Indian Land Museum in Gossau verkauft jetzt sein Inventar
Schliessung Ende Jahr
In sechs Wochen schlägt die letzte Stunde des Indian Land Museums in Gossau. Besucher können einen Teil der ausgestellten Objekte jetzt kaufen.
Wie wäre es mit einem ausgestopften Wolf als Weihnachtsgeschenk? Oder einem Braunbären? Einem Bison? Im Indian Land Museum in Gossau ist derzeit ein Wolf für 5000 Franken erhältlich, ein Bär für 4300 Franken, ein Bison für 5900 Franken. Es ist der Versuch von Museumsleiter Vincent Escriba, zumindest Teile seiner Ausstellung zu verkaufen, bevor alles in Kisten verpackt werden muss.
Denn das Indian Land Museum in Gossau schliesst nach 30 Jahren. Wegen zu kleinen Besucherzahlen ist Ende Dezember Schluss. «Bis dahin geben wir weiterhin unser Bestes», sagt der 67-Jährige. Doch nach dem kleinen Anstieg der Besucherzahlen, der auf das mediale Echo nach der Bekanntgabe der Schliessung im September folgte, ist das Interesse an einem letzten Besuch im Museum bereits wieder gesunken.
Bärenfelle, Figuren und Gemälde
Seit Anfang November läuft nun die Teilliquidation. Wer sich jetzt auf den grossen Federschmuck eines Häuptlings zum Spottpreis gefreut hat, wird enttäuscht. «Was bisher hinter Glas zu sehen war, ist unverkäuflich und bleibt in der Sammlung», sagt Escriba. So sind es denn Dekorationsstücke wie eben Tierpräparate, Zeremonienobjekte, Vitrinen, Stühle oder Tische, die ab dem 1. Januar zur Abholung bereitstehen.
Doch auch Bärenfallen und -felle sowie Haigebisse oder lebensgrosse Figuren von Indigenen oder Urmenschen sind zu haben. Das Kostbarste, das zum Verkauf steht: ein Ölgemälde einer Mammutherde, rund zwei auf drei Meter gross. Ein Werk, für das Escriba einst 25’000 Franken bezahlt hat. Jetzt ist das Gemälde für 10’000 Franken zu haben.









«Die eigentlichen Ausstellungsstücke sind wertvoll und sollen in der Museumssammlung bleiben», sagt der Museumsleiter. Er hat in den letzten 40 Jahren viele Objekte von verstorbenen Sammlern übernommen oder von Übersee in die Schweiz gebracht.
Keine Rettung in Sicht
Bisher verlief die Suche nach einem Nachfolger, der sich dem Museum und der Sammlung annehmen würde, erfolglos. Auch die diversen Zeitungs- und Fernsehberichte über die Schliessung des Museums haben keine neuen Interessenten angezogen.
In Escribas Stimme schwingt daher bei jedem Satz viel Wehmut mit, wenn er über das nahende Ende spricht. «Viele sagen, es sei schade, dass das Museum schliessen muss, aber das hilft eben nicht.» Er ist überzeugt: «Es gäbe genug viele Schweizerinnen und Schweizer, die die Rettung meines Museums realisieren könnten.»



So ist nach wie vor keine Rettung in Sicht – und die Hoffnung von Vincent Escriba auf einen Abnehmer seiner Sammlung sinkt täglich. «Nun hoffe ich noch, so viel wie möglich, das nicht zur eigentlichen Sammlung gehört, verkaufen zu können.»
Kulturelle Aneignung als Todesstoss
Noch tiefer sitzt die Enttäuschung über den Stellenwert, den die indigenen Völker in der heutigen Gesellschaft haben. Oder eben nicht haben. Während vor zehn Jahren pro Jahr fast 200 Schulklassen ins Indian Land Museum kamen, waren es nur noch deren vier in diesem Jahr, ebenso im letzten.
Die Diskussionen um kulturelle Aneignung von Indianersymbolen wie Federschmuck oder Kriegsbemalung haben auch ihre Spuren in Gossau hinterlassen. «Die Lehrer kommen nicht mehr, weil sie sich sonst allenfalls kritischen Eltern gegenüber verantworten müssen und Probleme bekommen», sagt Escriba. Vom Zürcher Lehrerverband hat das Museum gar Tausende von Bastelbögen zum Thema Indianer geschenkt bekommen. «Denn diese dürfen sie nicht mehr den Schülern abgeben.»
Auch viele Kindergeburtstage wurden einst im Indian Land Museum gefeiert. «Doch gewisse Eltern haben ihren Kindern verboten, daran teilzunehmen», sagt er und seufzt. «Die Welt ist im Umbruch. Heutzutage weiss man nicht, was man noch darf und was nicht. Einfach traurig.»