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Ausstellung im Ortsmuseum

Eintauchen in die Zauberwelt: Wila widmet der «Gfätti» eine Schau

Vor 90 Jahren eröffnete Wila seinen ersten Kindergarten. Die entsprechende Ausstellung animiert zum «gfätterle».

Um die Kreativität der Vorschulkinder zu fördern, braucht es nicht viel: So lässt sich ein Biber aufwendig mit Fell basteln, oder einfach aus einem Stein (rechts).

Foto: Simon Grässle

Eintauchen in die Zauberwelt: Wila widmet der «Gfätti» eine Schau

Vor 90 Jahren öffnete der erste Kindergarten in Wila seine Tore. Das Ortsmuseum widmet dem Thema Kindergarten eine Ausstellung, die zum «gfätterle» animiert.

«Hier ist Spielen erlaubt», steht in einer Ecke des Ortsmuseums Wila. Das Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert lockt mit einer kunterbunten Sonderausstellung unter dem Titel «Von der Gfätti zum Kindergarten» Gross und Klein zum Staunen, Entdecken und «Gfätterle» ein.

Der Kindergarten hiess früher «Gfätterlischuel», abgekürzt «Gfätti». Die Lehrperson hiess «Gfätti-Tante», letzteres wegen der Erziehungsrolle und der quasi-familiären Beziehung zu den Schützlingen.

Nach dem Deutschen Wörterbruch der Gebrüder Grimm bedeutet der Begriff «Gfätterle» eine «Nachahmung des Gebarens des Vaters» - also «Kinderspiele treiben».

(Quelle: Wolfgang Wahl)

«Der Kindergarten wird seit jeher unterschätzt in seiner Bedeutung», sagt Wolfgang Wahl. Das Ortsmuseum in Wila will mit seiner neusten Ausstellung dieser Verkennung gegensteuern. «Das Thema Vorschule ist für Museen eher unüblich», so der Präsident der Ortsmuseumskommission.

Als Kurator betreut der Historiker und Germanist die Sonderschauen des Wilemer Museums. Der Erfolg der ansprechenden und öffentlichkeitswirksamen Präsentation beruht auf der eingespielten Teamarbeit der Kommission.

Schon beim Betreten des Hauses springen den Besucherinnen und Besuchern die «Chindsgitäschli» in allen Farben und Formen ins Auge. Auf den zwei Etagen des Museums finden sich – nebst Klassenfotos, Kleidern und Möbeln – überall Spielsachen.

Die meisten von ihnen sind aus Holz, wie etwa die Original Fröbel-Würfel. Mit ihnen konnten Kinder einerseits ihre Feinmotorik trainieren. «Sie lernten aber gleichzeitig den spielerischen Umgang mit geometrischen Formen», erklärt Wahl.

Zahlreiche Basteleien und Fotos von kreierten Kunstwerken lassen einen eintauchen in die phantasievolle Kindergartensphäre. Und schon sind wir mittendrin in dieser «Zauberwelt», wie sie von einer Kindergärtnerin in Turbenthal 1928 bezeichnet wurde. «Die Kinder machen im Verlauf des Kindergartens die Erfahrung, dass sie auf dem Weg sind, ein Teil der Welt zu werden», sagt Wahl.

Das sei weitaus wichtiger, als man früher annahm: «In den Anfängen wurde der Kindergarten als ‹Gfätterlischuel› – abgeleitet von ‹den Vater nachahmen mit Spielen› – abgetan, erklärt Wolfgang Wahl. «Dort wird nichts Rechtes gelernt, dort wird bloss ein bisschen gespielt.» Dass das eine Fehleinschätzung war, ist mittlerweile auch wissenschaftlich belegt.

Wie die kleinen Menschen diese prägende Zeit erfahren, steht und fällt unter anderem mit den Personen, die sie im Kindergarten betreuen. Deshalb werden in der Ausstellung auch drei Kindergärtnerinnen, welche sich jeweils über 30 Jahre für ihre Schützlinge in Wila engagiert haben, vorgestellt. Zwei von ihnen werden ausführlich porträtiert: Emilie Gugolz und Annemarie Schoch.

Eine tragende Rolle wird auch Marti Manz zuteil: Sie unterstützte den Kindergarten während 50 Jahren in der Kindergartenkommission, als Klassenassistentin und «Seniorin».

Eindrückliche Einblicke in den Kindergartenalltag «anno dazumal» erhalten die Besucher bei einem kurzen Schwarz-Weiss-Film aus dem Jahr 1940. «Spätestens dann wird klar, dass die Bedürfnisse und das Verhalten der Vorschulkinder zeitlos sind», resümiert der Kommissionspräsident.

Frauenverein und Kindergärtnerin sei Dank

Trotz fehlender finanzieller Mittel öffnete im Jahr 1935 der erste, damals privat getragene Kindergarten Sommerau seine Tore in Wila. «Das verdankten die Wilemer hauptsächlich dem Engagement des dörflichen Frauenvereins», sagt Wahl. «Und dem Idealismus der Kindergärtnerin Emilie Gugolz.»

Diese arbeitete im ersten Jahr unentgeltlich und danach lange Zeit für einen reduzierten Lohn. Entsprechend hatte sie bei ihrer Pensionierung eine Einkommenslücke. «Dass die Schulpflege ihr dann eine lebenslange Rente auszahlte, zeugt von der grossen Anerkennung ihrer Dienste», sagt Wahl.

1943 musste der Kindergarten in der Sommerau ausziehen – es fand sich kein anderes Mietlokal. Mit schmalem Budget konnte ein bescheidener, barackenähnlicher Kindergarten am Bahndamm gebaut werden. Dieser wurde gar zum Vorzeigeobjekt für andere Gemeinden.

Er wird in den Schriften als «Musterbeispiel eines ländlichen, aber doch neuzeitlichen Kindergarten-Häuschens» empfohlen. Schon drei Jahre später brannte es jedoch ab. Seit 1977 ist der Kindergarten im Schulhaus Eichhalde untergebracht.

Ausstellung «Von der Gfätti zum Kindergarten» – Vorschularbeit in Wila

Die Ausstellung ist am Sonntag, 2. November, und am Sonntag, 7. Dezember, geöffnet, jeweils von 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Ortsmuseum Wila, Tösstalstrasse 33 in Wila, www.ortsmuseumwila.ch (ks)

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