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Integration durch Ausbildung

Vom Geflüchteten zum Lehrling: Eine Dürntner Gärtnerei zeigt, wie es geht

In der Schweiz mangelt es vielen Unternehmen an Lehrlingen. Gleichzeitig wollen viele Geflüchtete arbeiten. Ein Projekt baut die Brücke zwischen ihnen – so auch in der Gärtnerei Meier in Dürnten.

Am Berufsinformationstag erfahren die Besucherinnen und Besucher, was der Beruf des Gärtners beinhaltet.

Foto: Marie Fredericq

Vom Geflüchteten zum Lehrling: Eine Dürntner Gärtnerei zeigt, wie es geht

In der Schweiz mangelt es vielen Unternehmen an Lehrlingen. Gleichzeitig wollen viele Geflüchtete arbeiten. Ein Projekt baut die Brücke zwischen ihnen – so auch in der Gärtnerei Meier in Dürnten.

Alisa ist 25 Jahre alt. Sie ist in der Ukraine aufgewachsen und vor rund anderthalb Jahren in die Schweiz geflüchtet. «Ich möchte gerne arbeiten», erzählt sie. Denn anderen auf der Tasche zu liegen, das passt ihr nicht. Ausserdem will sie ihre Möglichkeiten nutzen, sich eine Zukunft in der Schweiz aufzubauen. Der beste Weg dahin: eine Lehre.

Mit diesem Wunsch ist Alisa nicht allein. Zwölf Geflüchtete aus allerlei Ländern sind an diesem Montagmorgen bei der Gärtnerei Meier in Tann zu Besuch. Das Ziel: den Beruf des Gärtners kennenzulernen.

«Wir finden zwar nach wie vor viele motivierte junge Menschen für die Lehrausbildung in den Gärtnereiberufen», erklärt Erwin Meier-Honegger, Geschäftsführer der Gärtnerei Meier. «Zeitgleich kommen aber auch immer mehr junge Geflüchtete in die Schweiz, die gewillt sind, sich hier zu integrieren und zu arbeiten.»

Eine Brücke zwischen Menschen und Unternehmen

Um genau diese zwei Parteien, namentlich motivierte Geflüchtete und Nachwuchs suchende Unternehmen, zusammenzubringen, wurde das Projekt «ROBIJ» (Rotarier für die berufliche Integration Jugendlicher) ins Leben gerufen. Der Verein wurde 2018 von Marianne Hopsch vom Rotary Club Kanton Zürich gegründet.

Seither verknüpft ROBIJ Organisationen, die mit jungen Geflüchteten zusammenarbeiten, mit Unternehmen, die Lehrstellen anbieten. «Das ist für beide Parteien ein erheblicher Gewinn», erklärt Alex Sala, Verantwortlicher Berufserkundungstage bei ROBIJ.

Denn es gebe viele Unternehmen, die Probleme hätten, Nachwuchs zu finden. «Sei es wegen des Imageverlusts des Handwerksberufs oder wenig Zugänglichkeit zu den Unternehmen.» Ausserdem gebe es teils Vorurteile gegenüber Geflüchteten. «Mit diesem Projekt und den Berufserkundungstagen schaffen wir Berührungspunkte für beide Seiten», erklärt Sala.

Das ist für mich Integration auf einem Level, von dem alle profitieren.

Erwin Meier-Honegger

Geschäftsführer Gärtnerei Meier

In die unterschiedlichsten Berufe können die Interessierten an diesen Tagen einen Einblick erhalten – vor allem aber in solche, die mit Lehrlingsmangel zu kämpfen haben. Es sind Ausbildungen wie Metallbauer/in, Schreiner/in, Sanitärmonteur/in, Logistiker/in, Strassenbauer/in – oder eben Gärtner/in.

Win-win-Situation für Geflüchtete und Lehrbetriebe

Um den jungen Geflüchteten einen Einblick in die Berufe zu geben, werden nun seit mehreren Jahren Berufserkundungstage in den verschiedensten Betrieben angeboten. Meier-Honegger hat in seiner Gärtnerei unterschiedliche Posten organisiert, an denen die Geflüchteten den Beruf nicht nur erklärt bekommen, sondern gleich selbst Hand anlegen können. «So können sie den Beruf des Gärtners erleben, unabhängig vom Sprachlevel.»

Die jungen Erwachsenen montieren beispielsweise Wagenplatten, die zum Transport von Pflanzen genutzt werden, ab, bestreiten einen Postenlauf mit Giesskanne oder machen einen Baum witterungsfest. Viele von ihnen sind neugierig: «Was passiert mit den Pflanzen, die nicht verkauft werden?» oder «Frieren die Blumen nicht?» sind nur einige der Fragen, welche die Interessierten den Mitarbeitenden stellen.

