Schwerzenbacher tauschen Guetsli aus – für die Integration
Leckereien aus verschiedenen Kulturen
Um Zuzüger aus anderen Kulturen willkommen zu heissen, hat eine Gruppe von Müttern einen Guetslitausch organisiert. Warum die Herkunft der Gebäcke keine Rolle spielt und stibitzende Kinder ein Problem sind.
Vor dem Foyer des Singsaals der Primarschule Schwerzenbach bildet sich eine immer länger werdende Schlange von Menschen. Sie alle halten eine oder mehrere Dosen in der Hand. Als Vorbereitung dafür, was gleich passieren wird: der interkulturelle Guetslitausch.
Die sechs Organisatorinnen der interkulturellen Arbeitsgruppe bereiten sich im Foyer noch emsig auf ihren Anlass vor, sie sind ein bisschen spät dran. Dann wird die Tür geöffnet: Zahlreiche Eltern der Primarschüler von Schwerzenbach strömen in den Raum, schnell füllt sich ein vorbereiteter langer Tisch mit Dosen voller Guetsli: Plätzli, Sternchen, Herzen, Schokoladen-, Früchte- oder Nussgeschmack. Zu hören ist ein buntes Wirrwarr an Sprachen, einige Eltern haben auch ihre Kleinkinder mitgebracht.
Guetsli gegen Guetsli
«Jeder bringt eine Dose festliches Gebäck aus seiner Kultur mit», sagt Patricia Hübner. Sie vertritt die interkulturelle Arbeitsgruppe im Elternforum der Schule. «In eine weitere leere Dose oder ein Papiersäcklein füllt man dann eine Auswahl der mitgebrachten Guetsli.» Das ist das Prinzip des interkulturellen Guetslitauschs, den die Arbeitsgruppe vor vier Jahren ins Leben gerufen hat.
Das Ziel: «Wir wollen helfen, Zuzüger aus anderen Ländern und Kulturen zu integrieren. Sie sollen sich in Schwerzenbach willkommen und geschätzt fühlen», so Hübner, die selbst zur Hälfte Polin ist. Auf die Idee kam die Gruppe, die sonst noch das Sommerfest der Schule organisiert und einen Übersetzungsdienst für Eltern anbietet, über eine Teilnehmerin, die in Amerika gelebt hatte. Hübner sagt: «Sie hat uns von Cookie Exchanges in den USA erzählt. Also dachten wir uns einen schweizerischeren Namen aus und übernahmen das Konzept.»
Mit sichtlichem Erfolg: Der Tisch ist voller Guetsli, die Eltern machen sich gerade mit ihren leeren Dosen über das Angebot her. «Die Rückmeldungen sind sehr positiv», so Hübner. «In den letzten vier Jahren war der Andrang gross, es sind jeweils mindestens zehn verschiedene Kulturen vertreten.»
Aus der Freude am Fest
Diese sind auch auf dem Guetslitisch zu erkennen: Kokosnussguetsli aus Brasilien, Occhi di Bue (Mürbeteiggebäck mit Marmelade gefüllt) aus Italien oder Walnussguetsli aus Marokko. «Diese werden in der marokkanischen Kultur eigentlich zu Hochzeiten gebacken», erklärt Hübner. «Aber das spielt für uns keine Rolle. Uns geht es einfach um Festlichkeit.»
Eine Ukrainerin hat Gewürzguetsli mitgebracht, die hiesigen Lebkuchen ähneln. «Wir backen in der Ukraine ganz viele verschiedene Guetsli. Diese hier sind beliebt, weil man sie gemeinsam verzieren kann. Sie enthalten unter anderem Ingwer, was ihnen eine leichte Schärfe gibt.» Eine Polin hat Schokoladenguetsli mitgebracht. «Ich backe sie das ganze Jahr durch. Meine Kinder lieben sie.»
Hübner hat Emmentaler Bretzeli mitgebracht. «Natürlich sind bei uns auch Schweizer Guetsli willkommen», sagt sie. «Wichtig ist nur, die Inhaltsstoffe zu deklarieren. Auf diese Weise können die Besucher je nach religiöser oder gesundheitlicher Präferenz entscheiden.»
Stibitzende Kinder
Während die Eltern am bereitgestellten Kaffee schlürfen und schwatzen, schleichen sich immer wieder Primarschulkinder in den Raum. Einige versuchen, Guetsli zu stibitzen, andere fragen ganz höflich. Hübner macht aber keinen Unterschied: Sie werden rigoros ohne Guetsli wieder rausgeschickt.
«Bei unserem ersten Anlass stellten wir den Tisch mit den Guetsli draussen auf. Statt dass die Eltern sich ihre leeren Dosen mit den Gebäcken füllten, wurden sie alle von den Schulkindern aufgegessen», sagt Hübner und lacht. «Wie Eltern halt sind, hatten sie ein grosses Herz für ihre Kinder und wollten mit ihnen teilen.»