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Ehemaliger Präsident der Alterssiedlung Wetzikon

Neue Alterswohnungen sind für ihn eine Investition für die Zukunft

Jean-Pierre Kuster prägte 16 Jahre die Alterssiedlung Wetzikon – mit zwei Bauprojekten und viel Weitblick für kommende Generationen

Jean-Pierre Kuster vor dem Neubau der ASW an der Talstrasse in Wetzikon. Es war sein letztes Bauprojekt als Präsident der Genossenschaft.

Foto: Simon Grässle

Neue Alterswohnungen sind für ihn eine Investition für die Zukunft

Jean-Pierre Kuster war 16 Jahre Präsident der Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon. In dieser Zeit hat er zwei Bauprojekte umgesetzt. Diese sind für ihn eine Investition in die Zukunft.

Der achtgeschossige Wohnturm an der Talstrasse in Wetzikon direkt an der Bahnlinie ist nicht zu übersehen. Hier hat die Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon (ASW) vor etwas mehr als einem Jahr ihr neustes Gebäude mit 37 Alterswohnungen eröffnet.

Es war gleichzeitig das zweite und letzte Bauprojekt, das Jean-Pierre Kuster als Genossenschaftspräsident realisiert hat. Der 78-jährige Ustermer hat im Sommer sein Amt nach 16 Jahren an seinen Nachfolger Hans Sonderegger übergeben.

Wenn er über den Bau an der Talstrasse spricht, kommt Kuster ins Schwärmen: «Wir haben einen grossen Gemeinschaftsraum, ein Gästezimmer, zehn Ateliers, ein kleines Fitnesscenter und sogar eine Sauna.»

Drohnenaufnahmne eines Wohnturms
Im Wohnturm mit sechs Geschossen hat es auch eine Sauna und ein Fitnesscenter.

Trotzdem kann die Genossenschaft die Wohnungen zu erschwinglichen Preisen anbieten. So beträgt der Mietzins inklusive Nebenkosten für 2,5-Zimmer-Wohnungen zwischen 1535 und 1770 Franken – für 3,5 Zimmer sind es 1870 bis 2170 Franken.

«Interessanterweise waren die teuersten Wohnungen in den oberen Geschossen als Erstes weg», sagt Kuster und fügt an: «Viele ältere Leute sind nicht arm.»

Das Mietmodell berücksichtigt auch Menschen mit knapperem Budget. Wer Ergänzungsleistungen bezieht, kann trotzdem im Neubau einziehen, weil die Genossenschaft die Mietzinse intern subventioniert.

Die Genossenschaft konzentriert sich bewusst aufs Wesentliche. Es gibt Angebote wie Turnen oder Vorträge, Konzerte und Mittagstische; pflegerische und hauswirtschaftliche Dienstleistungen bietet die ASW aber nicht an. Wer in einer Wohnung der Genossenschaft wohnt, muss noch selbständig – und gegebenenfalls mithilfe der Spitex – seinen Alltag bestreiten.

Zukünftige Generationen sollen profitieren

Das entspreche dem Sinn und Zweck der Genossenschaft. Diese wurde 1959 gegründet mit dem Ziel, älteren Einwohnerinnen und Einwohnern von Wetzikon und Seegräben zweckmässigen und finanzierbaren Wohnraum anzubieten.

«Bei einem Neubau sind wir nicht viel günstiger im Vergleich zu Wohnungen auf dem regulären Markt», sagt Kuster. Denn auch eine gemeinnützige Genossenschaft muss ihre Investitionen – beim Neubau an der Talstrasse beliefen sie sich auf über 18 Millionen Franken – finanzieren können.

Und so sieht Kuster den Wohnturm von 2024 auch als Investition für die Zukunft. Nach rund 20 Jahren seien Genossenschaftswohnungen aufgrund der Kostenmiete meist deutlich günstiger als vergleichbare Objekte auf dem freien Markt, erklärt er.

Für den ehemalige Ustermer SP-Gemeinderat und -Kantonsrat zeigt das Beispiel der ASW und anderer Genossenschaften, dass es möglich ist, Wohnen auf hohem Niveau anzubieten, «ohne dass man Geld verdienen muss».