Auch die aktuellen Lernenden der Gärtnerei Meier sind mit vor Ort und erzählen von der Ausbildung. «Das fruchtet besonders – die jungen Menschen haben eine Verbindung zueinander, sind offen und haben weniger Hemmungen, Fragen zu stellen oder auch Fehler zu machen», erklärt Meier-Honegger.

Er ist überzeugt, dass das Programm eine Win-win-Situation für junge Geflüchtete und Lehrbetriebe ist. «Im besten Fall geben wir den Besuchern des Informationstags nicht nur einen Einblick in den Beruf, sondern wecken vielleicht sogar auch ernsthaftes Interesse an der Ausbildung – egal, ob bei uns oder in einem anderen Betrieb.»

Vollständig integriert und geschätzt

Für eine Arbeit motivierte Geflüchtete und Unternehmen mit Nachwuchsproblemen zusammenbringen – es ist ein Konzept, das funktioniert. So haben seit 2018 bereits mehrere Dutzend junge Geflüchtete ein Praktikum oder sogar eine Lehrstelle über das Projekt «ROBIJ» gefunden.

Einer von ihnen ist Jamal aus Afghanistan. Er ist mittlerweile seit fünf Jahren in der Schweiz und hat von 2021 bis 2022 acht Berufsinformationstage in verschiedenen Branchen besucht.

Drei Lernende, die auf dem Computer etwas anschauen.
Jamal (roter Pullover) ist in seinem dritten Lehrjahr bei Mobilog. Den Betrieb hat er über den Berufsinformationstag kennengelernt.

Durch diese Teilnahme kam er in Kontakt mit Mobilog, einem Logistikunternehmen in Buchs. Er absolvierte dort eine einjährige Integrationsvorlehre und ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr zum Logistiker EBA – eine Lehre, welche zwei Jahre dauert.

«Wir erleben Jamal als einen sehr offenen, kommunikativen und engagierten jungen Menschen, der täglich gute Laune in den Betrieb mitbringt», sagt Tolga Birgin, Berufsbildner bei Mobilog. Zu Beginn seiner Ausbildung habe es kleine sprachliche Hürden gegeben. Doch Jamals Motivation zahlte sich aus.

«Er hat in kurzer Zeit grosse Fortschritte gemacht. Heute ist er vollständig integriert und ein geschätztes Mitglied unseres Teams.» Auch sein Notendurchschnitt von 4,75 spiegle seine soliden Leistungen wider.

Bereits seit über zwei Jahren ist Jamal nun bei Mobilog. Ihn habe es vor allem überzeugt, dass die Mitarbeitenden sehr nett und positiv gewesen seien – und es bis heute sind. «Ich arbeite sehr gerne mit meinem Team zusammen. Ausserdem ist es mir wichtig, in der Schweiz eine Ausbildung abzuschliessen. Das öffnet mir die Türen in die Berufswelt», sagt er.

Integration, von der alle profitieren

Auch Alisa und Yana wollen dieses Ziel erreichen. «Ich bin gerne draussen, das Büro ist nichts für mich», sagt die 26-jährige Yana. Auch sie ist, wie Alisa, seit anderthalb Jahren in der Schweiz.

Beide sprechen gut Deutsch und können sich problemlos verständigen – dennoch sind sie eher zurückhaltend. «In der Schweiz ist vieles anders. Daran muss man sich gewöhnen», sagt Yana. «Aber es ist mir wichtig, ein Teil davon zu werden und einen Beruf zu finden, der mir gefällt.»

Der kurze Einblick in die Arbeit der Gärtnerin hat der filigranen Ukrainerin zwar gefallen, sie sieht sich aber eher im Bereich der Floristin. «Das würde mir grossen Spass machen, denke ich», sagt die 26-Jährige.

So ist auch Jawad aus Afghanistan beeindruckt von der Gärtnerei Meier. Der Afghane macht eifrig mit, stapelt und läuft, stellt viele Fragen. «Ich möchte gerne Maler werden, könnte mir aber auch die Ausbildung zum Landschaftsgärtner vorstellen», erzählt er.

Zur Freude von Erwin Meier-Honegger zeigen die Geflüchteten grosses Interesse am Beruf des Gärtners respektive der Gärtnerin. «Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir letztlich jemanden bei uns einstellen können», sagt er. Aber in erster Linie gehe es ihm darum, zwölf jungen Erwachsenen die Möglichkeit zu geben, in den Beruf zu schnuppern.

«Ich finde, es ist unsere Pflicht, jungen Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, eine Chance zu geben. Das ist für mich Integration auf einem Level, von dem alle profitieren», so Meier-Honegger.

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