Er will Wetzikon zur velofreundlichsten Stadt machen
Velofahrer Thom Hoffmann
Thom Hoffmann hat sich zum Ziel gesetzt, dass sich Velofahrer in Wetzikon wohler fühlen. Er ortet zahlreiche Mängel im Velonetz – sieht aber auch viele Chancen.
Die Wetzikerinnen und Wetziker lieben ihre motorisierten Untersätze. In der Stadt sind auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner über 500 Autos eingelöst.
Thom Hoffmann fällt da aus der Reihe. Er wohnt seit 1990 in Wetzikon – und besitzt bis heute kein Auto. Stattdessen setzt er aufs Velo. Für ihn ist es das beste Fortbewegungsmittel: «Man ist draussen an der frischen Luft und bewegt sich.»
Er sagt über sich: «Ich gehöre zu den gut acht Prozent aller Personen, die aufs Velo setzen, selbst wenn die Infrastruktur schlecht ist.» Doch er ist überzeugt: Mehr Wetziker würden aufs Zweirad umsatteln, wenn die Bedingungen besser wären.
Und so hat Hoffmann entschieden, sich für eine bessere Veloinfrastruktur in Wetzikon einzusetzen. «Ich bin pensioniert und habe jetzt Zeit dazu», sagt der 63-Jährige. Deshalb hat der ehemalige Journalist bei den Workshops und Veranstaltungen zur Ortsplanungsrevision mitgewirkt und versucht, die Anliegen der Velofahrerinnen und -fahrer zu vertreten. «Mir ist es wichtig, mich dort zu engagieren, wo ich wohne.»
Ein ambitioniertes Ziel
Doch gleichzeitig war ihm klar, dass Workshops nur einen begrenzten Nutzen haben. Sie sind Teil eines langen politischen Prozesses.
Er wollte eine zusätzliche Plattform, um sich für den Veloverkehr starkzumachen. Zuerst spielte er mit dem Gedanken, einen Social-Media-Kanal dafür zu nutzen. «Aber als Journalist reicht mir das eigentlich nicht», sagt Hoffmann, der bis zu seiner Frühpensionierung vor drei Jahren als Redaktionsleiter für die Lokalinfo AG tätig war.
Und so entschied er sich, die eigene Website velofreundliches-wetzikon.ch aufzubauen. Dort berichtet Hoffmann über Neuigkeiten zum Veloverkehr in Wetzikon. So lieferte er etwa Details zur Sperrung des Velowegs zwischen Unterwetzikon und Hinwil.
Zudem führt er Tests durch, zum Beispiel zu Veloparkplätzen bei verschiedenen Läden. Er hofft, dass er dadurch mit den Firmen ins Gespräch kommt und allenfalls Verbesserungen erwirken kann. Denn mit der Situation ist er nicht überall zufrieden.
Eine kompakte Stadt
Der passionierte Velofahrer ortet aber auch viel Potenzial für den Veloverkehr. «Wetzikon hat zahlreiche Vorteile», ist er überzeugt. Die Stadt sei flach und kompakt, habe nur wenige Aussenwachten. Viel Leute könnten das Velo deshalb für Erledigungen innerhalb der Gemeinde nutzen – täten dies aber nicht oder noch nicht.
Hoffmann ist überzeugt, dass dies mit der mangelhaften Infrastruktur zu tun hat. Seine Liste ist lang. So sei der Velostreifen auf der Bahnhofstrasse, der zentralen Verbindungsstrasse in Wetzikon, zu schmal.
Viele Velofahrer fühlen sich deshalb nicht sicher, wenn Autos an ihnen vorbeifahren. Eine alternative, sichere Verbindung fehlt. Denn auch die Spitalstrasse ist in seinen Augen nicht optimal.

«Dort sind die Velostreifen nicht durchgängig», moniert Hoffmann. «Ideal wären Velowege auch innerorts.» Doch auch breitere Radstreifen könnten die Lage bereits entschärfen. So ist der Streifen auf der Weststrasse beispielsweise breiter als derjenige auf der Bahnhofstrasse.
Doch das Problem ortet der Wetziker nicht nur bei der fehlenden Infrastruktur. Ein grosses Manko ist für ihn auch der hohe Autoanteil und der Durchgangsverkehr. Hier hofft er, dass die angedachte Entlastung, wie etwa im Zentrum Oberwetzikon, zeitnah umgesetzt wird.
Das Velo mitdenken
Hoffmann freut sich derweil, dass der Stadtrat nun positiv auf die Anliegen der Velofahrer reagiert. So hat Wetzikon beispielsweise beim Prix Velo 2025/2026 mitgemacht. Dabei ermittelt die Organisation Pro Velo jeweils mit einer Umfrage, wie velofreundlich eine Gemeinde ist. Der Preis wird alle vier Jahre vergeben.
Die Idee für die Teilnahme kam von Hoffmann – und er ging damit auf die Verwaltung zu. SVP-Stadtrat Henry Vettiger, der in seiner Freizeit gerne mit dem Velo unterwegs ist, war offen für den Vorschlag, und Wetzikon nahm bei der Umfrage teil.
Für Hoffmann ist klar, dass Wetzikon bei der Preisverleihung im kommenden Jahr noch nicht vorne mitmischen wird. Die Umfrage könne aber Schwachstellen im Velonetz offenlegen, welche dann verbessert werden könnten. «Ich hoffe, dass genügend Leute mitgemacht haben», sagt er. Denn nur dann werde das Ranking der Stadt im kommenden Frühling publiziert.
Für die Zukunft hofft Hoffmann nicht nur auf Verbesserungen im Velonetz, sondern auch auf ein Umdenken bei der Wetziker Politik. «Man muss bei allen Projekten auch immer die Velofahrenden im Blick haben.»
