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Der Vorhang bleibt offen

Operettenbühne Hombrechtikon ist zurück – mit fantastischer Reise zum Mond

Wie Phönix aus der Asche - und jetzt sogar bis zum Mond. Die Operettenbühne Hombrechtikon ist zurück - fantastischer denn je.

Einmal Mond und zurück: Die Operettenbühne macht es möglich.

Foto: Dennis Yulov

Operettenbühne Hombrechtikon ist zurück – mit fantastischer Reise zum Mond

Ein Jahr nach der Krise strahlt die Operettenbühne Hombrechtikon wieder. Mit Kreativität und Sparsamkeit hat der kleine Verein überlebt – und rüstet sich für die Zukunft.

Wir befinden uns im Gemeindesaal von Hombrechtikon. In einer knappen Stunde geht die Orchesterhauptprobe der Operettenbühne los. Im Foyer fühlt man sich wie in einem Bienenhaus.

An einem kleinen Stehtisch versucht Vereinspräsident Dieter Werner, Fragen für diesen Artikel zu beantworten. «Dieter, weisst du, wo der Klavierhocker ist?», platzt ein Mann dazwischen. «Kann ich schon in den Saal?», will eine Frau mit Harfe auf dem Rücken von ihm wissen. «Dieter, in fünf Minuten ist Einsingen!», mahnt ihn der Regieassistent.

Denn Dieter Werner hält nicht nur die Fäden der Operettenbühne Hombrechtikon (OHO) zusammen. Der leidenschaftliche Baritonsänger lässt es sich auch nicht nehmen, selbst in eine Chorsolistenrolle zu schlüpfen.

Zwar ist er seit Anfang Jahr pensioniert, doch der IT-Spezialist und Wirtschaftsingenieur arbeitet in einem reduzierten Pensum weiter. Und das neben seinem Vollblut-Engagement für den Verein. «Von meiner Pensionierung merke ich noch nicht viel», sagt der Rütner lachend.

Für die Organisation des jährlichen, professionellen Bühnenspektakels leistet das Team jeweils mehrere 1000 Arbeitsstunden, notabene ehrenamtlich. Ein gewaltiger Aufwand für einen Verein mit 50 Mitgliedern und vielen externen Helfenden. In einer Zeit, in der das Angebot an kulturellen Anlässen zu überlaufen droht. «Man hat heute fast schon einen Kulturinfarkt», sagt Werner.

Der umtriebige Vereinspräsident sieht darin einen der Gründe, weshalb die kleineren Bühnen immer stärker um Zuschauer buhlen müssen. Vor allem jüngeres Publikum für eine Operette zu begeistern, sei schwierig. «Als die Auswahl noch nicht so gross war, riskierten die Leute eher, sich auf etwas Neues einzulassen.»

Er ist überzeugt, dass es die bekannten Stücke sind, die heute mehr Publikum anziehen. Darunter etwa die Operetten «Die Fledermaus», «Der Bettelstudent» oder «Der Vogelhändler». Die Wahl eines unbekannteren, provokanten Stücks – «Orpheus in der Unterwelt» – sowie Altlasten aus Corona-Zeiten hätten den kleinen Verein 2023 fast zu Fall gebracht.

Eine Taskforce sollte das sinkende Schiff vor dem Untergang bewahren. Eine breitere Aufstellung, vermehrtes Sponsoring und Partnerschaften sowie eine Repositionierung an der Marke OHO sollten als Rettungsringe dienen.

Was sich seit 2023 getan hat

Im vergangenen Jahr wollte man mit einem «massentauglichen» Stück – der «Fledermaus» – und Sparmassnahmen erst einmal das Loch in der Kasse stopfen. «Wir haben uns darauf beschränkt, das Bühnenbild sowie die Kostüme wiederzuverwerten, statt auf Neues zu setzen», erzählt Dieter Werner.

Das schlug sich prompt in den Finanzen nieder: Der Verein schloss 2024 so positiv ab, dass er das Corona-Defizit kompensieren konnte.

Eine Taskforce, wie sie dem OHO einst vorschwebte, hat sich zwar nicht ergeben. Dafür ist der Vorstand daran, Schritt für Schritt weitere Massnahmen umzusetzen, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

So ist man präsenter mit Werbemassnahmen – die «Frau Luna»-Plakate stehen in vielen Oberländer Dörfern direkt am Strassenrand. Wie Werner weiter erklärt, will der Verein verstärkt auf soziale Medien setzen, das Sponsoring breiter angehen und schmiedet erste Pläne für einen «Feinschliff» seiner Marke – zum Beispiel ein umfassenderes Gastroangebot.

