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Hilfsorganisation Eastaid

Zwei Schwerzenbacherinnen tragen Hoffnung nach Kambodscha

Während andere in ihrer Freizeit die Füsse hochlegen, engagieren sich diese beiden Frauen ehrenamtlich für Schulen in Kambodscha. Damit ermöglichen sie Tausenden von Kindern eine Zukunftsperspektive.

Starkes Team: Tanja Huber (links) und Andrea Schreiber aus Schwerzenbach.

Foto: Karin Sigg

Zwei Schwerzenbacherinnen tragen Hoffnung nach Kambodscha

Während andere in ihrer Freizeit die Füsse hochlegen, engagieren sich diese beiden Frauen ehrenamtlich für Schulen in Kambodscha. Damit ermöglichen sie Tausenden von Kindern eine Zukunftsperspektive.

Andrea Schreiber und Tanja Huber sitzen unter einem Schatten spendenden Baum vor ihrer Schwerzenbacher Wohnung. Ihre Gedanken schweifen in die Ferne. Nach Kambodscha, um genau zu sein. Lebhaft erzählen die beiden von ihren Erlebnissen in diesem südostasiatischen Land.

Immer wieder fallen sie sich ins Wort, weil eine Erinnerung die andere weckt. «Dass alle Bestandteile des geopferten Schweins gegessen wurden, war eine Ehre, für uns aber schon gewöhnungsbedürftig», erzählt Andrea Schreiber lachend. Als Zuhörer wähnt man sich dabei selbst mittendrin im Geschehen.

Man sieht Frauen und Männer an Feierlichkeiten in Kambodscha.
Gemeinsames Schnapstrinken gehörte auch zu den Feierlichkeiten einer Schulhauseinweihung in Kambodscha. Im Vordergrund der Kopf des geopferten Schweins.

Im Januar reisten die Frauen durch den Norden Kambodschas, um täglich Schulen zu besuchen. «Ihre Schulen», könnte man fast sagen. Doch alles der Reihe nach.

Der Schritt in sehr grosse Fussstapfen

Im Jahr 2021 übernahm Andrea Schreiber das Präsidium der spendenbasierten Hilfsorganisation Eastaid. Damit trat sie die Nachfolge ihres 2020 verstorbenen Vaters Hansruedi Schreiber an. Auch ihre Lebenspartnerin Tanja Huber trat dem damit sechsköpfigen Vorstand bei und führt das Amt der Aktuarin aus.

Man sieht Andrea Schreiber und ihren Vater Hansruedi Schreiber.
Der Gründer und Pionier Hansruedi Schreiber mit seiner Tochter Andrea, der Präsidentin von Eastaid.

Der Verein Eastaid gründe auf dem riesigen Netzwerk, das ihr Vater über die Jahre aufgebaut habe. «Seine Entscheidung, einen Verein zu gründen, war sehr weise von ihm», sagt Schreiber, die im Bereich Finanzen bei der UBS tätig ist.

Das Lebenswerk von Hansruedi Schreiber

Nachdem der langjährige Drogist sein Geschäft in Zürich an den Nagel gehängt hatte und mit 55 Jahren in Frührente ging, unternahmen er und seine Frau Yvonne ausgedehnte Reisen. Hauptsächlich die ärmeren fernöstlichen Regionen hatten es dem Ehepaar angetan.

«Als Touristen im herkömmlichen Sinn waren sie dann aber nur kurze Zeit unterwegs», erinnert sich die Tochter Andrea Schreiber. «Bei der Armut, die ihnen da begegnete, konnte mein Vater nicht untätig zusehen.»

Und so engagierte sich der Frührentner und «Macher» bald für den Bau verschiedener Hilfseinrichtungen. Ein Altersheim in der Slowakei, eines in Myanmar. In Kambodscha und Burma konnten durch seine Unterstützung Schulen, ein Waisenhaus und sogar ein Staudamm errichtet werden. «Durch seine kommunikative, gewinnende Art erreichte und vernetzte er die Menschen mit Leichtigkeit.»

2008 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Yvonne den gemeinnützigen Verein Eastaid. Der sechsköpfige Vorstand arbeitet ehrenamtlich und ohne Unkosten. «Sämtliche Spesen wie Reisen zu den Schulen finanzieren wir aus der eigenen Tasche», so Andrea Schreiber. «Dadurch fliesst jeder gespendete Rappen vollumfänglich in die Projekte.»

Im Dezember 2020 musste Hansruedi Schreiber dann leider seine letzte Reise antreten. Er verstarb im Alter von 81 Jahren nach schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie.

