dies überrascht auf den ersten Blick, könnte aber mit den vielen Aussenwachten zu tun haben, die gar nicht an den ÖV angeschlossen sind. Mit 366 Metern entsprechend hoch ist auch der durchschnittliche Fussweg bis zur nächsten Bushaltestelle.

Das Tösstal setzt aufs Auto

In allen Oberländer Gemeinden ist der motorisierte Individualverkehr – also Autos und Motorräder – beliebter als die öffentlichen Verkehrsmittel. Am meisten Autos gibt es mit rund 668 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner in Wila, dicht gefolgt von Fischenthal (667). Am wenigsten Autos finden sich in Greifensee, wo nur 443 Fahrzeuge auf 1000 Einwohner kommen. Das zeigt erneut, dass ländliche Gemeinden vermehrt auf das Auto statt den Zug setzen. Denn insbesondere im Tösstal sind einige abgelegene Orte gar nicht erst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Einstellung der Postautolinie 807 von Turbenthal nach Sitzberg per Dezember 2026. Laut dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ist die Nachfrage auf der nur alle zwei Stunden verkehrenden Linie zu tief gewesen, weshalb man sich nicht für eine Weiterführung entschieden hat. Ein alternatives Angebot für die zukünftige Erschliessung des nur wenige Einwohner zählenden Sitzbergs ist derzeit nicht geplant.

Aber jede Regel hat ihre Ausnahme. In unserem Fall heisst diese Schlatt. Trotz ihrem ländlichen Charakter liegt der Anteil der ÖV-Nutzer in der kleinen Gemeinde bei rund 19 Prozent. Somit benutzt in Schlatt ein gleich grosser Anteil der Bevölkerung den ÖV wie in Wetzikon. Grund hierfür könnte die halbstündlich verkehrende Postautolinie 680 sein, welche direkt zum Hauptbahnhof in Winterthur gelangt und dort Anschlüsse an alle Regional- und Fernverkehrszüge gewährleistet.

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