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Wohnen mit Hürden

Noch steht die Senioren-WG in Wald unter keinem guten Stern

Alles schien perfekt: Ursula Trösch und ihre Mutter Elsbeth Cartier wollten ihre Vision einer Senioren-WG umsetzen. Doch das Projekt geriet ins Straucheln.

Eigentlich gekommen, um zu bleiben: Ursula Trösch mit Hund Buddy und Elsbeth Cartier.

Foto: Karin Sigg

Noch steht die Senioren-WG in Wald unter keinem guten Stern

Alles schien perfekt: Ursula Trösch und ihre Mutter Elsbeth Cartier wollten ihre Vision einer Senioren-WG umsetzen. Doch das Projekt geriet ins Straucheln.

«Gemeinsam altern macht mehr Spass»: Unter diesem Motto wollten Ursula Trösch und ihre Mutter Elsbeth Cartier eine Wohngemeinschaft für Senioren gründen. Die 61-jährige Seniorenbetreuerin hat uns vor etwa einem Jahr von ihrer Vision erzählt.

Der Projektstart war vielversprechend: Im Tösstal war ein geeignetes Haus in Aussicht und mit der privaten Spitex Bajron aus Volketswil eine Partnerin für die Finanzierung an der Seite. Was noch fehlte, waren interessierte Senioren. Durch Inserate und Medienbeiträge erhofften sie sich, diese zu finden.

Was ist aus dem Projekt geworden? Wir haben die beiden Frauen in ihrem neuen Zuhause in Wald besucht. Also im Oberland statt im Tösstal. «Mit dem ursprünglichen Haus, das wir in Aussicht hatten, hat es nicht geklappt», erzählt Trösch. Sie sitzt am Küchentisch und reibt sich nachdenklich die Stirn.

Auch sonst ist die Bilanz ernüchternd: Noch immer fehlen geeignete Mitbewohnerinnen oder Mitbewohner. Und bald auch wieder eine passende Immobilie. Denn spätestens bis im Mai 2027 müssen Mutter und Tochter eine neue Bleibe finden – weil der Vermieter Eigenbedarf für das Einfamilienhaus angekündigt hat.

Das vermeintlich passende Zuhause gefunden

Doch schön der Reihe nach: Weil für Ursula Trösch die Vorgehensweise der Spitex-Organisation «zu zögerlich» war, machte sie sich vor rund einem Jahr selbst auf die Suche nach einem passenden Zuhause.

Im idyllischen Weiler Hueb oberhalb von Wald wurde die umtriebige «Macherin» schnell fündig. Das ältere, grosszügige Haus gehört seit Anfang 2025 einem Bauern, der in unmittelbarer Nähe auf einem Hof lebt, den er auch bewirtschaftet. «Meine Mutter verliebte sich auf Anhieb in das heimelige Zuhause.» Im Mai zogen sie ein.

Nach Rücksprache mit dem Hausbesitzer liess Ursula Trösch die nötigen Einbauten und Renovationen vornehmen. Zum Beispiel die Kürzung und Montage des bereits vorhandenen Treppenlifts. «Wir haben ihn im vorherigen Haus für meine Mutter einbauen lassen und nahmen ihn mit, damit sie auch hier barrierefrei ins Freie kann.» Oder den Einbau einer Trennwand, um bei Notfällen nebenan schlafen zu können. «Alles zum Wohle meiner Mutter und möglicher weiterer Senioren.»

Doch die Mitbewohner liessen immer noch auf sich warten. Mit Ausnahme einer älteren Frau und ihrem erwachsenen Sohn. Allerdings stellte sich bereits nach wenigen Wochen heraus, dass die beiden Mietnomaden waren – also Personen, die einziehen, die Miete nicht oder nur kurz zahlen, die Wohnung oft stark vernachlässigt zurücklassen und dann spurlos weiterziehen. Auch Trösch erhielt von den kurzzeitigen Mitbewohnern keinen einzigen Rappen Miete. «Die Verwüstung, die sie hinterliessen, war dafür umso grösser», erinnert sie sich mit Schrecken.

Doch dann kam alles anders

Dass das Interesse von potenziellen Mitbewohnern so spärlich ist, führt Ursula Trösch auf die abgelegene Lage des Hauses zurück. Zwar ist die Aussicht atemberaubend, die idyllische Lage erinnert an einen Ferienort. «Allerdings wohnen viele Senioren wohl lieber in der Nähe eines Dorfzentrums oder eines Bahnhofs.»

Diesen Umstand werden die beiden Frauen bei der Wahl ihres nächsten Hauses berücksichtigen. Die nun erfolgte Kündigung wegen Eigenbedarf sei vor allem für ihre bald 85-jährige Mutter ein schwerer Schlag, sagt Trösch. «Sie fühlt sich wohl hier und hat sich darauf eingestellt, nicht mehr zügeln zu müssen.»

Die beiden Frauen sind frustriert. Denn zusätzlich zur emotionalen Bindung kommen auch wirtschaftliche Überlegungen. «Wir haben über 12’000 Franken in dieses Haus investiert, ganz zu schweigen von den vielen Arbeitsstunden, die ich in den Garten gesteckt habe.» Bis zu ihrem Auszug müssen sie nun alles wieder in den Ursprungszustand rückbauen.

Trotz den vielen Rückschlägen gibt Ursula Trösch die Hoffnung nicht auf. «Ich glaube fest daran, dass wir unsere Vision einer Senioren-WG verwirklichen können», ist die willensstarke Frau überzeugt.

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