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Gesellschaft

Er kennt alle Heilpflanzen am Pfäffikersee

220 Heilpflanzen wachsen rund um den Pfäffikersee. Das neue Buch von Ernst Ott zeigt ihre Geschichte – und ihre Grenzen.

Er kennt alle Heilpflanzen am Pfäffikersee

Neues Buch von Ernst Ott

220 Heilpflanzen wachsen rund um den Pfäffikersee. Das neue Buch von Ernst Ott zeigt ihre Geschichte – und ihre Grenzen.

Als Biologie- und Chemielehrer verstand Ernst Ott es, auch schwierige Themen verständlich zu vermitteln. Seine Schülerinnen und Schüler interessierten sich weniger für die Abläufe im Reagenzglas und mehr für die Funktionen ihres Körpers. «So konnte ich ihnen auch komplexe Zusammenhänge schmackhaft machen, beispielsweise zu den Themen Ernährung oder Gesundheit.»

Diese Nähe zum menschlichen Körper prägte auch sein eigenes Interesse – und weckte schliesslich seine Faszination für Heilpflanzen. «Zuerst bin ich ihnen vor allem auf meinen Reisen begegnet», sagt der 80-Jährige. Und er war fasziniert, wie Pflanzen überall auf der Welt auch für medizinische Zwecke genutzt werden.

Aus Neugier belegte er vor drei Jahren an der Universität Zürich einen Lehrgang in Ethnobotanik und Ethnomedizin. Dieser beschäftigt sich damit, wie Menschen Pflanzen als Heilmittel einsetzen. «Und natürlich mussten wir auch eine Abschlussarbeit schreiben», sagt der Ustermer.

Wissenschaftliche Belege – aber nicht für alle

Für ihn war klar, dass er keine Arbeit verfassen wollte, die in einer verstaubten Schublade landet. Als ehemaliger Präsident der Vereinigung Pro Pfäffikersee und aktueller Präsident des Naturzentrums Pfäffikersee war sein Fokus schnell klar: die Heilpflanzen der Moorlandschaft rund um den See.

Aus einer Liste von über 800 Pflanzen des Gebiets konnte Ott rund 220 Pflanzen festmachen, die auch als Heilpflanzen eingesetzt werden.

Aus seinen Recherchen entstand ein über 200-seitiges Buch, das Ott letztes Jahr selbst herausgegeben hat. Darin zeichnet er die Geschichte der Heilpflanzen nach – von den Pfahlbauern am Pfäffikersee bis zur modernen Phytotherapie, der Pflanzenmedizin.

Ernst Ott
Auch wenn die Natur noch im Frühlingserwachen ist, findet Ernst Ott Heilpflanzen wie die Weide.

41 Pflanzen stellt Ott genauer vor – vom Baldrian über Himbeere bis zur Zitronenmelisse. «Bei vielen ist die Wirkung auch wissenschaftlich nachgewiesen.» Aber nicht bei allen.

Ott nahm bewusst auch solche Pflanzen ins Buch auf, um traditionelles Wissen zu bewahren. «Das ist natürlich eine Grauzone», gibt der studierte Naturwissenschaftler zu.

Ein neuer Zugang zur Natur

Im vergangenen September hat Ott «Heilpflanzen der Moorlandschaft Pfäffikersee» an seiner Buchvernissage im Naturzentrum Pfäffikersee vorgestellt. Der Anlass war ausgebucht. «Das Interesse war riesig», freut sich der Autor.

Für ihn eröffnen die Heilpflanzen einen neuen Zugang zur Pflanzenwelt am Pfäffikersee. «Für mich bilden sie einen neuen Ansatz, um die Natur zu zeigen», sagt Ott. Entsprechend plant er im Sommer mehrere Führungen für Interessierte.

Dann blühen die meisten Heilpflanzen in der Region. Doch auch zu Frühlingsbeginn findet man bereits einige Exemplare – beispielsweise Moorbirken, Laubholzmisteln oder Weiden.

So wirken diese Heilpflanzen

Moorbirke: Zubereitungen aus Birkenblättern wirken harntreibend. Sie werden traditionell eingesetzt, um die Harnwege zu unterstützen, zum Beispiel bei Entzündungen oder bakteriellen Infektionen. Ausserdem können sie helfen, der Bildung von Nierensteinen vorzubeugen. Die Wirkung beruht auf natürlichen Pflanzenstoffen, die in den Blättern enthalten sind. In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen oder zu Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Laubholzmistel: Zubereitungen aus den Misteln werden traditionell verwendet, weil man ihnen verschiedene Wirkungen zuschreibt: Sie sollen den Körper vor schädlichen Einflüssen schützen, den Blutdruck senken und das Immunsystem beeinflussen. Die Mistel enthält mehrere wirksame Pflanzenstoffe. Gleichzeitig ist sie jedoch giftig: Sie kann Haut und Schleimhäute reizen sowie Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Einige ihrer Inhaltsstoffe können Zellen schädigen.

Weide: Die Rinde verschiedener Weidenarten enthält natürliche Stoffe, die im Körper in Salicylsäure umgewandelt werden. Diese wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. Ein ähnlicher Wirkstoff kommt auch im bekannten Medikament Aspirin vor. Mittel aus Weidenrinde werden deshalb zum Beispiel bei Erkältungen sowie bei Kopf- und Gelenkschmerzen eingesetzt.

Damit will er nicht unbedingt erreichen, dass die Besucher später selber Heilpflanzen suchen – und schon gar nicht am Schutzgebiet rund um den Pfäffikersee. Dort im Naturschutzgebiet ist das Pflücken nämlich nicht erlaubt. «Aber vielleicht denken einige dann bei kleineren Beschwerden zuerst an pflanzliche Mittel», sagt Ott. Als Beispiel nennt er die Kamille, welche die Wundheilung unterstützen kann. «Oder Wallwurz bei Verstauchungen.» Er selber nutzt zahlreiche Pflanzen wie beispielsweise Schafgarbe, Weissdorn, Malve, Holunder oder Brennnessel.

Selbst sammeln müsse man diese Heilpflanzen nicht. Denn in getrockneter Form findet man sie laut Ott auch in vielen Apotheken oder Drogerien. Dort muss man sich auch keine Sorgen machen, versehentlich das falsche Kraut gepflückt zu haben.

«Heilpflanzen wirken, weil sie Stoffe enthalten, die sie für ihr eigenes Überleben brauchen», erklärt Ott. Und deshalb hängt die genaue Zusammensetzung einer Pflanze auch davon ab, wo sie wächst und welchen Umwelteinflüssen sie ausgesetzt ist. Deshalb kauft er Heilpflanzen in der Apotheke: «Dort weiss ich, dass sie auch die aktiven Wirkstoffe enthalten.»

Das Buch «Heilpflanzen der Moorlandschaft Pfäffikersee» ist in den regionalen Buchhandlungen sowie im Naturzentrum Pfäffikersee erhältlich.

Ernst Ott wird im Sommer mehrere Veranstaltungen zu Heilpflanzen im Naturzentrum Pfäffikersee durchführen. Das Programm ist noch in Arbeit. Mehr Informationen findet man auf der Website www.naturzentrum-pfaeffikersee.ch.

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