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Empfang für die ESAF-Teilnehmer

Der stille Schwingerheld und sein lautes Fischenthal

Ein lautstarker Umzug legte am Freitagabend die Hauptstrasse in Fischenthal lahm. Ein Dorf feiert seine Helden.

Kranzgewinner Fabian Kindlimann (Mitte hinten), umringt von lauten Treichlern und seinen Teamkollegen.

Foto: Simon Grässle

Der stille Schwingerheld und sein lautes Fischenthal

Eine Menschenmenge, begleitet von knallenden Geisseln und donnerndem Treichelgeläut, verwandelte die beschauliche Ortschaft Fischenthal in eine laute Ehrenpforte für die erfolgreichen ESAF-Schwinger.

Warndreiecke und blinkende Baustellenlampen machen schon von Weitem darauf aufmerksam, dass im sonst so beschaulichen Dorf Fischenthal bald mächtig etwas los sein wird. Vor dem Restaurant Blume haben sich schon zig Menschen versammelt.

Sie warten gespannt auf den feierlichen Einzug ihrer «Helden» – die erfolgreichen Oberländer Teilnehmer des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes ESAF in Mollis.

Die Zuschauer stehen bereit.
Wann kommen die Helden? Gespanntes Warten vor der «Blume».

In rund 300 Metern Entfernung, am Fischenthaler Bahnhof, hat sich ebenfalls eine grössere Gruppe von Menschen besammelt. Viele von ihnen tragen ein weisses Shirt mit dem Schriftzug «Club der Ungeküssten, Trychlergruppe Fischenthal», neben sich haben sie grosse Treicheln abgestellt.

Man sieht die Teilnehmer des Marsches am Bahnhof.
Am Bahnhof Fischenthal versammeln sich die Trychler und der Schwingklub Zürcher Oberland.

Andere tragen eine blaue Vereinsjacke, die den Schwingklub Zürcher Oberland (SKZO) repräsentiert. Dazwischen sind einige Männer in Trachten auszumachen: Die Oberländer ESAF-Teilnehmer. Inmitten von ihnen steht ein Hüne von einem Mann, dessen Kopf von einem Laubkränzchen geschmückt wird – Kranzgewinner Fabian Kindlimann.

Umzug zwischen den Häusern Fischenthals

Plötzlich kommt Bewegung in die Gruppe. Die «Ungeküssten» hieven ihre schweren Treicheln auf die Schultern, alle stellen sich in Reih und Glied. Die «Geisterchlöpfer» knallen mit ihren Geisseln, der Zug setzt sich in Bewegung.

In gemächlichem Tempo biegt der Trupp auf die Hauptstrasse ein. Mitglieder der örtlichen Feuerwehr sorgen dafür, dass die Menschentraube sicher ans Ziel, das Restaurant Blume, gelangt. Schaulustige säumen die Strassenränder oder schliessen sich einfach der Gruppe an. Es scheint, als ob das ganze Dorf auf den Beinen ist, um die Schwinger – und vor allem ihren Lokalhelden - zu feiern.

Vor der «Blume» herrscht dichtes Gedränge. Die Treichler, die Schwinger und die ganze Ehrendelegation – alle zwängen sich durch die Eingangstür in Richtung Saal. Aber auch die Zuschauer wollen möglichst schnell rein, um sich einen Sitzplatz an den langen Tischen zu ergattern. Wer keinen Platz bekommt, verfolgt die Ehrung stehend.

Im Saal hallt das Treichelgeläute von den Decken und wirkt ohrenbetäubend. Auf der grossen Bühne geht es zu und her wie in einem Ameisenhaufen. Doch schon nach kurzer Zeit haben sich alle aufgestellt und formiert. Nach einem «Juchzer» geht es zum offiziellen Teil der Feier.

Daniel Spörri, der Präsident des Schwingklubs Zürcher Oberland (SKZO) ehrt den Fischenthaler Fabian Kindlimann, der mit seinem zweiten Kranzgewinn am ESAF in die Schwingergeschichte eingeht. «Wir hätten nicht gedacht, dass unser ‹Fäbel› noch einmal Eidgenoss wird», sagt Spörri stolz.

