Alter SBB-Güterschuppen in Wald wird zum Treffpunkt für Freestyle-Begeisterte
Über Jahre hinweg lag der SBB-Güterschuppen am Bahnhof Wald brach und blieb ungenutzt. Bis der Verein Freestyle Wald mit Helfern und Sponsoren eine Idee in relativ kurzer Zeit in die Tat umsetzte.
Direkt am Bahnhof Wald hat der Verein Freestyle Wald das Zepter übernommen und den alten, seit Jahren leer stehenden SBB-Güterschuppen in einen Freestyle-Park verwandelt. Im Gespräch mit den beiden Architekten Niko Wolfromm und Marcel Walker, die mit den drei weitern Mitgliedern Tino Iurato, Sebastian Lorentz und Peter Keller den Vereinsvorstand bilden, zeigt sich, was und wer hinter diesem ambitionierten Vorhaben steht.
Durch die Hilfe unzähliger Freiwilligen und sogar Kindern, die Hand anlegten, konnten sich die Beteiligten innert kürzester Zeit einen relativ spontan gehegten Traum als Gemeinschaftsprojekt verwirklichen – einen Ort als sozialer Treffpunkt zum Skaten, BMX- sowie Scooterfahren und Bouldern. So kultur-, sport- und naturorientiert die Gemeinde Wald auch ist: So etwas Originelles an solch besonderer Stelle hat sie selten gesehen.
Wo ein Wille ist
Den fünf Vorstandsmitgliedern gelang es durch ihre gute Vernetzung im Dorf, innert rund eines Jahrs die Projektidee zu erarbeiten, eine Baubewilligung dafür zu erhalten und das Bauvorhaben zu Ende zu bringen. In einem fast schwindelerregendem Tempo.


Marcel Walker sagt dankbar: «Im Dorf kennt man sich, was es einfacher macht, eine solche Idee auch umzusetzen.» Überhaupt seien die Walderinnen und Walder hilfsbereit und schnell für spezielle Ideen zu begeistern. Die Protagonisten konnten also ganz auf das Motto «Vom Dorf für das Dorf» setzen.
Wie alles begann
Entstanden ist die Idee für einen Freestyle-Park im Kopf von Niko Wolfromm, der noch vor nicht allzu langer Zeit in Wald eine neue Heimat gefunden hat. «Ich war mit meinem Sohn in Uetikon, wo wir in einer Halle einen BMX-Kurs absolvierten, der uns beide begeisterte.»
Der Betreiber habe ihm mitgeteilt, dass seine Halle bald schliesse und er die Anlagen, unter anderem die Rampen, gerne an einen Interessierten weitergeben wolle. Die Begeisterung seines Sohns und das Wissen, dass in der nächsten Umgebung von Wald kein vergleichbarer Ort existiert, legten den Grundstein für das Projekt.
«Ich erkannte die Chance und den Mehrwert, eine solche Halle in Wald zu realisieren, wusste aber auch, dass ich das allein nicht stemmen könnte», meint Wolfromm, der sich als Grossgewachsener zuvor mehr für Basketball und Biken begeisterte. So ist er im Oktober 2024 an seinen Nachbarn Marcel Walker herangetreten, der sich sofort für die Idee erwärmen konnte. «Gemeinsam haben wir im letzten November ein Treffen veranstaltet und den Verein im Februar gegründet», sagt Walker.
Nachdem sie organisatorisch fest im Sattel sassen und nach einer fixen Idee an Aussenstehende herantreten konnten, haben sie in der Gemeinde und bei Bekannten geworben und so unzählige regionale Sponsoren gefunden. «Durch Crowdfunding, Informationsständen an diversen Dorfveranstaltungen, die aktive Sponsorensuche und persönliche Kontakte stiessen wir auf grosse Resonanz», sagt Wolfromm.
Auf diese Weise wurde ausreichend Geld zusammengetragen, um den Aufbau des Parks zu ermöglichen. Dazu kam ihnen die Gemeinde mit einer kooperativen Planung und speditiv erteilten Baubewilligung entgegen. Ermöglicht wurde das ganze Vorhaben nur durch den finanziellen Beitrag der Sponsoren und der unermüdlichen Unterstützung aller Helferinnen und Helfer.
Auch mit den SBB fand man eine pragmatische Lösung: Da der Schuppen derzeit nicht genutzt wird, wurde dem Verein ein Mietvertrag bis Ende 2027 eingeräumt. SBB und Gemeinde planen jedoch eine umfassende Umgestaltung des Bahnhofsareals. «Falls ein Umzug erforderlich wird, wollen wir das Projekt an einem alternativen Standort fortsetzen.» Zugleich hoffen alle Mitglieder auf eine langfristige Nutzung der jetzigen Halle.
Hunderte Stunden Arbeit
Neben den bürokratischen und organisatorischen Hürden war die tatsächliche Handarbeit im Güterschuppen letztlich am aufwendigsten. «Abgesehen von einigen Rampen aus Uetikon haben wir alles gemeinsam mit Helfern gebaut. Auch den Boden mussten wir neu giessen», sagt Wolfromm.
Vieles sei erst spontan während der Arbeit vor Ort entstanden. Dazu konnten sie auf die tatkräftige Hilfe von Schreinern und Zimmermännern zählen. «Aber auch mein 7-jähriger Sohn und Kinder anderer Eltern waren sehr oft dabei und legten Hand an.»
Insgesamt haben der Vorstand und die freiwilligen Helferinnen und Helfer mehrere hundert Stunden in die Halle investiert. «Seit Juni waren wir jeden Samstag nur am Bauen», meint Wolfromm. Beide Architekten sprechen von einem einmaligen Gemeinschaftsprojekt. «Uns hat sogar ein lokales Velogeschäft BMX-Fahrräder zur Verfügung gestellt, obwohl im Laden überhaupt keine BMX verkauft werden», sagt Walker mit sichtlicher Dankbarkeit.
Der «neue» Güterschuppen ist für Freestyle-Sportbegeisterte seit dem 1. November jeden Mittwochnachmittag und Samstag geöffnet. Im Schuppen können BMX, Scooter und Skateboards gemietet werden. Von der Betreibergruppe ist stets jemand vor Ort für Auskünfte, Hilfe und Betreuung in der Halle. Zudem kann der Güterschuppen auch für Geburtstagsfeste gebucht werden. Weitere Informationen und die Eintrittspreise finden Sie unter www.frestyle-wald.ch oder www.instagramm.com/freestylewald.