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Hitzeinseln in Dübendorf

Ausgerechnet auf dem Spielplatz sind es über 57 Grad

Glutofen oder lauschiges Plätzchen: In Dübendorf können im Sommer wenige Faktoren grosse Unterschiede verursachen. Wir waren am Tag und in der Nacht unterwegs, um in der Stadt die Temperaturen zu messen.

Temperaturmessungen auf der Oberfläche und zwei Meter ab Boden geben ein Bild, wie sich bei Tag und bei Nacht die Hitze in der Stadt entwickelt.

Foto: David Marti/Bearbeitung: Thomas Bacher

Ausgerechnet auf dem Spielplatz sind es über 57 Grad

Glutofen oder lauschiges Plätzchen: In Dübendorf können im Sommer wenige Faktoren grosse Unterschiede verursachen. Wir waren am Tag und in der Nacht unterwegs, um in der Stadt die Temperaturen zu messen.

Der Hitzeinseleffekt ist ein städtisches Problem. Urbane Gebiete wärmen sich im Sommer stark auf und kühlen nur langsam wieder ab, was auch in Dübendorf in den letzten Tagen spürbar geworden ist. Andrea Weber, die stellvertretende Leiterin Stadtplanung, kennt die Faktoren, die dafür verantwortlich sind: «Versiegelte Flächen, dichte Bebauung und wenige Bäume führen zu einem Hitzeinseleffekt.»

Die Stadt hat damit begonnen, für mildere Temperaturen versiegelte Flächen aufzubrechen. Bekanntes Beispiel ist der Lindenplatz, wo im Frühling 2024 der Asphalt aufgerissen und ein Miniwald gepflanzt wurde.

Hitzeinseln in Dübendorf
Die elf Standorte der Temperaturmessungen in Dübendorf.

Aber auch dort zeigte Mitte der vergangenen Woche das Thermometer trotz vielen Bäumen und viel Schatten hohe Temperaturen an. Am späteren Nachmittag gibt das Gerät zwei Meter ab Boden 34 Grad an. Der schmale Kiesplatz erwärmt sich an der Oberfläche auf 33,2 Grad. Ein paar Meter nebenan, wo das Trottoir der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt war, ist die Luft aber bereits ein Grad wärmer.

Beim Lindenplatz hat Dübendorf das Prinzip der Schwammstadt angewendet. Dieses sieht vor, Regenwasser an Ort und Stelle zu behalten, anstatt es über Leitungen abzuführen. «Das Wasser kann langsam versickern und wird gespeichert», sagt Weber. Wenn das Wasser danach bei trockenem Wetter verdunstet, wird die Luft gekühlt, was die Temperaturen in der Stadt mildert. 

Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

Zwischen den Bäumen des Lindenplatzes ist die Temperatur am Tag rund ein Grad kühler als in unmittelbarer Umgebung. Auf die 34 Grad folgt die Abkühlung auf 20 Grad in der Nacht. Gleich neben dem Lindenplatz verbleiben nachts 22 Grad.

Als weiteres Beispiel nennt Weber die Sanierung der Oskar-Bider-Strasse. Dort wurden sickerfähiges Festkies und Sickersteine verbaut, um Regenwasser aufzufangen. Durch das Aufbrechen des Trottoirs ist aus der einst versiegelten Fläche ein Platz mit Bäumen, Beeten und Bänkli entstanden. Diese Begrünung ist allerdings noch sehr jung, und Schatten fällt hier nur spärlich. Entsprechend erwärmt sich der Kiesbelag auf 48,6 Grad, und die Temperatur bewegt sich nur knapp unter derjenigen eines Asphaltbelags.

Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

Für ein angenehmes Verweilen im Pocket-Park am Ende der Oskar-Bider-Strasse braucht es noch ein bisschen Geduld, bis Bäume und Sträucher gewachsen sind. Die Strasse wurde mit der Sanierung schmäler gemacht, um Platz für Bäume zu schaffen.

