Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Gesellschaft

Musiker aus Dübendorf

Er ist der Denker unter den Rappern

Lawren the III entspricht nicht dem Klischee des vorlauten Hip-Hop-Künstlers. Der nachdenkliche Dübendorfer beweist, dass Rap auch ohne Provokation funktioniert.

Wohnt seit 2016 in Dübendorf und ist aufstrebender Rapper: Lawren, The III.

Foto: Fiorella Koch

Er ist der Denker unter den Rappern

Lawren, The III entspricht nicht dem Klischee des vorlauten Hip-Hop-Künstlers. Der nachdenkliche Dübendorfer beweist, dass Rap auch ohne Provokation funktioniert.

Garcia Antonio Lourenço aka Lawren, The III beschreibt sich eigentlich als eine sehr ruhige, introvertierte Person, die nicht gerne vor Publikum vorträgt. Das liess sich der Nachwuchsrapper aus Dübendorf am Kleinen Prix Walo Ende September aber überhaupt nicht anmerken. Seine Stimme war fest, die typischen Hip-Hop-Handgesten sassen perfekt, zum Takt wippend lief er auf der Bühne hin und her und überzeugte so die Jury, ihm den ersten Preis in der Sparte Hip-Hop zu verleihen.

«Das war tatsächlich mein erster Auftritt», sagt der 28-Jährige. «Ich war vorher unglaublich nervös. Aber als ich dann auf der Bühne stand, fiel mir alles ganz leicht.» Der Kundenberater, der gerade nebenbei Business Administration studiert, fand Gefallen am Auftreten: «Es war toll, dass ich nicht auf Perfektion achten musste, sondern darauf, dass meine Songtexte beim Publikum ankommen. Es war wie Poesie vorzutragen.»

Von Kindesbeinen an

Für den Wettbewerb wählte er den Song «Demons Challenge», den er 2021 als Single veröffentlichte. Der Text gewährt Einblicke, die der zurückhaltende Rapper sonst lieber unausgesprochen lässt – verpackt in Rhythmus und Reim.

You the type of kid who pop shit? no / I’m the type of kid who analyses things and stops quick, yup / You grew up with your family tight and still wilding, how? / I grew up without a father i ain’t never cried tears, no

«Demons Challenge», Single, 2021

Bist du so einer, der grosse Töne spuckt? / Nein, ich bin der Typ, der alles analysiert und dann schnell stoppt, ja / Du hattest deine Familie eng um dich und drehst trotzdem durch, wie geht das? / Ich bin ohne Vater gross geworden, doch hab nie ne Träne verloren, nein.

Deutsche Interpretation

Der Dübendorfer, der in Angola geboren wurde, singt und produziert seine Lieder mehrheitlich selbst. Songs schreibt er seit 2007, im Jahr 2018 veröffentlicht er seine Musik auf Streaming-Plattformen wie Spotify, Soundcloud oder Youtube. Er sagt aber: «Ich habe schon immer gesungen. Ich war durch meine Mutter und meine Schwester auch immer von Gospelmusik umgeben.»

Von diesem Genre hat er sich mittlerweile zum Hip-Hop weiterentwickelt. Seine Songs bestehen aus Bausteinen aus Jazz, Gospel und Soul, ergänzt mit entspannten, geschmeidigen Rap-Texten. «Früher habe ich in meinen Texten meine Erlebnisse und Erfahrungen verarbeitet. Heute beschäftige ich mich mit den grossen Lebensfragen und meinem Glauben.»

You sleep and I stay woke, I stay woke, uh / And if I die, I want my halo, want my halo, yeah / I’ve been fighting like non-stop, you can’t stop me. no! / But you don’t even bother fighting yeah.

Du pennst und ich bleib wach, bleib wach, uh / Und wenn ich geh, will ich meinen Heiligenschein, ja, meinen Heiligenschein, yeah / Ich kämpf schon ewig, keiner hält mich auf, nein! / Aber du, du probierst es nicht mal, yeah.

Immer wieder spricht Lourenço von der Differenz zwischen «früher» und «heute». Er erklärt, dass er vor rund drei Jahren begann, sich mit seiner Lebensweise und existenziellen Fragen auseinanderzusetzen. «Ich habe mich mit meinen Kollegen verglichen, die alle sehr unterschiedliche Leben führten. Und ich fragte mich: Was mache ich mit meinem?»

