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Altersinstitution setzt auf Innovation

Auf diesem Spielplatz in Maur kann man sich von einem Roboter bedienen lassen

Ein QR-Code, wenige Klicks - und Zoro rollt los. Ein Roboter vereinfacht den Alltag in und um die Zollinger Stiftung.

Stets zu Diensten: Dem Serviceroboter der Zollinger Stiftung ist kein Weg zu weit.

Foto: Karin Sigg

Auf diesem Spielplatz in Maur kann man sich von einem Roboter bedienen lassen

Zoro erweist den Bewohnern und Mitarbeitern der Maurmer Zollinger Stiftung schon seit einem Jahr treue Dienste. Nun erweitert der Roboter seine Missionen bis zur Parkanlage.

Es ist ein regnerischer Morgen auf der Forch. Der Spielplatz der Zollinger Stiftung ist entsprechend verwaist. «Während der Sommerferien war dieser Platz der Hotspot für Familien», erklärt Direktor Tobias Diener.

Der Spielplatz gehört zum grosszügigen, öffentlich begehbaren Park der Stiftung, die ein Pflegeheim, eine Residenz sowie eine Spitex betreibt. An Ostern wurde er nach einer aufwendigen Sanierung eröffnet. «Unser Park soll ein Begegnungsort für verschiedene Generationen sein», sagt Diener.

Ob Roboter Zoro auch mit ein Grund war, dass in den vergangenen Wochen so viele Familien den Weg auf den Spielplatz fanden? Denn seit Anfang Juli kann man Getränke, Glacen und Snacks mittels QR-Code von der Cafeteria bestellen. Und sich diese bequem vom Serviceroboter zum Spielplatz oder zur Lounge liefern lassen. «So können Eltern auch einen Kaffee geniessen, ohne dass sie ihre Kinder unbeaufsichtigt lassen müssen.»

Zwar sind wetterbedingt keine Eltern mit ihren Kindern vor Ort, die gerade eine Bestellung aufgeben oder die man nach ihren Erfahrungen befragen könnte. Doch wir erhalten trotzdem die Gelegenheit, Zoro – abgeleitet von «Zollinger Roboter» – in Aktion zu erleben.

Als es nicht ganz so stark regnet, demonstriert Martina Wehrli, wie der Roboter funktioniert. Die Leiterin Hotellerie und Infrastruktur kennt den digitalen Helfer wohl am besten, war sie doch massgeblich für seine Programmierung für den Aussenbereich verantwortlich.

Sie zückt das Handy, scannt den QR-Code auf der Anleitungstafel, und mit nur wenigen Klicks hat sie einen Kaffee und einen Energydrink bestellt. Und mithilfe von Twint auch direkt bezahlt. Die Mitarbeiter im Restaurant Gustav werden durch das Rattern des Druckers auf die Bestellung aufmerksam. Denn nach dem Absenden der Bestellung wird diese im Restaurant postwendend ausgedruckt.

Wenige Minuten später ist es schon so weit: Gemächlich und praktisch lautlos rollt der Roboter heran. Die leichte Neigung und die Kurven des Wegs scheinen ihm keine Probleme zu bereiten. Durch die Kameras vorne und hinten kann er auch Hindernissen, wie etwa Menschen, Stühlen oder grossen Steinen, ausweichen.

© Jessica Petz / ZO Medien

«Wir mussten etwas tüfteln, damit alle Snacks und Getränke an ihrem Platz bleiben und unversehrt beim Besteller ankommen», erzählt Wehrli. Aus Sicherheitsgründen verzichtet man etwa auf Glasflaschen oder Trinkgläser und setzt stattdessen auf Einweggeschirr. «In Spielplatznähe dürfen wir keine Verletzungsrisiken durch mögliche Scherben eingehen.»

