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Der Evo Flirt kommt

Bald rollen die neuen Züge für die Tösstalbahn an

Die Thurbo-Züge, die durchs Tösstal fahren, haben bald fünf Millionen Kilometer auf der Uhr. Ihr Ersatz ist längst aufgegleist.

Bereits im letzten Jahr fuhr das neue Regionalzugmodell der SBB, der Flirt Evo, am Bahnhof Wila durch.

Foto: Bettina Schnider

Bald rollen die neuen Züge für die Tösstalbahn an

Die Thurbo-Züge, die durchs Tösstal fahren, haben bald fünf Millionen Kilometer auf der Uhr. Ihr Ersatz ist längst aufgegleist. Die alten Fahrzeuge fallen aber nicht dem Schneidbrenner zum Opfer sondern werden weiterfahren – in Osteuropa.

Seit bald einem Vierteljahrhundert sind die leichten Gelenktriebwagen der Bahngesellschaft Thurbo im Tösstal unterwegs. Damals lösten sie die klassischen Pendelzüge ab, die aus einem Triebwagen, einigen Zwischenwagen sowie einem Steuerwagen zusammengestellt waren.

Bei den Fahrgästen kamen die GTW, wie diese Gelenktriebwagen genannt werden, auf Anhieb gut an. Die Züge des Schweizer Herstellers Stadler Rail mit ihren charakteristischen bunten Sitzen haben breite Türen und grosse Fensterflächen. Vor allem aber ist das Ein- und Aussteigen dank den niederflurigen Einstiegen komfortabel – etwas, was vor 25 Jahren noch nicht die Regel war.

Man sieht einen Zug, der gerade von einem Gleis losfährt.
Die GTW-Züge, wie hier auf der Linie S26 am Bahnhof Wila, haben bald ausgedient.

Doch jetzt steht die Ablösung dieser Züge an. Thurbo hat sich 2021 für die Neubeschaffung von 107 Regionalfahrzeugen vom Typ Flirt Evo von Stadler entschieden. Eine der ersten Strecken, die von diesen Zügen befahren werden soll, ist die Bahnlinie von Winterthur nach Rüti, also durchs Tösstal.

Bereits Testfahrten

Laut Thurbo kommen die ersten Flirt Evo voraussichtlich im Verlauf der zweiten Jahreshälfte im Tösstal zum Einsatz. Bereits 2024 fanden erste Testfahrten statt. Bis die komplette GTW-Flotte durch diese neuen Züge ersetzt ist, dürfte es bis zirka Mitte der 2030er-Jahre dauern.

Dass die alten GTW-Züge jetzt ersetzt werden, war von Anfang an so geplant gewesen. Konzeptionell bestehen diese Züge aus zwei oder drei Wagen, die in Zugsmitte von einem sogenannten Traktionscontainer angetrieben werden – also einer Art führerstandslosen, zweiachsigen Minilok. In normalspuriger, elektrischer Ausführung wurden diese Fahrzeuge erstmals 1996 von der damaligen Mittelthurgaubahn (MThB) für deren Regionallinien entlang des Bodensees und über den Seerücken bestellt.

Im Vergleich zu den damaligen herkömmlichen Regionalzügen sind die GTW nur etwa halb so schwer. Ausserdem wurde ihre Lebensdauer statt wie bisher auf 40 nur auf 25 Jahre ausgelegt. Das alles machte sie in der Anschaffung markant günstiger.

Just dieses Produkt stellt auch das erste Kapitel der Erfolgsgeschichte von Stadler als Hersteller von Bahnfahrzeugen dar. Der GTW war jener Zug, auf den Bahngesellschaften in der ganzen Welt gewartet hatten – und der sich entsprechend als Exportschlager herausstellte. Der GTW war es, mit dem Stadler den grossen internationalen Durchbruch schaffte.

Gestiegene Ansprüche

Thurbo schreibt in einer Mitteilung, dass ein Weiterbetrieb der GTW-Flotte über dieses Alter hinaus in der Schweiz kostspielige Revisionen und Umbauten zur Folge gehabt hätte. Ein Teil der Komponenten der Fahrzeugarchitektur und der Leittechnik müsste ersetzt werden. Zudem genügen die GTW den heutigen Anforderungen von mobilitätseingeschränkten Reisenden nur noch bedingt. Auch hinsichtlich Kundeninformation und Komfort gelten mittlerweile andere Massstäbe.

Da sich Thurbo die Gelegenheit bot, zusammen mit den SBB sowie dem Walliser Regionalverkehrsunternehmen RegionAlps neue Züge gemeinsam in grösserer Anzahl und somit günstiger zu bestellen, erwies sich laut der Thurbo-Mitteilung die Neubeschaffung als wirtschaftlicher und kundenorientierter als die Erneuerung der alten Züge.

Umfassende Erneuerung

Dennoch rollen die GTW damit noch nicht aufs Abstellgleis. Die Ungarischen Staatsbahnen MAV benötigen in den nächsten Jahren zusätzliches Rollmaterial. Thurbo verkauft 93 der insgesamt 110 Züge zurück an den Hersteller Stadler. Dieser übernimmt die Fahrzeuge gestaffelt zwischen 2027 und 2034, wird sie umfassend erneuern, den Bedürfnissen der MAV anpassen und dann nach Ungarn weiterveräussern.

Über den Verkaufspreis haben die beteiligten Parteien Stillschweigen vereinbart. Thurbo hält in der Mitteilung aber abschliessend fest, dass der Verkaufserlös, den Thurbo erzielt, vollumfänglich in den regionalen Personenverkehr der Schweiz zurückfliessen wird.

Das Bahnunternehmen Thurbo

Die Regionalbahn Thurbo ist selbständiges und eigenverantwortliches Unternehmen der SBB AG mit Beteiligung des Kantons Thurgau. Thurbo betreibt S-Bahn-Linien in der ganzen Ostschweiz, ist präsent in und um Winterthur, auf der Strecke durchs Tösstal sowie im grenznahen Raum bis Konstanz, Waldshut sowie Bregenz und Lindau. Thurbo beschäftigt rund 500 Mitarbeitende und befährt mit ihrer Flotte von 110 Fahrzeugen ein Streckennetz mit einer Länge von 658 Kilometern. (zo)

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