Donner statt leiser Sternenregen in Fällanden und Schwerzenbach
Trotz Verbot wurden in der Silvesternacht in Fällanden und Schwerzenbach Böller gezündet. Während sich der Schwerzenbacher Gemeindepräsident darüber ärgert, glaubt sein Fällander Kollege an eine baldige Besserung.
Thunder, diverse Feuerwerksbatterien und Holzstangen, die von grösseren Raketen stammen, säumen am Neujahrsmorgen das Areal der Primarschule Schwerzenbach. Es sind dies die Überbleibsel einer Silvesternacht, die zeigen: Das Verbot von lautem Feuerwerk funktioniert nicht.
In einem Quartier im Zentrum der Gemeinde sind die Abschussreste einer besonders grossen Feuerwerksbatterie auf einem Parkplatz liegen geblieben. Ausgerechnet hier, wo Gabriella Johanns wohnt. Sie hatte mit ihrer Einzelinitiative dafür gesorgt, dass lärmiges Feuerwerk in der Gemeinde verboten ist. Die Gemeindeversammlung hatte ihren Vorstoss mit Unterstützung des Gemeinderats im vergangenen Sommer deutlich angenommen.
Auch Johanns ist an diesem Morgen unterwegs. Sie zeigt ein Video der Ereignisse von der letzten Nacht. Darauf zu sehen und vor allem zu hören: Feuerwerk mit schier endlosem Geböller.
Polizei kommt zu spät
Bereits um 21.20 Uhr an Silvester habe sie deswegen die Nummer 117 angerufen. Doch die Polizei habe ihr gesagt, dass alle Beamten im Einsatz seien und man auf die Schnelle niemanden schicken könne. Insgesamt zweimal habe sie an diesem Abend den Notruf kontaktiert. Ob die Polizisten an dem Abend irgendwann aufgetaucht seien, wisse sie nicht.
Laut Angaben der Kantonspolizei gingen aus Schwerzenbach vier Meldungen ein. Wie Sprecher Kenneth Jones sagt, hatten vor Ort jedoch keine Verursacher mehr festgestellt werden können.
Laut Gabriella Johanns knallte es bis vier Uhr morgens stündlich mindestens einmal. Doch das Böllerzünden habe bereits Tage vor dem Jahreswechsel begonnen. «Ich bin enttäuscht von der Gemeinde.» Die Schwerzenbacherin findet, dass die Behörden zu wenig auf das Feuerwerksverbot aufmerksam gemacht haben. Lediglich drei Plakate am Bahnhof habe sie ausgemacht.
Ich finde es sehr ärgerlich, dass man sich nicht an die Regeln hält.
Martin Hermann
Gemeindepräsident Schwerzenbach (FDP)
Johanns weiss, dass in Bubikon im ersten Jahr des Verbots Flyer in die Briefkästen verteilt wurden. Auch vom Einsatz eines Sicherheitsdiensts in anderen Gemeinden für den Silvesterabend habe sie gelesen. «Oder wieso nutzt die Gemeinde nicht Social Media dafür?»
Sicherheitsdienst nur als «Ultima Ratio»
Gemeindepräsident Martin Hermann (FDP) will hinsichtlich der nächsten Feuerwerksfeiern am 1. August und an Silvester die Kommunikation «intensivieren». Wie, ist allerdings noch unklar. Hermann kann sich vorstellen, dies mittels Flyern zu machen oder auch über den gemeindeeigenen Whatsapp-Kanal.
Hermann hält fest, dass Plakate mit dem Feuerwerksverbot an den neuralgischen Punkten in Schwerzenbach platziert waren und zudem im Newsletter der Gemeinde darauf aufmerksam gemacht wurde. «Man hätte es also schon wissen können.»
Allerdings habe man seitens der Gemeinde damit gerechnet, dass manche trotz Verbot lärmiges Feuerwerk zündeten, sagt Herrmann und fügt an: «Ich finde es sehr ärgerlich, dass man sich nicht an die Regeln hält.»
Er sei dem Gemeinderat bewusst gewesen, dass das Verbot ein Vollzugsproblem mit sich bringe. Dafür eigens einen Sicherheitsdienst aufzubieten, kann sich Hermann aber nur als «Ultima Ratio» vorstellen.