«Hansruedi war immer davon überzeugt, dass Bildung der Weg aus der Armut ist», sagt Tanja Huber. Sie erzählt, dass in Nord-Kambodscha auch heute noch viele Mädchen früh verheiratet würden, während die Buben ausschliesslich auf dem Feld als Bauern arbeiten würden.

Durch das Hilfswerk sind bis heute fünf Primar- und zwei Sekundarschulen entstanden. «Wir wollen möglichst vielen Kindern den Zugang zur Schule ermöglichen», sagt Huber. Dadurch würden sie neue Perspektiven erhalten.

Viele Kinder nutzen die Chance

Ein ehemaliger Schüler betreibe heute zum Beispiel einen Motorradladen, eine andere Schülerin ein kleines Coiffeurgeschäft. Besonders freut sich Tanja Huber über jene ehemalige Schülerin, die als Lehrerin an ihre Schule zurückgekehrt ist. «Sie wollte etwas von dem zurückgeben, das sie auf den Weg bekommen hat», erzählt sie sichtlich gerührt.

Mit ihrem «Erbe» übernehmen Schreiber und Huber eine immense Verantwortung. Für beide war nach dem Tod von Hansruedi Schreiber klar, dass sie weitermachen müssen. «Was würde sonst aus den 887 Primar- und 1183 Sekundarschulkindern werden?», so die pragmatische Frage von Andrea Schreiber. «Ihre Zukunft liegt in unseren Händen.»

Mit den generierten Spendengeldern wird nicht nur der Unterhalt der Schulen finanziert. Auch erhält jede Schülerin und jeder Schüler zweimal jährlich eine Schuluniform. «Oft sind das die einzigen Kleider, die sie haben», erzählt Tanja Huber.

Den Primarschülern wird ein ausgewogenes Mittagessen aufgetischt. Kinder mit weiten Schulwegen können an den Schultagen in sogenannten Dormitories, also Schlafquartieren, übernachten. «Zudem werden sämtliche Löhne, von den Lehrern bis zum Koch, mit den Spendengeldern bezahlt», erklärt Schreiber.

Dass viel auf sie zukommen würde, dessen waren sich die beiden bewusst. «Mein Vater war als Frührentner jedes Jahr mehrere Wochen in Kambodscha, um nach dem Rechten zu sehen.» Das ist den zwei erfolgreichen Geschäftsfrauen nur schon aus zeitlichen Gründen nicht möglich. «Wir planen, alle zwei Jahre vor Ort zu sein.»

Zum Glück dürfen die Frauen auf einen langjährigen Vertrauensmann vor Ort zählen. «Sitha pendelt schier pausenlos von einer Schule zur anderen, um uns auf dem Laufenden zu halten», sagt Andrea Schreiber dankbar.

Auch die Organisation von Spendengeldern sei ein nicht zu unterschätzender Aufwand. «Während mein Schwiegervater alle Spender jeweils persönlich besucht hat, setzen wir aus Kapazitätsgründen vermehrt auf Social Media», erklärt Huber, die als stellvertretende Kommunikationsleiterin bei Grün Stadt Zürich arbeitet. «Wir wussten von Beginn weg, dass wir es ein wenig anders machen müssen als er.»

Die beiden Mitfünfzigerinnen haben vor, noch einige Jahre in ihren Berufen zu arbeiten. Entsprechend ist ihr Ziel, sich in dieser Zeit auf die bestehenden Schulen zu konzentrieren und vorerst keine weiteren zu bauen. «Je mehr Schulbetriebe und Kinder, desto mehr Spendengelder müssten wir generieren», erklärt Tanja Huber, «das lässt sich nicht mit unseren Arbeitspensen vereinbaren.»

Ein Aufwand, der sich lohnt

Trotz den vielen Herausforderungen engagieren sich die beiden Frauen gerne und mit viel Herzblut für das Hilfsprojekt. Besonders, seit sie im Januar zum ersten Mal gemeinsam durch Kambodscha reisten. «Schon von weit her haben wir jeweils das glückliche Kinderlachen gehört, als wir uns den Schulen genähert haben», erzählt Tanja Huber mit wässrigen Augen.

Währenddessen kämpft auch Andrea Schreiber mit den Tränen der Rührung, als sie erzählt, wie die Kinder mit einfachsten Mitteln gemeinsam auf dem Pausenplatz spielen. «Trotz den bescheidenen Lebensbedingungen strahlen die Kinder eine unglaubliche Lebensfreude aus.»

Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist es für die beiden Frauen ohnehin klar geworden: «Das Vermächtnis von Hansruedi Schreiber muss weiterleben.»

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