Lego-Ausstellung in Uster führt eine stille Stunde ein
Zum dritten Mal findet in Uster die Brixpo statt – neu mit einer stillen Stunde, damit auch auf Reize sensitiv reagierende Menschen die Brixpo geniessen können.
Schon längst ist Lego nicht mehr nur ein Spielspass für Kinder – der Klemmbaustein-Gigant bereitet Gross und Klein Freude. Eine Freude, die man offenbar gerne teilt.
Deshalb hält die Brixpo bereits zum dritten Mal Einzug auf dem Ustermer Zeughausareal und lockt am Wochenende jeweils 4000 bis 6000 Besucherinnen und Besucher an.
Wie gewöhnlich können sie sich während zweier Tage am 23. und 24. August umschauen, austauschen, inspirieren lassen und kaufen: prinzipiell alles, was es eben rund um die kleinen Bausteine braucht.
Dieses Jahr neu ist, dass die Veranstaltung eine weitere Anspruchsgruppe inkludiert. Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) oder grundsätzlich alle, die sensibel auf Sinnesreize reagieren, wie beispielsweise Menschen mit ADHS, Angststörungen oder sensorischen Überempfindlichkeiten. Für sie öffnen sich die Türen der Brixpo am Sonntag nämlich bereits eine Stunde früher, also um 9 Uhr.
Kleiner Aufwand, grosse Auswirkung
Ziel ist es, während der stillen Stunde auch diesen Menschen die Möglichkeit zu geben, den Event rund um die Kultbausteine in aller Ruhe und ohne zusätzliche Reize zu geniessen. Also ohne überflüssige Reize wie Musik, laute Gespräche oder wechselndes Licht.
«Wir sind dieses Jahr an einem anderen Event angefragt worden, ob wir nicht eine Stunde früher für Menschen mit ASS oder anderen besonderen Bedürfnissen öffnen können», erklärt Michael Strasser, Präsident des Vereins Brixpo. Das habe man kurzfristig umgesetzt – und wahnsinnig gutes Feedback erhalten.
Umso mehr wolle man diese Zielgruppe nun auch in Uster einschliessen und so den Event für alle zugänglich machen. «Wir stellen diese Extrastunde gerne zur Verfügung. Es ist ein kleiner Aufwand mit grosser Auswirkung.»
Klare Strukturen und Regeln
«Viele Kinder und Erwachsene auf dem Autismus-Spektrum zeigen eine besondere Begeisterung für Lego», erklärt Regula Buehler, Geschäftsleiterin Autismus Schweiz. Dies lasse sich durch die speziellen Stärken von Personen im Autismus-Spektrum und auch ihre sensorischen Vorlieben erklären.
«Lego erfordert räumliches Denken, Mustererkennung und Präzision – Fähigkeiten, die bei vielen Menschen auf dem Autismus-Spektrum besonders ausgeprägt sind. Neben dem Bauen nach Anleitung bietet Lego auch die Möglichkeit, eigene Welten zu erschaffen, was ihrer Kreativität entgegenkommt.»
Dass für Menschen mit besonderen Bedürfnissen eine stille Stunde sehr wertvoll sein kann, erklärt sich für Buehler leicht: «Sie reagieren oft empfindlich auf Lärm, Menschenmengen und visuelle Reizüberflutung.»
Stille Stunden schaffen eine reizärmere Umgebung, die entspannteres Erkunden ermöglicht. Viele meiden unangepasst organisierte Veranstaltungen – durch stille Stunden können sie aktiv daran teilnehmen. Dies stärke Selbstwirksamkeit und das Gefühl dazuzugehören.
Unterstützung bei unsichtbaren Behinderungen
Solche Angebote sind immer mehr im Kommen – so gibt es in 13 Spar-Filialen eine stille Stunde, oder auch im Technorama in Winterthur hat es bereits eine Veranstaltung gegeben, die entsprechend ausgelegt war.
Dennoch steckt das Angebot in der Schweiz nach wie vor in den Kinderschuhen. «Die Einführung und die Verbreitung von Sunflower Lanyard, einem sichtbaren Zeichen für unsichtbare Behinderungen, sind ein vielversprechender Schritt in Richtung mehr Verständnis», so Buehler.
Das Sonnenblumensymbol wurde im Juni dieses Jahrs von den SBB und Autismus Schweiz auch in der Schweiz etabliert.

Wer dieses Symbol kenne, könne gezielt Rücksicht nehmen und Unterstützung anbieten. «Inklusion zeigt sich dort, wo Vielfalt als Stärke gesehen und Rücksichtnahme aktiv gelebt wird.»
Das heisst: Räume, Angebote und Begegnungen werden so gestaltet, dass niemand ausgeschlossen wird. Ob in der Schule, am Arbeitsplatz, beim Einkaufen oder bei Veranstaltungen. Das erleichtere die Zugänglichkeit nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene mit besonderen Bedürfnissen.
«Umso schöner, dass die Brixpo in Uster ein solches Angebot ermöglicht, damit auch Menschen auf dem Autismus-Spektrum ihrer Leidenschaft für Lego an einer öffentlichen Veranstaltung nachgehen können», sagt Regula Buehler.
Eine Welt voller Möglichkeiten
Leidenschaft ist das Stichwort – denn das Faible für die kleinen, bunten Steine führte überhaupt erst dazu, dass Michael Strasser und seine Kollegen den Verein Brixpo gründeten.
Den Reiz an Lego und einer Veranstaltung rund um den Klemmbaustein sieht Strasser vor allem in der endlosen Möglichkeit an Kreativität: «Mit Lego kannst du dir die Welt so bauen, wie du willst. Sie wären überrascht, wie kreativ und aussergewöhnlich manche Konstruktionen sind, die hier ausgestellt werden.»
Es schwingt Freude mit, wenn er vom bevorstehenden Event spricht. «Und das ist doch der Punkt. Wir kommen an dem Wochenende zusammen, um nicht nur Freude zu haben, sondern diese auch zu teilen. Manchmal laut, aber für eine Stunde dann eben auch leise.»
Zusammen bauen, schauen und tauschen an der Brixpo in Uster
Die Ausstellung findet am Samstag, 23., und Sonntag, 24. August, auf dem Zeughausareal in Uster statt. Geöffnet ist die interaktive Messe am Samstag von 10 bis 20 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr.
Die stille Stunde findet am Sonntag von 9 bis 10 Uhr statt. Eine spezielle Anmeldung dafür ist nicht nötig. Diese Extrastunde ist Menschen mit besonderen Bedürfnissen und deren Angehörigen vorbehalten.
Tickets für Samstag, Sonntag sowie die stille Stunde sind sowohl online über brixpo.ch als auch an der Tageskasse erhältlich. Einzelpersonen bezahlen 12 Franken, es sind aber auch Familientickets für Eltern mit Kindern oder Grosseltern mit Enkeln für 22 Franken verfügbar.