Inzwischen hat Zoro den Spielplatz erreicht. Et voilà: Kaffee und Energydrink sind da. Der Kaffeebecher «to go» steht sicher in einer hübsch angefertigten Holzkiste. Mit Kaffeerahm und Zucker ausgestattet, wurde diese zur Kaffeebar umfunktioniert.

Nach der Auslieferung der Bestellung muss der Gast den Roboter wieder zurück in die Küche schicken. Dies funktioniert mit einer einzigen Berührung auf Zoros Bildschirm. Obschon dieser letzte Schritt auch in der Anleitung beschrieben wird, geht er manchmal vergessen. «Das ist aktuell noch eine kleine Knacknuss», erklärt Tobias Diener. Er und Martina Wehrli diskutieren gerade über Lösungsideen. «Wir könnten ihn nach einer gewissen Zeit kommunizieren lassen, dass er nach Hause geschickt werden soll», schlägt Wehrli vor.

Man sieht eine Anleitungstafel für die Bestellung beim Serviceroboter.
Ein kurzer Beschrieb erklärt den einfachen Ablauf. Trotzdem werde manchmal vergessen, den Roboter zurückzuschicken.

«Für viele Kinder – aber auch Erwachsene – ist es ein Highlight, von einem Roboter bedient zu werden», erklärt Diener schmunzelnd. Schon nach kürzester Zeit ist Zoro zum Star des Parks avanciert. «Unser Angebot hat voll eingeschlagen», freut sich der Direktor. Dies zeige sich auch bei den vermehrten Bestellungen.

Die Bewohner der Altersstiftung jedoch haben sich bereits an die Begegnungen mit dem lautlosen Butler gewöhnt. Denn schon seit einem Jahr greift er auch den Mitarbeitenden in Küche und Restaurant unter die Arme.

«Er transportiert Tabletts mit schmutzigem Geschirr in die Küche, bringt Nachschub für das Salatbuffet oder bestellte Glace-Coupes ins ‹Gustav›», zählt Diener einige der Arbeiten auf. Dadurch sollen Abläufe vereinfacht und die langen Wege zwischen Küche und Restaurant verkürzt werden. «So haben unsere Mitarbeitenden mehr Zeit für persönliche Begegnungen mit unseren Bewohnern und Gästen.»

Damit stellt der Direktor auch klar, dass mit der Anschaffung eines Serviceroboters menschliche Ressourcen durch Technik ergänzt und nicht ersetzt werden sollen. Der Roboter ist entsprechend viel mehr als eine technische Spielerei. «Obschon ich eingestehen muss, dass ich sehr technikaffin bin.»

Erweiterung ist geplant

Bereits sinnieren Martina Wehrli und Tobias Diener darüber, wie das Einsatzgebiet von Zoro erweitert werden kann. «Der nächste Schritt ist, ihn mit dem Lift- und dem Türsystem zu verheiraten», verrät Diener. Damit könnte den Mietern der Alterswohnungen Zimmerservice angeboten werden, ohne dass Mitarbeitende dafür eingesetzt werden müssen.

Man sieht den Eingang der Zollinger Stiftung.
Bei der Zollinger Stiftung beschreitet man innovative Wege, um die Abläufe im Alltag zu vereinfachen.

Auch bei den betagten Menschen der Institution erfreut sich Zoro inzwischen einer breiten Akzeptanz. «Sicher gab es zu Beginn einige Skepsis», räumt Wehrli ein. Diese sei allerdings nach wenigen Tagen verflogen. «Weil durch seine Unterstützung der zwischenmenschliche Austausch eher zu- als abnimmt.»

Und wenn in Zukunft Botengänge durch den Serviceroboter auf allen Etagen der Institution möglich sind, wird Zoro wohl noch mehr Anhänger finden. «Dann könnte man sich frühmorgens frische Gipfeli von unserer Bäckerei direkt in die Alterswohnung liefern lassen», kündigt Martina Wehrli an. Für Zoro scheint kaum eine Mission unmöglich zu sein.

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