Über eine asphaltierte Fläche laufen auch die zahlreichen ÖV-Nutzer beim Bahnhof Stettbach. Der grosse Platz zwischen Tramschiene und Bushaltestelle wird in der Sommerhitze zur Herdplatte, trotz grosszügiger Begrünung mittendrin. Am heissesten Tag der Woche klettert die Bodentemperatur des Belags auf fast 50 Grad, und die Luft darüber flimmert bei 37 Grad. Nur ein paar hundert Meter entfernt befindet sich die Stettbacher Allmend. Auf deren Wiesenoberfläche lässt es sich bedeutend angenehmer spazieren, sie weist gerade mal eine Temperatur von 30 Grad auf. Allerdings ist die Lufttemperatur hier nur marginal kühler.

Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

Trotz grüner Fläche mitten auf dem Platz wird der Bahnhofplatz in Stettbach 37 Grad heiss. Mit 22 Grad um 5 Uhr in der Früh kühlt die Luft vergleichsweise weniger ab als an anderen Orten.


Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

In kurzer Gehdistanz zum Bahnhof Stettbach hat die Allmend viel Grün zu bieten. Luft und Boden werden in der Nacht deutlich kälter als beim Bahnhofplatz.

Heiss wird es auch beim Stadthaus und auf dem Chilbiplatz. Es sind wichtige Orte für Veranstaltungen in Dübendorf. Der Chilbiplatz kann zumindest bei der Bodenbeschaffenheit einen Vorteil verbuchen. Dank seinen Kiesflächen ist der Platz 42,9 Grad warm – 4,6 Grad weniger als der grösstenteils versiegelte Stadthausplatz.

Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

Dank dem Schattenwurf des Gebäudes und der Begrünung am Rand des Platzes kann der Stadthausplatz im Sommer am Nachmittag angenehm sein. Noch erfrischender war der Ort, als noch ein Wasserspiel mit kleinen Fontänen den Platz zierte.

Es bestehe allerdings wenig Spielraum für eine Veränderung, sagt Andrea Weber: «Beim Stadthausplatz brauchen wir die freie befestigte Fläche.» Denn der Platz müsse noch Raum für Nutzungen wie den Wochenmarkt bieten. «Mehr Begrünung am Rand des Platzes ist jedoch denkbar.»

Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

Auf dem Chilbiplatz findet sich am Nachmittag kaum Schatten. Die Bodentemperatur halbiert sich in der Nacht auf 21,6 Grad.

Was die Beschaffenheit des Bodens ausmachen kann, zeigt sich exemplarisch beim Schulhaus Sonnenberg. Während sich der asphaltierte Pausenplatz und der rote Kunststoffbelag des Sportplatzes auf 52 beziehungsweise 50,5 Grad erwärmen, ist die Hitze beim Spielplatz sogar noch höllischer. Beim grünen Kunststoffbelag zeigt das Messgerät über 57 Grad an. Die Lufttemperatur ist über der roten und der grünen Fläche 36,3 Grad – ein halbes Grad kühler als über dem Pausenplatz.

Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

Der Kunststoffbelag des Sonnenberg-Spielplatzes wird mit 57 Grad aussergewöhnlich heiss. Verglichen dazu ist der Spielplatz Zelgli mit 44,7 Grad deutlich kühler, und auch die Lufttemperatur ist ein Grad tiefer.

Der starke Temperaturanstieg beim grünen Kunststoffbelag hat mit der niedrigen Wärmeleitfähigkeit des Materials zu tun. Die aufgenommene Energie bleibt an der Oberfläche konzentriert und dringt nicht wie beim Asphalt tiefer ein. Darum steigt die Oberflächentemperatur stärker an, kühlt aber auch schneller ab.

Verglichen dazu ist das Rasenfeld auf demselben Areal mit 31,5 Grad geradezu angenehm, auch die Luft ist über dem Gras mit 35,5 Grad kühler als über den anderen Flächen der Schule.

Kampf gegen Hitzeinseln

Hitzeinseln auf Schulhausarealen will Dübendorf aus der Welt schaffen. Andrea Weber sagt, dass bei Sanierungen oder Neubauten von Schulanlagen auch die Umgebung mehr begrünt werde. Dies sei etwa beim Schulhaus Högler geschehen, und beim Birchlen-Neubau würden Versiegelungen möglichst vermieden.