Davon war er bereits überzeugt, bevor er 2009 das Präsidium der Wetziker Genossenschaft übernahm. Sein Engagement für genossenschaftliches Wohnen begann jedoch schon Jahrzehnte zuvor.

Einsatz für Genossenschaften

1989 gründete Kuster die Genossenschaft Wogeno (heute Gewo Züri Ost) in Uster mit. Vier Jahre später war er Mitbegründer des Wohnbaubüros, das unter anderem Beratungen für Wohnbaugenossenschaften anbot. Im vergangenen Jahr hat das Büro seine Tätigkeit eingestellt. «Ich nähere mich langsam dem Ruhestand», sagt Kuster.

Im internen Magazin der ASW wird sein Wirken mit viel Lob gewürdigt. Er habe die Genossenschaft mit «viel Weitblick strukturiert und erfolgreich professionalisiert». Seine beiden Bauprojekte würden «deutlich seine Handschrift» tragen.

Jean-Pierre Kuster war 16 Jahre Präsident der Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon und hat zahlreiche Projekte mitumgesetzt.
Unter der Führung von Jean-Pierre Kuster hat sich die Genossenschaft gewandelt – und wurde vor allem professioneller.

Kuster streitet nicht ab, dass sich die Genossenschaft unter seiner Führung gewandelt hat. «Bei meinem Einstieg war die ASW geprägt von der Arbeit der damaligen Geschäftsführerin», erinnert er sich. Diese sei eine sehr tüchtige Frau gewesen.

«Ihr oberstes Ziel war aber, Leerstand zu verhindern, und so hat sie immer mal wieder Wohnungen an Auswärtige vergeben.» Ein Vorgehen, das entgegen der Statuten war. Die Gemeinde setzte dem ein Ende.

Über die Aufnahme von Auswärtigen entscheidet heute der Präsident zusammen mit dem zuständigen Mitglied des Wetziker Stadtrats. Nur auswärtige Personen, die viele Jahre in Wetzikon oder Seegräben gewohnt und Steuern gezahlt haben oder einen starken familiären Bezug zur Gemeinde haben, können eine Wohnung in der Genossenschaft beziehen.

Ein Bonus für Alterswohnungen

Mit der Stadt pflege die Genossenschaft eine gute Beziehung, sagt Kuster. Die ASW werde geschätzt. Doch es gab auch Reibungspunkte. 2012 wollte der damalige Gemeinderat die Grundstücke der Genossenschaft in reguläre Wohnzonen umwandeln. Denn deren Häuser stehen in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen.

Die Regeln sind dort weniger streng als in normalen Bauzonen. Die Gebäude dürfen beispielsweise bis zu 25 Meter hoch gebaut werden. In dieser Zone dürfen im Kanton Zürich auch Alterswohnungen gebaut werden.

«Eine Umzonung in eine normale Wohnzone hätte unsere Entwicklung gefährdet», sagt Kuster. So hat der Vorstand die Bewohnerinnen und Bewohner mobilisiert, an der Gemeindeversammlung teilzunehmen, die es damals in Wetzikon noch gab. Mit Erfolg: Der Vorschlag des Gemeinderats wurde deutlich abgelehnt.

Die Genossenschaft darf damit weiterhin Alterswohnungen mit weniger Einschränkungen bauen. So ist beispielsweise ein grösserer Ersatzneubau an der Spitalstrasse 30 in Planung, wo die ASW heute bereits einen Bau mit 51 Wohnungen besitzt.

Ist diese Privilegierung von Wohnraum für ältere Menschen in Zeiten vom allgegenwärtigen Wohnraummangel und steigenden Mieten noch zeitgemäss? Für den überzeugten Genossenschafter Kuster steht diese Regelung vor allem für Weitsicht in einer Gesellschaft, die immer älter wird.

«Es geht ja auch nicht nur um die älteren Leute von heute.» Er ist überzeugt: «Die jetzige Generation wird im Alter nicht mehr so sorglos leben können.» Diese soll dereinst vom grösseren Angebot von günstigen Alterswohnungen profitieren.

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