SBB testen neues Zugmodell auf der Tösstallinie
Aufgefallen in Wila
Eine aussergewöhnliche Zugsichtung im Tösstal macht neugierig. Die SBB fahren ihr neues Zugmodell spazieren. Ab 2026 soll es auch in der Region zum Einsatz kommen.
Zugfans, Trainspotter und Bahnonline-Leser aufgepasst: Wer sich vergangene Woche am Bahnhof Wila herumtrieb, hatte die Chance, exklusiv ein Stück ÖV-Zukunft zu Gesicht zu bekommen – ein neuartiger S-Bahn-Zug schlich über die Schienen.
Wer regelmässig mit der S-Bahn durchs Tösstal tingelt, weiss nämlich: Naturgemäss gibt es genau zwei Zugmodelle, die am Bahnhof Wila vorkommen.
Die farbig gesprenkelten Thurbo-Züge, die die Linie S26 bedienen, und die Doppelstockzüge der Zürcher S-Bahn, die mehrmals täglich in Wila kehrtmachen, bevor sie wieder in Richtung Zürich aufbrechen.
Der gesichtete Zug aber passte nicht ins vertraute Bild: Etwa eine «kurzfristige Änderung im Fahrzeugeinsatz», wie sie hin und wieder vorkommt und via Lautsprecher verkündet wird? Kaum.
Klassisch-rote SBB-Lackierung, fehlende Zielanzeige und das Ausbleiben von ein- und aussteigenden Pendlerinnen und Pendlern deuten auf etwas anderes hin. Eine Testfahrt für ein neues Modell?
Beliebte Teststrecke
Der Verdacht liegt nahe, denn die SBB nutzen den oberen Abschnitt der Tösstallinie regelmässig für Testfahrten. So war 2022 bereits der Interregio-Doppelstockzug in Wila zu Gast, noch bevor er fahrplanmässig im Einsatz stand. Seit 2023 verkehrt er unter anderem auf der Linie Zürich–Schaffhausen.
Der Streckenabschnitt zwischen Winterthur Grüze und Wila eigne sich, so die Medienstelle der SBB damals, wegen der grossen Gleisradien gut für die nötigen Testfahrten.
Und so ist es auch dieses Mal: «Ja, wie damals im Oktober 2022 handelt es sich um Testfahrten», sagt Sprecher Martin Meier auf Anfrage. Beim neuen Zug handelt es sich um das Modell Flirt Evo von Stadler Rail.
Insgesamt 286 dieser Züge haben die Bundesbahnen beim Thurgauer Zugbauer bestellt. Kostenpunkt: Rund 2 Milliarden Franken. Mittels Optionen können die SBB gar weitere 224 Exemplare ordern.
Was Tösstaler Pendler dieses Mal besonders freuen dürfte: Anders als bei der letzten Testfahrt können sie sich an den Anblick des neuen Zugmodells gewöhnen. Denn mindestens 107 der fast 300 Züge kommen künftig auf dem Streckennetz der Regionalbahn Thurbo zum Einsatz – und damit auch auf der Linie S26 zwischen Winterthur und Rüti.
Zug gibt sein Debüt als S26
Die Grossbestellung haben die SBB nämlich gemeinsam mit der Ostschweizer Tochter Thurbo und der Walliser Regionalps abgesetzt.
Bei Ersterer ersetzen die neuen Modelle die sogenannten Gelenktriebwagen, also die jetzigen S-Bahn-Züge mit der weissen Lackierung und den farbigen Akzenten. Laut Meier werden die ersten Flirt Evo im Thurbo-Land bereits ab 2026 im kommerziellen Betrieb eingesetzt.
«Nach heutigem Stand ist die Linie S26 eine der ersten, auf der die neuen Züge zu sehen sein werden», sagt Martin Meier weiter. Das Tösstal dürfte also frühzeitig in den Genuss von neuem Rollmaterial kommen.
Bis es so weit ist und die neuen Fahrzeuge auch tatsächlich im Pendlerverkehr eingesetzt werden dürfen, braucht es aber noch den einen oder anderen Test.
«In diesem konkreten Fall dauert die Testkampagne etwas mehr als ein Jahr, davon zirka acht Monate auf Schweizer Netz», erklärt Meier. In dieser Phase wird unter anderem geprüft, ob der Zug technisch mit der bestehenden Infrastruktur kompatibel ist.
