Wetzikon wird grüner – mit einem «Park für die Hosentasche»
Ufgschnappt
Beim Stadthaus baut die Stadt Wetzikon ab kommender Woche einen sogenannten Pocketpark. Die Mini-Parks zum kurzen Verweilen verbreiten sich derzeit in vielen Städten.
Haben Sie früher mal mit einem «pocket radio» Musik gehört? Nein? Ganz bestimmt besitzen Sie aber ein «pocket knife». Das Taschenmesser darf eigentlich auf keiner Wanderung fehlen. Gemeinsam ist diesen beiden Gegenständen: Sie passen problemlos in eine Jacken- oder Handtasche.
Da scheint ein Pocketpark etwas aus der Reihe zu tanzen. Denn gleich einen ganzen Park gemütlich im Hosensack herumzutragen, erscheint doch eher als etwas unpraktisch. Und tatsächlich: Das Projekt «Pocketpark» entsteht nicht in einer raffinierten Miniaturmanufaktur, sondern mitten in der Stadt Wetzikon.
Baustart ist am Montag. Am 20. Oktober fahren beim Kreisel schräg gegenüber vom Stadthaus die Baumaschinen auf, wie die Stadt vermeldet. Noch ist das Grundstück zwar dank den Bäumen im Herbstkleid farbenfroh, zum Verweilen lädt es aber nicht ein. Genutzt wurde die ehemalige Einfahrt dafür offenbar immer häufiger als Kurzzeitparkplatz. Ein Unding, wie die Stadt findet.
Schon bald sollen hier darum statt Wildparkierende Wildpflanzen gedeihen. Neben Grünflächen seien Sitzgelegenheiten und eine «attraktive Wegeverbindung» vorgesehen, heisst es in der Baustelleninformation. 134’000 Franken kostet das Projekt.
Ein bisschen Weltmetropole für Wetzikon
Woher aber kommt die schicke Idee des Pocketparks? Zu finden ist sie in Architekturliteratur für Städtebau. Das Phänomen taucht seit einigen Jahren in urbanen Räumen und Weltmetropolen von Asien über Europa bis in die USA immer häufiger auf: Bangkok, Berlin, London, New York – und jetzt eben Wetzikon.
Eine eindeutige Definition existiert aber nicht. «In der Regel enthalten Pocketparks Elemente der Natur wie Bäume, Büsche oder Rasen sowie Elemente für die Benutzung wie Bänke, Tische oder Spielgeräte», hiess es dazu in einer an der Universität Zürich verfassten Masterarbeit, in der die Pocketparks der Stadt Zürich untersucht wurden.
Die Parks dürften nicht grösser als ein gewöhnlicher Häuserblock sein, hielt eine frühere Studie zu kleinen urbanen Parks aus dem Jahr 2011 fest. Beispiele aus Zürich sind der Anny-Klawa-Platz (mit Pingpongtisch) unweit des Locherguts, der Hallwylplatz (mit Brunnen) im Werd-Quartier oder der Merkurplatz in Hottingen.
Nun scheinen sich die Pocketparks auch in der Agglomeration und im Oberland auszubreiten. Wetzikon ist nicht die einzige Stadt in der Region, die damit experimentiert. Auch in Dübendorf ist am Ende der Neugutstrasse eine kleine Anlage zum kurzen Verweilen geplant.
Bis die Wetzikerinnen und Wetziker im neuen Pocketpark entspannt ihr «pocket book», also ihr Taschenbuch, lesen können, müssen sie sich aber noch etwas gedulden. Die Bauarbeiten dauern bis Mitte November. So richtig erblühen dürfte der kleine Park dann aber sowieso erst im kommenden Frühling.