In Egg besitzen viele Einheimische zusammen einen Buchladen
Das Buchzeichen gegenüber der Migros ist in Händen einer Genossenschaft, die vor zehn Jahren dafür sorgte, dass es im Dorf weiterhin einen Laden für Bücher gibt.
Der Buchladen Buchzeichen in Egg feiert aktuell sein 10-Jahr-Jubiläum. Das Geschäft könnte besser laufen, denn auch hier merkt man, dass selbst die Stammkundschaft seine Lesegewohnheiten verändert hat – es wird grundsätzlich weniger gelesen. Alternativ locken viele zusätzliche Unterhaltungsangebote im Internet.
Der Buchladen liegt gegenüber der Migros in Egg. «Wir haben viel Laufkundschaft», erklärt Marianne Beutler. Sie ist Geschäftsleiterin vom Buchzeichen. Dass es den Laden heute überhaupt gibt, hat mit dem Engagement der Eggerinnen und Egger zu tun.
Denn ursprünglich gab es an der Pfannenstielstrasse oberhalb des Bahnhofs einen Buchladen. Die Besitzerin schloss diesen altershalber, eine Nachfolgeregelung gab es zunächst nicht. «Wir haben damals leer geschluckt. Der Buchladen war wichtig fürs Dorfleben», erinnert sich Andreas Gantenbein. Und so kam es, dass man im Juni eine Genossenschaft gründete, damit es in Egg weiterhin einen Buchladen gibt.
Und schon am 1. Oktober 2016 öffnete das Buchzeichen Egg an den heutigen Standort an der Mönchaltorferstrasse 8, wo sich vorher eine Papeterie befand. Marianne Beutler und ihr Mann kauften den Laden und vermieteten ihn bis heute zu einem sehr günstigen Preis an die Genossenschaft Buchzeichen Egg.
«Der Buchladen leistet einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben in Egg», erklären Marianne Beutler und Andreas Gantenbein. So organisiert das Buchzeichen pro Jahr bis zu sechs Veranstaltungen – vor allem Lesungen, die entweder im Laden selber oder im Hirschensaal in Egg stattfinden. Jetzt im Jubiläumsjahr sind es sechs Lesungen. Die nächste Lesung findet am Dienstag, 10. März, um 19.30 Uhr im Hirschensaal statt. SRF-Moderatorin und Journalistin Angélique Beldner liest aus ihrem Buch über strukturellen Rassismus und spricht über ihre persönliche Erfahrung damit.
Aktuell rund 200 Leute bei der Genossenschaft dabei
Marianne Beutler ist Geschäftsleiterin und Vertreterin des Ladenteams in der Genossenschaft – rund 200 Genossenschafterinnen und Genossenschafter stehen derzeit hinter dem Buchladen. Für den Minimalbetrag von 500 Franken kann man einen Geneossenschaftsanteilschein erwerben und wird damit Mitbesitzer des Buchladens, der drei Buchhändlerinnen mit insgesamt 170-Stellenprozenten beschäftigt.
«Kleiner Laden – unbegrenztes Angebot», so wirbt das Buchzeichen auf seiner Website. «Finden Kundinnen und Kunden unter den sorgfältig ausgelesenen Büchern im Laden nicht den von ihnen gewünschten Titel, bestellen wir diesen am gleichen Tag, zusammen mit dem Nachschub für den Laden», erklärt Beutler.
«Über unseren eigenen Onlineshop kann man alle im Handel befindlichen Bücher bestellen – wir haben Zugriff zu allen Beständen und die gleich raschen Lieferzeiten wie grosse Buchhandlungen, beispielsweise Orell Füssli», betont Marianne Beutler. Eine Online-Bestellung bis 16 Uhr ist am anderen Morgen im Buchladen zum Abholen bereit oder wird auf Wunsch gratis nach Hause geliefert.
Wer nach dem Motto «buy local online» im Shop des Buchzeichens Egg bestelle, leiste einen wichtigen Beitrag, dass es den Laden noch lange gebe, betont Marianne Beutler.
Laden beliefert auch Schulen
Ein weiteres wichtiges Standbein seien Schulbücher. «Wir versorgen rund 20 Schulhäuser in der Region», erklärt Andreas Gantenbein – unter anderem solche in Egg und Maur. «Die Schulbücher werden bei uns palettenweise angeliefert. Wir sortieren sie nach Schulhäusern und liefern sie geordnet aus. Das ist eine grosse Entlastung für die jeweiligen Schulen», so Marainne Beutler.
Sachbücher und Krimis, das sind aktuell die Verkaufsschlager. «Wir erhalten von den Verlagen regelmässig Kataloge mit Neuerscheinungen, oder es kommen Vertreter vorbei. Aus dem neuen Angebot wählen wir dann die Bücher aus», erklärt Buchhändlerin Selma Bachmann. Zudem bekomme man immer wieder von Kundinnen und Kunden Hinweise auf Bücher, die man dann bestelle.
In den Regalen unter der Rubrik Romane, Krimi und Sachbüchern sind auch Zettel zu lesen mit dem Hinweis «locker und leicht», «Unterhaltung» oder «fremde Welten». Marianne Beutler dazu: «So finden die Kundinnen und Kunden leicht Titel, die ihre emotionalen Wünsche erfüllen.» Zudem stehen die Buchhändlerinnen mit Rat und Tat zur Seite – viele der neuen Bücher haben diese jeweils selber schon gelesen.
Und auch im Schaufenster findet sich eine Besonderheit: Hier haben junge Testleserinnen und Testleser (acht bis 12 Jahre alt) einen kurzen Bericht zu ihren gelesenen Bücher geschrieben. Die entsprechenden Bücher sind dann gleich darunter auch ausgestellt.
Zum Schluss hat Andreas Gantenbein noch seinen persönlichen Buchtipp: «Die Welt der Gegenwart» von Emilie Aubry und Frank Tetart. Im Buch werden die aktuellen Krisenherde und deren Hintergründe erklärt.
Und Marianne Beutler hat gerade das Buch «Rassismus im Rückspiegel» gelesen – von Angélique Beldner, die wie erwähnt die nächste Buchzeichen-Lesung vom 10. März hält.
