Uster setzt ein Zeichen für Elsbetha Bünzli
Rückblick auf ein dunkles Kapitel
Zum Abschluss einer Veranstaltungsreihe zur traurigen Geschichte von Elsbetha Bünzli ist in Uster ein Mahnmal eingeweiht worden. Die Frau aus Nossikon wurde vor 370 Jahren als vermeintliche Hexe hingerichtet.
Kurz nach 19 Uhr am Freitagabend treffen sich in Uster auf dem alten Friedhof gut 200 Personen. Sie möchten Elsbetha Bünzlis Würde wiederherstellen. Bünzli wurde vor 370 Jahren in Zürich, zur Zeit der Hexenverfolgung, gefoltert, geköpft und verbrannt. Ihre Asche wurde anschliessend achtlos in der Sihl entsorgt. Ihr Andenken und die Erinnerung an sie sollten damit ausgelöscht werden.
Ein Erinnerungsakt auf dem alten Friedhof
Die Anwesenden versammeln sich um einen Baumstrunk. Nur Einheimische wissen, dass an dieser Stelle auf dem alten Friedhof hinter der reformierten Kirche noch nie ein Baum gestanden hat, der hätte gefällt werden können.
Schnell wird klar, dass es sich um eine Bronzeskulptur handelt. Neugierig nähern sich die Besucher und verbeugen sich scheinbar achtungsvoll vor der Skulptur und damit auch vor Elsbetha Bünzli. Das Kunstwerk von Sonja Feldmeier aus Basel birgt ein Geheimnis, das sich einem nur erschliesst, wenn man sich über die Skulptur beugt.

Der vermeintlich echte Baumstrunk ist in der Wiese eingelassen und wirkt verwachsen mit der Umgebung. Über der Schnittfläche wächst ein wulstiger Abschluss und überdeckt die Wunde der gewaltsamen Baumfällung. Mit vollem Kirchengeläut wird die kleine Zeremonie eingeleitet. Nach dem Verklingen der Glocken stehen die Besucher andächtig und erwartungsvoll um die Skulptur.
Wortlos schreitet Sonja Feldmeier an das von ihr geschaffene Werk heran. In der Hand hält sie einen goldenen Krug, aus dem sie Wasser über die Skulptur giesst. Ist das eine Reinwaschung der Geschichte oder eine Tauferneuerung für die heimgeholte Elsbetha Bünzli? Mit fragenden Blicken werden die Besucher stehen gelassen und in die Kirche gebeten.
Gedenken in der Kirche
Mit einem gehaltvollen Orgelspiel von Stefan Schättin nimmt das fragende Publikum Platz Die Präsidentin der Kirchenpflege, Gertrud Dubach, entzündet eine kleine Kerze im Gedenken an Elsbetha Bünzli. Sie eröffnet den Reigen der Rednerinnen und betont das Unverständnis der Ereignisse vor 370 Jahren und ist dankbar für diese Veranstaltungsreihe, die mit diesem Erinnerungsakt ihren würdigen Abschluss findet.

Pfarrer Matthias Rüsch und die Stadtarchivarin Franziska Sidler ergreifen das Wort, das eigentlich für Otto Sigg vorgesehen war. Sigg ist am Karfreitag überraschend verstorben. Otto Sigg hat sich nach seiner Pensionierung als Staatsarchivar die alten Gerichtsakten vorgenommen, transkribiert und damit eine Diskussion, auch auf politischer Ebene, angestossen.
Die Bedeutung des Mahnmals heute
Sonja Feldmeier führt in ihre Arbeit ein. Der gefällte Baum steht für die hingerichtete Elsbetha Bünzli. Die Fällung selbst ist unwiderruflich, die Verletzungen werden mit Narben überwuchert. Ihr Werk ist eine Auseinandersetzung, die über das Ende des Lebens hinausgeht.
Pfarrer Mathias Rüsch betritt das Rednerpult mit dem goldenen Krug in der Hand. Es handelt sich dabei um den Taufkrug aus dem 17. Jahrhundert, der heute noch in Gebrauch ist. Auch Elsbetha Bünzli wurde mit diesem Krug getauft.



Weitere Rednerinnen waren Stadtpräsidentin Barbara Thalmann, Kantonsrätin Jacqueline Fehr und Kirchenratspräsidentin Esther Straub. In ihren ausführlichen Vorträgen würdigten sie Elsbetha Bünzli und betonten die Unfassbarkeit der Geschehnisse aus heutiger Sicht. Sie sind sich einig, dass es ein aktives Bemühen braucht, um diesen und andere Fälle aufzuarbeiten.
Jacqueline Fehr brachte es auf den Punkt: «Die Schuldigen können nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden, wir stehen aber in der Verantwortung für die Zukunft.»