In Fällanden wurde es für Hunde nicht besser
Ortswechsel. Im Fällander Ortsteil Benglen wurde die Schule Buechwis zum Abschusszentrum für Knaller auserkoren. Hier liegen die ausgebrannten Reste von Thundern und grossen Feuerwerksbatterien auf dem Boden. Dazwischen befinden sich auch verkohlte Überreste kleinerer Pyro-Erzeugnisse wie Vulkane oder bengalische Streichhölzer, die weiterhin erlaubt sind.
In Fällanden gilt das Verbot für lautes Feuerwerk seit diesem Silvester. Beschlossen hat es wie in Schwerzenbach die Gemeindeversammlung, die über eine entsprechende Einzelinitiative abgestimmt hatte.
Am frühen Morgen nach der Silvesternacht ist Rolf Scheidegger mit Hund Delgado in Benglen unterwegs. «Am Anfang war es besser als in vorherigen Jahren», sagt Scheidegger. Doch um Mitternacht sei das Geknalle losgegangen. Er habe sich erst überlegt, die Polizei anzurufen. «Aber wären die wirklich gekommen?»
Gemäss Kantonspolizei gingen aus Fällanden keine Meldungen wegen unerlaubten Feuerwerks ein.
Für Scheideggers Hund Delgado war es erneut ein schrecklicher Abend. «Er hat gezittert vor Angst.» Seine Frau habe sich mit Delgado in der Toilette eingesperrt, wo es ein bisschen ruhiger sei.
Auch in der Nähe von Pfaffhausen wurde offenbar Feuerwerk gezündet. Mehrere Batterien und anderes Feuerwerk liegen unweit vom Schützenhaus entfernt auf einem Haufen. Eine ältere Frau meint vor Ort, dass es eigentlich wie jedes Jahr geknallt habe. Sie habe aber nicht eindeutig ausmachen können, ob die Knallerei wirklich aus Pfaffhausen gekommen sei oder doch eher aus dem nahen Binz.
Thunder-Schule
Ein Hotspot in Fällanden selber war die Schule Lätten, wo zahlreiche Thunder verstreut auf dem Boden liegen. Auf der Thunder-Packung steht «farbig aufsteigende grosse Bombetten mit sehr lautem Blitzknall» geschrieben. Grössere Feuerwerksbatterien und Schmauchspuren auf dem Boden sind hinter dem Jugendhaus zu sehen. Fazit: Das Feuerwerksverbot wird auch in Fällanden nicht eingehalten.
Fällanden ist kein Polizeistaat.
Tobias Diener
Gemeindepräsident Fällanden (FDP)
Gemeindepräsident Tobias Diener (FDP) sieht das anders: «Das Verbot hat weitgehend funktioniert.» Verschiedene Personen aus allen drei Ortsteilen hätten ihm das am Neujahrsapéro bestätigt. Er habe nur «einige wenige» negative Äusserungen in den sozialen Medien vernommen.
Diener sagt, dass er zwar in seinem Wohnort Pfaffhausen am Silvesterabend auch den einen oder anderen Knall ausgemacht habe. Allerdings sei schwer auszumachen gewesen, woher dieser gekommen sei. «Fällanden ist keine Insel, wenn es um den Lärm geht.» Das Feuerwerk habe auch in Maur oder Dübendorf gezündet werden können, wo kein Verbot herrsche, so Diener.
Verbot ohne weitere Info
Angesprochen auf die vielen Reste von abgebranntem Feuerwerk an verschiedenen Ecken der Gemeinde, spricht Diener von Einzelfällen: «Das Verbot ist noch nicht in allen Köpfen. Man muss den Leuten Zeit geben.»
Die Gemeinde habe im Vorfeld mit Plakaten ausreichend informiert. Zusätzlich Flyer in die Briefkästen zu verteilen, habe man sich überlegt, sich aber dagegen entschieden. «Wir fanden das übertrieben. Nach anderen Gemeindeversammlungsentscheiden verzichten wir ja auch auf zusätzliche Information.»
Und von privaten Sicherheitsleuten, die in der Gemeinde patrouillieren, will Diener auch nichts wissen. «Fällanden ist kein Polizeistaat.»