Also begann er, die Bibel zu lesen. Manche Verse bewegten ihn tief in seinem Inneren, brachten ihn zum Weinen. Seine Sicht auf die Menschheit veränderte sich. Er fand die Antworten, nach denen er immer gesucht hatte. «Und ich schaffte es plötzlich, meine Pornosucht zu überwinden, mit der ich jahrelang gekämpft hatte.»

Er war nicht mehr der Gleiche

Als veränderter Mensch beschloss er, einige seiner Lieder neu aufzunehmen. Dieses Mal ohne Fluchwörter. Eine grosse Entscheidung in einem Musikgenre, das sich gerne auf das Fluchen verlässt. «Mein Kollege, der für das Mixing und Mastering, also die Verfeinerung meiner Produktion, zuständig war, war überhaupt nicht begeistert», sagt Lourenço und lacht. Aber er setzte sich durch. Auch den Song «Demons Challenge» führte er am Kleinen Prix Walo auf, ohne zu schimpfen.

Homie show me how you riding, yeah / Imma show you all my projects yeah / Imma let you wear my shoes / But ’cause thеy dirty, you wouldn’t even try ’em, yeah / You said you see a lot of talent in me / But my «half-way» won’t allow shit, yeah / I said blame it on the money / Yea, you said blame it on nobody, yeah. 

Bruder zeig mir, wie du dich gibst, yeah / Ich zeig dir all meine Projekte, yeah / Ich lass dich in meine Schuhe schlüpfen / Aber sie sind dreckig, du würdest sie eh nicht tragen, yeah / Du sagtest, du siehst viel Talent in mir / Aber mein «Halbgas» lässt nix zu, yeah / Ich sag, schieb’s aufs Geld / Du sagtest, schiebs auf niemand, yeah. 

Wie er in «Demons Challenge» von seiner Faszination zu seinem erfolgreichen Idol schreibt, wurde Lourenço auch im echten Leben beeinflusst. Etwa von US-Rapper Soulja Boy, der ihn mit seinem ersten, sehr simpel aufgebauten Song inspirierte. «Ich dachte mir: Wenn er es kann, kann ich das auch.»

Lawren the III. singt auf der Bühne.
Lourenço überzeugte Ende September die Jury am Kleinen Prix Walo.

Dank ihm begann er zu produzieren. Seitdem hat er zehn Singles herausgebracht. Seine Lieder blieben aber nicht simpel: «Mir gefällt die Komplexität der Musikproduktion. Es ist ein Zusammenspiel aus Elementen, die aufeinander abgestimmt werden müssen.» Dass er seine Liedtexte selbst schreibt, ist für ihn nur logisch. «Ich denke sehr viel nach. Also kann ich meine Gedanken ja auch auf Papier bringen.»

I said «homie let me ride with you» / You laught’ ’cause of how I sounded / Yeah, i mean this shit forreal, forreal / Show me how you making profits, yeah! / How you walking with a girl today / Tomorrow riding with a dime bitch? yeah / Honestly I eny you, ’cause while you building up your projects / I still struggle with the thoughts of what is gon’ be «the» project. 

Ich sag: «Bruder, nimm mich mit auf eine Fahrt» / Du lachst, weil ich lächerlich kling / Yeah, ich mein das ernst, verdammt, todernst / Zeig mir, wie du deinen Profit machst, yeah! / Heute läufst du mit einem Girl durch die Stadt / Morgen fährst du mit der Schönsten davon? Yeah / Ehrlich, ich beneide dich, denn während du deine Projekte aufbaust / Kämpf ich immer noch mit den Gedanken, was meine Projekte überhaupt sein sollen. 

Inzwischen orientiert sich Lourenço nicht mehr zu sehr nach seinen Vorbildern. «Sonst wird man zur Kopie.» Lieber will er seinen eigenen Stil schaffen. «Man steht sich als Musiker selbst im Weg, wenn man nicht weiss, wer man sein will.»

I still stuggle with the past calling / While I’m dating future and we getting it knocking / You know the feeling when you’re doing good / Than the devil show up, just to keep the balance / Said money be the root of evil / So lord protect me from the demon’s challenge. 

Ich kämpf immer noch mit der Vergangenheit, die anklopft / Während ich die Zukunft date und wir es krachen lassen / Du kennst das Gefühl, alles läuft wie geschmiert / Dann taucht der Teufel auf, um die Balance zu halten / Man sagt, Geld sei die Wurzel allen Übels / Also Herr, beschütz mich vor der Prüfung des Dämonen. 

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns