«Mit der Kaugummimasse hätte man einen Menschen erschlagen können»
Sieben Schüler gründen Unternehmen
Koffeinhaltiger Kaugummi statt Energydrink – diese Idee steckt hinter «M8gum», einem von sieben KZO-Schülern gegründeten Jungunternehmen.
Kaugummis mit Koffein statt Zucker aus der Dose – diese Idee stammt nicht etwa aus dem Silicon Valley, sondern von einer Schülergruppe der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) aus Wetzikon.
Im Rahmen eines schulischen Freifachs gründeten die sieben Schüler, die alle aus unterschiedlichen Klassen und Profilrichtungen stammen, ein eigenes Unternehmen namens «M8gum». Das Freifach gehört zum nationalen Programm Young Enterprise Switzerland (YES), welches Jugendlichen unternehmerisches Denken näherbringen soll. Im Programm geniesst das siebenköpfige Team Ideenfreiheit, das Startkapital für ihre Geschäftsidee mussten sie jedoch selbst zusammenbringen.
Unterstützende Beratung können sie sich dabei jederzeit bei ihrer betreuenden Lehrperson einholen. Mit ihren Koffein-Kaugummis konnten die Schüler nun an der Pitch Competition der Region Zürich einen Sieg einfahren.
Dieser Erfolg ist aber nur ein Schritt: Als Nächstes hofft das Team auf eine Qualifikation in die Top 75 des schweizweiten Wettbewerb von YES. Zu den Kriterien gehört hierbei, neben der Pitch Competition, auch ein gutes Abschneiden in weiteren Bereichen, zum Beispiel einen überzeugenden Online-Auftritt.
Etwas Alltägliches gegen die Müdigkeit
Die Idee eines Energy-Kaugummis stammt vom «M8gum»-CEO Luca selbst: «Ich sehe immer wieder Schüler, die müde sind – auch ich selber! Und die könnten einfach noch etwas Energie brauchen, zum Beispiel wenn man eine anstregende Woche hatte.»
Dass sich die Gesichter hinter «M8gum» für Kaugummi und nicht für Energydrinks entschieden haben, begründet Luca folgendermassen: «Energydrinks sind in der Schule von einigen nicht gern gesehen. Wir wollten unser Produkt in einer alltäglichen Form verpacken – da fiel uns der Kaugummi ein.»
Die beiden daraus entstandenen Kaugummisorten Power Mint und Cherry Boost sollten wie ein kleiner Freund in der Hosentasche fungieren. Daher stammt auch der Name: «Mategum» ist ein englisches Kofferwort aus Freund und Kaugummi.
Partnerfrust macht erfinderisch
Am Anfang der Entwicklung standen eigene Experimente mit Kaugummimasse. Das Rezept dazu fanden Luca und CMO Jonas auf Youtube, die Zutaten bestellten sie unter anderem auf Amazon. Der Selbstversuch war jedoch alles andere als von Erfolg gekrönt: «Am Ende war die Kaugummimasse steinhart. Damit hätte man einen Menschen erschlagen können», witzelt Luca.
Ein professioneller Partner musste her. Dies sorgte zuerst für viel Frust, erwies sich die Suche nach einem zuverlässigen und interessierten Produktionsunternehmen als schwierig und sehr erdrückend. «In dieser Zeit haben wir ein paarmal überlegt, ob wir nicht lieber etwas anderes machen wollen», beschreibt Luca die schwierige Zeit für das noch junge Schülerunternehmen.
Nach über 40 Mails an Unternehmen – teilweise auch aus China oder den USA – haben die Entwickler des «M8gums» schliesslich einen Schweizer Produktionspartner gefunden. Die Firma machte ihnen das Angebot, bestehende Geschmacksrichtungen mit ihrem Konzept zu vereinen, was viel Geld einsparte.
Manchmal muss man den Extraschritt fürs eigene Unternehmen gehen.
Luca, CEO «M8gum»
Das Verpacken der Kaugummis, welche online über ihre Website bestellt werden können, übernehmen die Schüler jedoch nach wie vor selbst. «Einige Male sind wir nach dem Unterricht noch bis 22 Uhr in der Schule geblieben und haben verpackt», unterstreicht Larissa, Marketingmanagerin von «M8gum», das Engagement.
Schweiz statt China
Dass die Kaugummis nun vollständig in der Schweiz produziert und abgepackt werden, ist dem Team sehr wichtig. Sie schätzen die hohen Standards und den Lokalbezug, womit auch die Nachhaltigkeitsbilanz ihres Produkts um einiges besser ausfällt, als wenn sie die Ware aus dem Ausland importieren müssten.

Natürlich gab es im Team immer wieder Uneinigkeiten. Besonders die eigenständige Aufgabenkoordination und gegenseitige Überzeugungsarbeit empfanden sie als anspruchsvoll. Laurin, Produktmanager von «M8gum», bekräftigt: «Es müssen wirklich alle mit anpacken, sonst funktionierts nicht.» Der CEO ergänzt: «Manchmal muss man den Extraschritt fürs eigene Unternehmen gehen.»
Geschäftsmann und Schüler zugleich
YES ist für Luca und sein Team eine Möglichkeit, erste Eindrücke mit einer eigenen Firma zu gewinnen und verschiedene Bereiche wie Marketing oder Produktdesign kennenzulernen. Das Programm gebe ihnen die Möglichkeit, Fehler zu machen und sich im Hinblick auf eine potenziell eigene, professionelle Firma zu verbessern.
Dass sie auf dem richtigen Weg sind, zeige ihnen auch der Sieg an der Pitch Competition. Ihre Selbstsicherheit habe der Schülergruppe einen Vorteil bei der Jury verschafft, wie der CEO mutmasst. Denn neben einer Kurzpräsentation des eigenen Unternehmens und Produkts gehörte bei dieser Wettbewerbsveranstaltung auch eine Fragerunde dazu, in welcher man den hartnäckigen Fragen der Jury die Stirn bieten musste.
Eine noch ungewisse Zukunft
In Zukunft möchte das Team rund um «M8gum» weiter expandieren. Wann sie diese Pläne in die Tat umsetzen, ist jedoch noch nicht klar. Da alle Mitglieder neben dem Projekt auch noch schulische Aufgaben bewältigen müssen und Hobbys ausüben, bleibt nicht immer gleich viel Kapazität fürs Unternehmen übrig.
Mehr Zeit möchten Luca, Laurin und Larissa auf jeden Fall ins Marketing stecken. Um ihre Kernkundschaft, die sich in jungem Alter befindet, zu erreichen, setzen sie voll auf die sozialen Medien. Das soll ihnen helfen, das Produkt bekannter zu machen und den Umsatz zu steigern. Auch einen Investor mit ins Boot zu holen, schliesst Laurin nicht aus. Mit einem entsprechenden finanziellen Zuschuss könnten die sieben Gründer von «M8gum» den Verpackungsprozess automatisieren.
Inwiefern es mit dem Unternehmen nach der Matur weitergeht, steht aber derzeit noch in den Sternen – respektive in den Verkaufszahlen der Kaugummis.