«Es ist nicht leicht, alles neben dem Tagesgeschäft neu aufzugleisen», gesteht der Präsident. «Doch Schritt für Schritt transformieren wir unser Format in eine neue Ära.»

Nur noch massentaugliche Stücke?

Trotz allem wird der Verein künftig nicht nur noch auf massentaugliche Inszenierungen setzen. «Dann würden wir immer wieder dieselben sechs Stücke spielen», winkt der Operettenliebhaber ab. «Und damit wohl unsere treuen Gäste vergraulen.»

Stattdessen sollen sich die «Evergreens» mit unbekannteren Werken abwechseln. In den nächsten Wochen wird mit «Frau Luna» von Paul Lincke eine Berliner Operette gezeigt, die in der Schweiz weniger geläufig ist. Werner hat das Stück kennen- und lieben gelernt, als er für ein IT-Projekt in Berlin war. «Dort werden die Kompositionen von Paul Lincke gefeiert wie die Nationalhymne.»

«Frau Luna» ist eine Aufführung mit eingängigen Melodien, einfachen Handlungen und Tanzeinlagen, womit sie eher wie ein Musical daherkommt. «Es ist leichte Unterhaltung, die für ein breites Spektrum an Zuschauern zugänglich ist.» Und das Lied «Das ist die Berliner Luft» dürfte wohl den meisten – auch den Jüngeren – ein Begriff sein.

Vielversprechender Einblick in die Proben

Zurück zum Gemeindesaal – das «Bienenhaus» ist inzwischen zur Ruhe gekommen. Erwartungsvoll richten die Orchestermitglieder ihre Blicke auf den Dirigenten Caspar Dechmann. Dann spielen sie die ersten Takte.

Der Vorhang geht auf und gibt die Sicht frei auf die neue, drehbare Bühne. Das schlichte, aber stimmungsvolle Bühnenbild, die historischen Kostüme und die authentischen Dialekte der Schauspieler entführen die Zuschauer nach Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts.

Farbenfrohe Kostüme, witzige Dialoge, eingängige Melodien und mitreissende Tanzeinlagen lassen keine Langeweile aufkommen. Der Einblick in die Proben macht Lust auf mehr. Besonders die Szene auf dem Mond mit stimmgewaltigen Soli, energiegeladenen Chorauftritten und viel Bling-Bling.

Die humorvollen Schauspielkünste der Akteure sorgen für Unterhaltung. So spielt etwa Daniel Bentz, der Startenor der Formation I Quattro, eine tragende Rolle. Der im Oberland aufgewachsene Zürcher verrät in der Pause, dass seine aussergewöhnliche Kopfbedeckung aus echten «Nüdeli» besteht. Zur Operettenbühne Hombrechtikon hat er einen besonderen Bezug: «Mit etwa 23 Jahren hatte ich hier einen meiner ersten Auftritte.»

Auch Dieter Werner macht eine kurze Verschnaufpause. Er setzt kurz seine farbenfrohe Moosgummi-Perücke ab, die ihn bei seinen Gesangs- und Tanzeinlagen zum Schwitzen gebracht hat. Der «Teilzeitpensionär» sieht etwas erschöpft aus, sein Gesicht allerdings strahlt vor Freude.

«Zu erleben, wie sich alles zu einem spektakulären Ganzen zusammenfügt, entschädigt jeweils für die Arbeit eines ganzen Jahrs.» Dann setzt er seine bunten «Haare» auf und steckt schon wieder in der Rolle des Mars.

Operette «Frau Luna» von Paul Lincke

Im Gemeindesaal Blatten in Hombrechtikon finden von August bis September insgesamt 14 Vorstellungen statt. Premiere ist am Samstag, 30. August, um 19 Uhr, am Sonntag findet eine Vorstellung um 15 Uhr statt. Danach gibt es jedes Wochenende bis zum 28. September, jeweils von Freitag bis Sonntag, eine Aufführung.

Eine Stunde vor Aufführungsbeginn findet im Saal jeweils eine Einführung zum Stück statt (keine Reservation notwendig). Tickets können online bestellt werden.

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