Er sorgt in Greifensee dafür, dass alle alles im Griff haben
Im Kletterzentrum Gaswerk Greifensee sorgt Raphael Stottele regelmässig dafür, dass die Kletterbegeisterten neue Wege vorfinden – hier erklärt er, was hinter seinem Job des Routenbauers steckt.
Raphael Stottele geht jeden Tag ganz hoch hinaus. Der 28-Jährige hat aber auch einen aussergewöhnlichen Job. Er ist Kursleiter und Routenbauer beim Kletterzentrum Gaswerk Greifensee, zudem in den beiden anderen Standorten in Schlieren und Wädenswil, welche das Kletterzentrum Gaswerk betreibt. Hier dreht sich alles ums Klettern, wobei es zwei Arten gibt.
Einerseits das Seilklettern, wobei zwei Personen sozusagen eine Seilschaft bilden. Während der eine mit dem Seil nach oben klettert und sich immer wieder in Haken in der Wand einklickt, sichert ihn der andere auf dem Boden mit einem Seil, das durch ein Sicherungsgerät am Klettergurt läuft.
Im Kletterzentrum steht auch eine Kletterwand bereit, bei der die Seilsicherung eine Maschine übernimmt – so kann man zu Trainingszwecken auch allein Seilklettern. «In den Grundkursen übt man zunächst viele kontrollierte Abstürze ins Seil – das schafft Vertrauen», sagt Stottele.
Die andere Art ist das Bouldern, das ohne Seil auf Absprunghöhe durchgeführt wird. Wer hinunterfällt, der wird von einer weichen Matte aufgefangen.
Wer das Kletterzentrum Gaswerk Greifensee betritt, der sieht zahlreiche farbige Griffe, die bis hoch unters Hallendach an den Steilwänden hängen. Jede Farbe der Teile steht für eine Route, welche man auf dem Weg bis ganz nach oben unters Dach auf rund 14 Metern Höhe durchklettert.
«Ich lege neue Routen zunächst auf dem Tisch aus. Heisst: die Griffe und Fusstritte liegen vor mir. Ich befasse mich zuerst mit der Beschaffenheit und Grösse der Plastikteile», erklärt Stottele.
Ständig neue Routen aufschrauben
Später wird er diese an den Steilwänden oder am Boulderparcours mit Schrauben in den vorgebohrten Löchern fixieren, wobei Raphael Stottele immer zuerst von ganz oben beginnt. Ein Parcours besteht aus rund 50 Griffen und Tritten. Pro Woche schraubt der Routenbauer bis zu zehn neue Strecken an die Boulderwände und bis zu zehn neue Kletterrouten. «Wer nach rund sechs Monaten hier ins Kletterzentrum Gaswerk Greifensee kommt, findet alles neue Kletterrouten vor», erklärt Raphael Stottele.
Die Wettkampfrouten bei den Leistungssportlern konzipieren Fachleute vom Schweizer Alpen-Club (SAC). «Diese Kletterwege werden für die Sportlerinnen und Sportler bewusst unbequem platziert», sagt Stottele. «Wir hier sind für den Breitensport zuständig. Eine zu kletternde Route soll grundsätzlich Spass machen.» Es gebe einfachere Routen für Anfänger, bei denen man sich wie auf einer Leiter bequem per Griff und Fusstritte nach oben bewegt. Stottele konzipiert aber auch Wege für anspruchsvollere Kletterer und Boulder, bei denen mal ein Sprung oder eine überhängende Partie eingebaut seien.
Kletterwinkel, Distanz zwischen zwei Griffen oder die Griffigkeit – nicht jeder Griff lässt sich bequem halten, sondern ist auch mal stark abgerundet –, all diese Elemente nutzt Raphael Stottele beim Setzen einer neuen Route.
«Man kann den ganzen Weg nach oben nicht einfach mit der Brechstange, heisst allein durch Kraft, meistern. Es braucht auch viel Technik. Beispielsweise klettert man in den Kletterfinken nicht mit dem ganzen Fuss, sondern vor allem mit dem grossen Zeh», erklärt Stottele.
Wie kam er überhaupt zu seinem speziellen Job? Er sei Mitglied im SAC Bülach und habe dort schon mit Seil geklettert. Eine offizielle Ausbildung zum Routenbauer gebe es nicht. Vorher hat er Erdwissenschaften studiert. «Ich habe hier während meiner Studienzeit gearbeitet und bin so in den Job hineingerutscht.»