Deutlich angenehmer ist der Aufenthalt im Bettli-Park, der vor knapp zwei Jahren eingeweiht worden ist. Der Holzschnitzelbelag auf dem Spielplatz und die Kieswege bleiben mit 36,4 Grad gleich warm. Die stattlichen Bäume rundherum und auch die Glatt lassen die Lufttemperatur auf 33,5 Grad sinken, was immerhin 3,5 Grad weniger ist als beim Bahnhof Stettbach.     

Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

Im Bettli-Park ist der kühlende Effekt der Glatt spürbar. Zudem wirken die Bepflanzungen, der Kies- sowie der Holzschnitzelboden gegen die Hitze.

Der kühlende Effekt der Glatt verpufft allerdings relativ rasch. So herrschen auf dem Vorplatz der Oberen Mühle zwischen der Wirtschaft und dem Speicher 35,9 Grad. Immerhin kann der Pflastersteinbelag dank den durchlässigen Fugen die Bodentemperatur mit 41,5 Grad im Rahmen halten.

Kühle «Bergluft»

Neben dem Gewässer sind Kaltluftströme ein wichtiger Faktor. Weber erklärt: «Der Zürichberg sorgt in der Nacht für kühlere Luft in Dübendorf.» Bei der Entwicklung der Stadt werde darauf geachtet, denn: «Wenn alles verbaut ist, können die Winde nicht zirkulieren.»

Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

Pflastersteine statt vollständige Versiegelung: Die Temperatur bei der Oberen Mühle zeigt, dass Pflastersteine mit offenen Fugen durchaus einen Hitze mindernden Effekt haben.

Bei den Three-Point-Gebäuden im Hochbord sind auch die Abwinde der Hochhäuser sehr gut spürbar und machen die Hitze erträglicher. Und weil die Hochhäuser rundherum lange Schatten werfen, wärmt sich auch der Asphalt viel weniger auf als an vergleichbaren anderen Orten: Die Temperatur beträgt gerade mal 34,8 Grad. Andrea Weber kennt noch einen weiteren Faktor für die geringere Bodentemperatur: «Beim Three Point wurde extra ein heller Belag gewählt. Hellere Beläge heizen sich etwas weniger stark auf als dunkle.»

Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

Auf dem Vorplatz zwischen den Three-Point-Hochhäusern ist der Aufenthalt trotz viel verbauter Fläche angenehm. Dafür sorgen Abwinde und der Schattenwurf der Gebäude. Ausserdem befindet sich hinter dem Platz eine grosse grüne Fläche, die für mildere Temperaturen sorgt.

In den frühen Morgenstunden hat sich Dübendorf merklich abgekühlt. Bis zu 18 Grad Wärmeunterschied ist zwischen Tag und Nacht auszumachen. Für die Bevölkerung bieten die Morgenstunden Gelegenheit, um die frische Luft ins Haus zu lassen.

Temperaturmessungen in Dübendorf bei Tag und bei Nacht.

Zwischen dem Familiengarten Unterried und dem Chriesbach bleibt die Lufttemperatur dank dem Gewässer und vielen Bäumen tiefer. Vor allem in der Nacht kühlen die Luft über dem Kiesweg und der Boden frappant ab.

Vor Sonnenaufgang macht sich im Hochbord auch der kühle Luftzug vom Zürichberg deutlich bemerkbar. Doch die Luft ist mit 23,4 Grad knapp vor 5 Uhr immer noch warm. Weitaus niedriger sind die Temperaturen ein paar hundert Meter weiter in der Allmend Stettbach mit 19 Grad. Gleich kühl ist es im Bettli-Park und beim Familiengarten Unterried unmittelbar neben dem Chriesbach.

Auf Belagsflächen wie beim Bahnhof Stettbach (25,4 Grad) oder dem Pausenplatz vor dem Schulhaus Sonnenberg (23,9 Grad) bleibt viel Wärme gespeichert. Der grösste Unterschied von Tag und Nacht war auf dem grünen Kunstbelag des Spielplatzes Sonnenberg auszumachen: Hier kühlt der Boden von 57 auf 15 Grad ab.

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