Diese Studentin aus Uster nahm an der World Solar Challenge teil
Mit dem Solarauto durch Australien
Zoe Mackinga war Teil des Schweizer Teams, das an der World Solar Challenge in Australien teilgenommen hat. Das Rennen ist für sie nicht nachhaltig, dessen Effekt aber schon.
Zoe Mackinga hat einen aufregenden Sommer hinter sich. Die Studentin aus Uster verbrachte über zwei Monate in Australien. Nicht etwa, um Ferien zu machen. Mackinga war Teil eines Teams von Schweizer Studierenden, das an der World Solar Challenge teilnahm.
Die World Solar Challenge ist ein seit 1987 ausgetragenes Rennen für Solarfahrzeuge. Es führt über 3000 Kilometer auf öffentlichen Strassen quer Australien. Teams von Hochschulen und Unternehmen entwickeln für das Rennen Solarfahrzeuge. Ziel der Challenge ist es, Forschung und Entwicklung im Bereich der Solartechnik zu fördern und einem breiten Publikum sichtbar zu machen. (bes)
Die Equipe hat ein eigenes Solarauto entwickelt und mit diesem 3000 Kilometer von Darwin im Norden bis nach Adelaide im Süden des Lands zurückgelegt.

Im Sommer 2024 hatte Mackinga von diesem Projekt erfahren. «Und für mich war sofort klar: Ich will dabei sein, egal in welcher Position», erzählt die 24-Jährige, die an der Fachhochschule Nordwestschweiz im Bachelor Maschinenbau studiert.
Im letzten Jahr hatte Mackinga deshalb eine volle Agenda. «Ich studierte etwa 80 Prozent und arbeitete freiwillig 40 Prozent für das Team.» Viele Abende und Wochenenden hat sie in die Vorbereitung für das grosse Rennen investiert.
Mackinga war vor allem zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und – wie alle Teammitglieder – für die Suche nach Sponsoren. «Es ist ein sehr teures Projekt», sagt sie, ohne Details zu nennen. Ohne die Beiträge von Sponsoren, viele davon aus der technischen Industrie, hätte das Team das Auto nicht planen, bauen und am Rennen am anderen Ende der Welt teilnehmen können.
Mackinga sass allerdings nicht nur am Computer und plante den nächsten Social Media Post. Sie half mit beim Bau des Solarautos Silvretta. Die ganze Vorbereitungszeit war für die Studentin sehr lehrreich: «Da ich als Medienverantwortliche überall hineinschauen durfte, habe ich viele Einblicke in technische Abläufe erhalten», erzählt sie.
Anfang Juli ist sie mit den gut 30 anderen Teammitgliedern von zahlreichen Schweizer Hochschulen nach Australien geflogen. In Adelaide, dem Zielort der Solar Challenge, musste das Auto dann zuerst wieder zusammengesetzt und getestet werden.

Im Süden des Lands fanden auch die ersten Tests in der australischen Sonne statt. Denn Silvretta wird ausschliesslich mit Solarenergie betrieben. Das Auto hat zwar eine Batterie, die jedoch im Rennmodus nur durch die Solarzellen auf dem Dach aufgeladen wird.
«Als das Auto zum ersten Mal fuhr, war das für uns alle ein sehr emotionaler Moment», erzählt Mackinga. Ein Teamkollege habe dies so beschrieben: «Wie wenn ein Baby die ersten Schritte macht.»
Zelten neben der Strasse
Doch Zeit für Sentimentalitäten hatte das Team nicht. Nach der ersten Testphase in Adelaide begab sich die Equipe auf den bekannten Stuart Highway nach Darwin in Nordaustralien. Dort begann Ende August das Rennen. Die Fahrt in den Norden nutzte das Team, um die ganze Rennstrecke zu dokumentieren.
«Jedes Kuhgatter haben wir festgehalten», erzählt Mackinga. Denn diese hätten Silvretta in Schwierigkeiten bringen können. Auch Sonnenwinkel, Kurven und andere Eigenheiten hat das Rennteam notiert, um für die Strecke bestens gewappnet zu sein.
Nach weiteren Tests in Darwin begann Anfang August das grosse Rennen. Immer von 8 bis 17 Uhr war das Team unterwegs, am Abend wurde am Strassenrand campiert.

Die Rennpause am Abend hat nicht etwa damit zu tun, dass das Solarauto in der Nacht nicht fahren könnte. «Es geht um die Sicherheit», sagt Mackinga. «Wir müssen uns immer wieder bewusst sein, dass es sich bei den Autos um Prototypen handelt.» Und in der totalen Dunkelheit im australischen Outback ist eine Fahrt in der Nacht nicht ungefährlich, beispielsweise durch Tiere auf der Fahrbahn.
Das Solarauto, in dem nur eine Person sitzt, wird während des ganzen Rennens vom Team in mehreren Autos begleitet. «Im Medienauto hatte ich das Glück, Silvretta aus vielen Winkeln fahren zu sehen und sehr oft», sagt Mackinga.
Auch, als es zu einer brenzligen Situation kam und das Auto durch einen Windstoss beschädigt wurde. «Zum Glück ist nicht Grosses passiert, und wir konnten den Schaden schnell reparieren», sagt die Ustermerin erleichtert.
Eine Challenge, kein Rennen
Nach fünfeinhalb Tagen erreichte Silvretta das Ziel in Adelaide. Das reichte für Platz 11. Das gesteckte Ziel von fünf Tagen verpasste das Team knapp.
Trotzdem sieht dies Mackinga nicht als Misserfolg. Ein eigentliches Rennen sei der Wettbewerb nicht. «Es heisst nicht umsonst World Solar Challenge», sagt sie. Zwar treten die Teams gegeneinander an. Doch am Ende des Tags sei es vor allem eine Challenge, ans Ziel zu kommen. Von den 26 Teams in ihrer Kategorie schafften das nur 14.
Und das erfüllt die Ustermerin mit Stolz. Die vielen Arbeitsstunden haben sich für sie gelohnt. Das Auto ist nun wieder per Schiffsfracht auf dem Weg in die Schweiz. Ist es eingetroffen, will sie die Möglichkeit nutzen, selber ihre erste Runde darin zu fahren. Bisher war dieses Privileg nur dem Fahrerteam vorbehalten.
Wissen für Berufswelt
Für Zoe Mackinga ist klar, dass sie auch bei der nächsten Solar-Challenge in zwei Jahren Teil des Schweizer Teams sein will. Dann möchte sie vermehrt im technischen Bereich mitarbeiten.
Doch wie nachhaltig ist es, ein Solarauto und ein 30-köpfiges Team nach Australien zu schicken? «Die Challenge ist sicher nicht umweltfreundlich», gesteht die Studentin ein. Trotzdem sei sie wichtig für den technischen Fortschritt im Bereich der Solarenergie.
«Als das Rennen Ende der Achtzigerjahre zum ersten Mal stattfand, hatten die Teams sechs Wochen Zeit, heute sind es sechs Tage», sagt Mackinga. Beim Planen der Autos lernen die Studierenden ausserdem viel über Aerodynamik und andere wichtige Aspekte, die für umweltfreundlichere Mobilität wichtig sind. «Und dieses Wissen nehmen wir dann auch mit in unsere Berufswelt.»
