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Gesellschaft

Konflikt an der Kreuzstrasse

Strassenlaternen entzünden Debatten in Uster

Bei Sanierungsarbeiten an der Kreuzstrasse wurden die Strassenlampen neu positioniert. Diese Änderung sorgt bei der Anwohnerschaft und zwei Politikern für Unmut.

Die Platzierung der Strassenlampen in der Entwässerungsrinne der Kreuzstrasse sorgt für kontroverse Diskussionen.

Foto: Tanisha Tinner

Strassenlaternen entzünden Debatten in Uster

Konflikt an der Kreuzstrasse

Bei Sanierungsarbeiten an der Kreuzstrasse wurden die Strassenlampen neu positioniert. Diese Änderung sorgt bei der Anwohnerschaft und zwei Politikern für Unmut.

Frisch asphaltiert, mit neuen Pflästerungen und modernen Strassenlampen: Nach rund anderthalbjährigen Sanierungsarbeiten erstrahlt die Kreuzstrasse seit vergangenem Spätsommer in neuem Glanz.

Doch das Ergebnis sorgt bei vielen Anwohnerinnen und Anwohnern für Stirnrunzeln. Auch die beiden Ustermer Politiker Peter Mathis-Jäggi (SP) und Marco Kranner (GLP) äussern sich kritisch zum Ergebnis.

Die Gründe für den Verdruss sind vielfältig. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Kandelaber. Früher standen sie verteilt auf beiden Strassenseiten, seit Kurzem stehen alle einheitlich in der Entwässerungsrinne auf der Fahrbahn der Kreuzstrasse in Uster.

Beobachtungen vor Ort

«Das ist gefährlich», sagt Walter Hiestand, einer der Anwohnenden. Die Rinne führe vor allem bei Nässe und beim Bremsen dazu, dass Fahrzeuge gegen den rechten Randstein und somit gegen die Kandelaber abgelenkt würden. Auch sorgten die sogenannten Pflastersteinquerungen bei Regen und Kälte für zusätzliche Risiken, insbesondere für Velofahrende.

Schon im vergangenen Sommer äusserte Hiestand seine Bedenken in einem Leserbrief. Es werde vermutlich nicht ­lange dauern, bis beim Kreuzen zweier Fahrzeuge ein Kande­laber und ein Auto ­beschädigt würden. «Sollte dies nicht geschehen, muss spätestens bei der nächsten Schneeräumung damit gerechnet werden.»

Das befürchtete Szenario bewahrheitete sich jedoch bereits vor dem ersten Schneefall. Ende Juli stand im oberen Abschnitt der Kreuzstrasse die erste Strassenlampe schief.

Auf dem Bild ist eine schräge Strassenlampe an der Kreuzstrasse in Uster zu sehen.
Bereits eine Woche nach ihrer Installation stand die erste Strassenlampe am 28. Juli schief. (Archiv)

Zwei Monate nach dem ersten Schaden ist es Ende September im unteren Teil der Kreuzstrasse zu einem weiteren Unfall gekommen.

Auf dem Bild ist eine schräge Strassenlampe an der Kreuzstrasse in Uster zu sehen.
Diese Lampe im unteren Teil der Kreuzstrasse wurde am 28. September beschädigt. (Archiv)

Aufgrund dieser beiden Zwischenfälle und schon zuvor fragte sich Walter Hiestand: «Warum werden absichtlich, unüberlegt und unnötig solche Hindernisse auf die Strassen gestellt und die Verkehrsteilnehmer zusätzlichen Gefahren ausgesetzt?»

Unbefriedigende Antwort

Jene Frage richtete Hiestand auch in einem Gespräch an Stadtrat und Bauvorsteher Stefan Feldmann (SP).

Dieser entgegnete ihm: «Sollte der Kandelaber an- oder umgefahren werden, hätte die betreffende Person die Verkehrsregeln nicht eingehalten.» Hiestand hält fest, dass Feldmann damit zwar grundsätzlich recht hat, unzufrieden ist er aber trotzdem.

Gemeinsam mit einem kleinen Kreis weiterer Anwohnerinnen und Anwohner der Kreuzstrasse machte er es sich zur Aufgabe, auf das Problem aufmerksam zu machen. Dies geschah nicht nur über Leserbriefe an diese Zeitung, sondern auch durch E-Mails der Quartierbevölkerung direkt an die Stadtverwaltung und das Tiefbauamt.

Ihr Einsatz zeigte Wirkung. Ende Oktober war Feldmann bereit, die Kreuzsträssler zu einem Gespräch zu treffen.

Stadtrat und Anwohnerschaft im Clinch

Gemäss dem Protokoll der drei anwesenden Personen aus dem Quartier machte der Bauvorsteher in diesem Dialog die Gruppe nochmals darauf aufmerksam, dass die neu gestaltete Strasse samt der Platzierung der Strassenbeleuchtung den Vorschriften entspricht, und verwies dabei auf die VSS-Richtlinien. 