Kindlimann bestätigt, dass er nach der missglückten Hauptprobe an der Schwägalp-Schwinget nicht sehr zuversichtlich war für die Teilnahme am ESAF in Mollis. «Ich hätte die Hose fast an den Nagel gehängt», erzählt er auf der Bühne. Doch etwas hielt ihn davon ab: «Was wäre ich meinen beiden Kindern für ein Vorbild, wenn ich in so einem Moment einfach aufgeben würde?» Er wollte sie stolz machen.

Die Sensation ist geglückt

Der Kranzgewinner erzählt von seiner Reise ans ESAF und wie er sich mental auf die grosse Herausforderung vorbereitet hat. «Ich nahm es ruhig, ging dem Rummel aus dem Weg, hörte auf mich und meinen Körper.»

Nachdem er am ersten Wettkampftag sein «Soll» erfüllt hatte, wusste er am entscheidenden zweiten Tag bereits beim Aufstehen: «Das wird ein guter Tag.» Das Vertrauen innerhalb des Verbands sowie die Anfeuerungsrufe seiner Kollegen hätten das Übrige zu seinem Erfolg beigetragen.

Von den Erfahrungen des 34-Jährigen sollen aber auch andere profitieren. «Deshalb engagiere ich mich bereits seit sieben Jahren als als technischer Leiter für unsere über 40 Jungschwinger.» Kindlimann bittet die Buben nach vorn und lässt eine Welle für sie durch die Zuschauerreihen gehen. Denn am nächsten Tag werden sie sich an der Uzwiler Buebeschwinget behaupten müssen. «Jungs, geht heute nicht zu spät ins Bett», mahnt er sie.

Gleichzeitig entschuldigt sich Kindlimann bei allen, dass er heute mit Mineralwasser, statt mit Bier anstossen werde. Denn er wird am nächsten Morgen als Kampfrichter für insgesamt 376 Buben im Einsatz stehen. «Ich will meine Arbeit morgen gut machen.»

Später erzählt «Fäbel» im Interview, dass er Menschenansammlungen eigentlich eher meidet. «Es ist trotzdem schön, wie die Leute heute strahlen, klatschen und unsere Leistungen wertschätzen.»

Fabian Kindlimann vor dem Restaurant Blume.
In Fischenthal ist er einfach der «Fäbel»: «Hier kennen und respektieren sich alle», sagt Kranzgewinner Kindlimann.

Die Beschaulichkeit Fischenthals ist es auch, was er an seinem Zuhause so schätzt. «Alle kennen und grüssen sich. Und trotzdem konnte ich mich in aller Ruhe vom ESAF erholen.» Ausserdem würden sich die hiesigen Sportler gegenseitig respektieren und austauschen. «So durfte ich den Trainingsraum der Schoch-Brüder benutzen – unter der Bedingung, dass ich ein Schwingfest gewinne.»

Eine Erwartung, die er wohl etwas übertroffen hat mit seinem zweiten Kranzgewinn am ESAF. Wann er die Hose endgültig an den Nagel hängen wird, lässt der bescheidene Landwirt im Moment noch offen.

Weitere Erfolgsträger aus dem Oberland

Nebst Fabian Kindlimann wurden auch weitere Oberländer Schwinger für ihren Erfolg am ESAF in Mollis geehrt: Arjuna Fuster aus Bubikon, Nicola Funk aus Gibswil, Gian Maria Odermatt aus Uster und Benj Nock aus Turbenthal. Alle vier jungen Männer nannten als Ziel für das nächste ESAF, mindestens acht Gänge zu schaffen.

Man sieht die weiteren ESAF-Teilnehmer aus dem Oberland auf der Bühne.
Die geehrten Schwinger (v.l.): Benj Nock, Nicola Funk, Gian Maria Odermatt, Arjuna Fuster, Fabian Kindlimann und Vereinspräsident Daniel Spörri.

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