Geboren, um zu konsumieren?
Seit wir denken können, werden wir mit Kommerz eingedeckt. Das laugt mental aus – und lässt den Wunsch nach konsumfreien Inseln aufkommen.
Ich starte ein Experiment – in den nächsten Tagen möchte ich zählen, wie oft ich in meinem Alltag mit Werbung konfrontiert bin. Der Aufsteller vor der Starbucks-Filiale im Bahnhof Winterthur, der mir neuerdings auch einen Kaffee mit Tiramisu-Geschmack verkaufen will? Da kommt ein Strich aufs Protokoll. Werbeanruf? Strich. Anzeigen in den sozialen Medien? Strich!
Ob ich das Experiment durchziehen werde? Fakt ist: Die Masse an fürs Portemonnaie belastenden Reizen, die tagein, tagaus auf uns einprasselt, ist gewaltig. So gross, dass man sie vielleicht gar nicht sauber zu protokollieren vermag.
Werbung ist für mich das klassische Beispiel eines zweischneidigen Schwerts: Während sie im Grunde der Inbegriff eines Systems ist, das uns zu immer mehr Konsum und damit zur Zerstörung unseres Planeten anregt, übt sie auch eine wahnsinnige Anziehungskraft auf mich aus. Und wer sagt, Werbung wirke bei ihm oder ihr nicht, lügt ohnehin.
Schon seit Kindertagen finde ich alles an ihr faszinierend: Von historischen Plakaten über Logos, Werbejingles und Claims hin zu den Menschen, die Plakatwände neu bekleben – haben Sie die mal beobachtet?