Das sind vom Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute erarbeitete Regeln für Planung, Bau und Nutzung im Strassenraum. Sie sind keine Gesetze, fördern aber Sicherheit, Qualität und Funktionalität von Bauten und werden oft vertraglich verbindlich gemacht.

Wie sensibel die Umsetzung solcher Regeln ist, zeigt der aktuelle Konflikt an der Kreuzstrasse. Als die Anwohnenden den Stadtrat auf die beiden kaputten Strassenlaternen ansprachen, soll Feldmann erwidert haben, dass ähnlich platzierte Strassenlaternen an der Asylstrasse unproblematisch seien.

Auf dem Bild ist ein Kandelaber auf der Asylstrasse in Uster zu sehen.
Die Gestaltung der Asylstrasse in Uster folgt denselben Grundsätzen wie jene der Kreuzstrasse.

Die Anwohnerschaft ist jedoch anderer Meinung. Die Kreuzstrasse sei nicht mit der Asylstrasse vergleichbar, da auf der Letzteren in gewissen Abschnitten keine Autos fahren dürften. «Damit herrscht dort ein deutlich kleineres Verkehrsaufkommen», sagt Hiestand stellvertretend für die Anwohnerschaft.

Kritik aus der Politik

Doch nicht nur die Anwohnerinnen und Anwohner der Kreuzstrasse nahmen das «Laternenproblem» wahr. Auch zwei Politiker beschäftigten sich, unabhängig von diesen, mit der Situation.

SP-Gemeinderat Peter Mathis-Jäggi hat Mitte August 2025 eine Anfrage an den Stadtrat eingereicht, nachdem ihm beim Begehen der Kreuzstrasse einige Unregelmässigkeiten aufgefallen waren. Er wollte wissen, warum die Strassenlaternen in die Regenrinnen gesetzt wurden.

Anfang November nahm der Stadtrat Stellung dazu. Er erklärte, dass das Bauprojekt ab dem 17. Januar 2024 für 30 Tage öffentlich aufgelegt worden war. Es gab zwei Einsprachen, die jedoch nicht die Kandelaber betrafen. Auch Pro Velo Zürich prüfte das Projekt und hatte keine Bedenken bezüglich der Kandelaber.

Zudem befänden sich die Laternen in der Entwässerungsrinne, die normalerweise weder von Autos noch von Velos oder Fussgängerinnen und Fussgängern genutzt werde.

Diese Erklärung stiess beim GLP-Gemeinderat Marco Kranner auf Unverständnis. «Im September sah ich bei einer Fahrt mit dem Velo die zweite schief stehende Lampe mit eigenen Augen.» Der 50-Jährige forderte daraufhin von der Stadt, die Lampen so zu versetzen, dass sie nicht mehr im Fahrbereich stehen.

Auf dem Bild ist Marco Kranner neben einem der Kandelaber an der Kreuzstrasse zu sehen.
GLP-Gemeinderat Marco Kranner äusserte sich in einem Leserbrief in dieser Zeitung kritisch zur Platzierung der Strassenlampen an der Kreuzstrasse.

Dazu habe er sich auch schon direkt mit dem Stadtrat ausgetauscht. «Stefan Feldmann argumentiert ausschliesslich mit den Richtlinien, aber ich bin der Meinung, dass bei dieser Angelegenheit auch mit gesundem Menschenverstand geurteilt werden sollte», so der GLP-Politiker.

Aus seiner Sicht wird sich sein Wunsch nach einer Umplatzierung der Kandelaber wohl nicht erfüllen, «da laut den Richtlinien alles korrekt ist». Schade finde er das dennoch – «gerade für die Anwohnerschaft».

Feldmann nimmt Stellung

Stadtrat Stefan Feldmann widerspricht dem Vorwurf, starr an Richtlinien festzuhalten. «Der gesunde Menschenverstand wird schon bei der Erstellung der Richtlinien berücksichtigt und findet selbstverständlich auch bei der konkreten Planung Anwendung», sagt er.

Stadtrat Stefan Feldmann spricht an einem Rednerpult.
Stadtrat Stefan Feldmann sieht an der Kreuzstrasse derzeit keinen Handlungsbedarf. (Archiv)

Zu den beiden beschädigten Kandelabern an der Kreuzstrasse meint der Bauvorsteher: «Unfälle werden selbstverständlich nicht bewusst in Kauf genommen.» Es sei normal, dass neu gestaltete Strassenabschnitte anfangs zu Verunsicherungen führen könnten. Die Verkehrsteilnehmenden gewöhnten sich jedoch meist schnell daran.

Der Stadtrat sieht aktuell keinen Handlungsbedarf, ergänzt aber: «Wir werden die Situation aufmerksam beobachten und bei Bedarf entsprechende Massnahmen ergreifen.»

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