150 Grad unter den Füssen – diese Arbeiter in Egg schwitzen ohne Murren
Müssten hiesige Strassenarbeiter eine Bilanz ziehen, so würden sie den Sommer bislang wohl eher als kalt denn als heiss einstufen. Diese Woche kamen Strassenarbeiter bei Egg allerdings nochmals gehörig ins Schwitzen – Kühlwesten hin oder her.
Im August verschiesst der Sommer sein letztes Pulver – und bringt mit voller Wucht zurück, was er in den vergangenen Wochen zurückgehalten hat. Am Mittwoch stiegen die Temperaturen auf Höchstwerte, vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr.
Diese Witterungslage bedeutet trotz Mitleid, das man für Strassenarbeiter empfinden kann, ideale Bedingungen für Belagsarbeiten. Am Mittwochvormittag war für sieben der rund 40 Mitarbeitenden der fast ausschliesslich im Oberland tätigen Inauen Strassenbau AG aus Uster Schwitzen angesagt.

Schon im letzten Herbst hatte man in Egg die Werkleitungen der Vollikerstrasse erneuert und eine neun Zentimeter starke Tragschicht eingebaut. Nun folgte mit dem drei Zentimeter dicken Deckbelag der letzte Schliff – ein Arbeitsschritt, der erst bei ausreichend hohen Temperaturen ausgeführt werden kann.
Denn Deckbeläge benötigen eine Bodentemperatur von mindestens 15 Grad. Bei gemessenen 34 Grad im Schatten waren die Bedingungen also eher übererfüllt.
Monatliche Schulung und neue Kühlwesten
Dass die Arbeiter im Hochsommer auf sich und ihre Arbeitskollegen achten, ist nichts Neues. Dennoch hat sich in den letzten Jahren in Sachen Hitze und UV-Schutz einiges getan. So sind seit zwei Jahren im Juni und Juli Nackenschutz und Schirmblende als Hut oder für den Helm Pflicht. Im August gilt die Pflicht merkwürdigerweise nicht. Der Grund? Dieser ist selbst den Arbeitern nicht bekannt …
Baumeisterverband will frühere Arbeitszeiten
Die Arbeitgebenden haben eine gesetzliche Pflicht, ihre Mitarbeitenden vor den Einwirkungen von Hitze und UV-Strahlen zu schützen. Die Arbeitnehmenden dagegen stehen in der Pflicht, diese Massnahmen einzuhalten. «Bauherrschaften und Projektverfassende tragen ebenso eine Mitverantwortung», sagt Fabian Buff, Präsident des Baumeisterverbands Zürcher Oberland und Geschäftsführer der Bauunternehmung Künzli AG in Gossau.
Diese können bei Hitze Massnahmen einplanen und ausschreiben. «Ebenso sollte es selbstverständlich sein, dass bei Arbeitsunterbrüchen oder Verlangsamungen die terminlichen Fristen ohne Nachteile verlängert werden.» Fristerstreckungen bei wetterbedingten Risiken, ob bei Hitze oder Kälte, würden jedoch oft in den Werkverträgen vertraglich ausgeschlossen oder eingeschränkt. «Die Unternehmen werden mit Konventionalstrafen belegt, das darf nicht sein», findet Buff.
Er ergänzt sogar: «Dazu könnten die Gemeinden oder Kantone festlegen, dass in den Sommermonaten bereits vor 7 Uhr mit der Arbeit begonnen und über den Mittag gearbeitet werden kann.» Dies würde derzeit gegen die gängigen Polizei- und Lärmschutzverordnungen verstossen. «Dafür könnten die Mitarbeitenden ihren Nachmittag in der Badi geniessen.»
Derzeit testet die Inauen Strassenbau AG für ihre Mitarbeiter drei verschiedene Modelle von Kühlwesten mit integrierten Kühlpads. «Es ist erst ein Versuch, wir werden in dieser heissen Phase testen, welche Westen sich am besten eignen», sagt Fabian Metzler, Mitglied der Geschäftsleitung. Die Firma wird sich gemeinsam mit dem Team für ein Modell entscheiden und den «Testsieger» ab 2026 einsetzen.



Allerdings finden in der Firma schon längst monatliche Schulungen zu Themen statt, die saisonal relevant sind. «Es ist wichtig, dass die Arbeiter einander gegenseitig darauf hinweisen, immer wieder einen Schluck Wasser zu trinken.» Gleiches gilt für Pausen im Schatten und regelmässiges Auftragen von Sonnencreme.
Ein Arbeiter zeigt sich begeistert über den Test mit den Kühlwesten, relativiert jedoch zugleich: «Der Asphalt kommt mit 140 bis 150 Grad geliefert und wird vor unsere Füsse gestreut, da ist die Wirkung der Westen doch relativ gering.» Geschwitzt habe er an diesem Tag ohnehin schon auf dem Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad. «Man passt sich eben an», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Dafür haben er und seine Kollegen für den Alltag vorgesorgt und einen Lieferwagen kurzerhand zu einem Mannschaftswagen umgebaut, worin sie jederzeit Zugriff auf Dutzende Sixpacks mit Wasserflaschen und einen grossen Kühlschrank mit gesundem und leichtem Essen für sommerliche Temperaturen haben. Dazu gibt es Extras wie eine Toilette oder eine Kochplatte.
Keine Mittagspause
Die Arbeiten auf dem rund 100 Meter langen Strassenabschnitt zwischen alten Bauernhäusern dauern insgesamt vier Stunden und beginnen um 10 Uhr. Auf eine klassische Mittagspause verzichten die Arbeiter bewusst, um eine einwandfreie Einbauqualität zu garantieren und auch etwas früher Feierabend machen zu können. «Es ist so heiss, da haben wir in den Morgenstunden ein paar leichte Sandwiches verdrückt, das reicht», meint ein Mitarbeiter.
Dampfender Asphalt, digitale Kontrolle
Um eine Vorstellung von den Asphaltmassen zu bekommen, die allein für diese Deckschicht verbaut werden: Ein Kubikmeter Asphalt wiegt 2,4 Tonnen. Eine Lastwagenladung (Thermomulde) wiegt rund 16 Tonnen, für den Abschnitt an der Vollikerstrasse werden rund 60 Tonnen eingebaut.
Die Belagsfertigungsmaschine, die den Asphalt millimetergenau auf die Strasse verteilt, bevor die Walze den Rest erledigt, schafft 2,5 Meter pro Minute. Nebenbei sind die Arbeiter rundum beschäftigt, kleinere Korrekturen mit sogenannten Asphaltbesen zur erledigen. Sie achten dabei auf Dehnungsausgleiche an Rändern oder an Schächten.



Wie viel Schweiss dabei fliesst – vom Polier über den Maschinenführer bis zum Belagsarbeiter – bleibt offen. Klar ist: Die Abläufe sind minutiös getaktet. «Wir müssen darauf achten, dass der Asphalt trotz Hitze nicht zu schnell abkühlt», erklärt Metzler. Für die perfekte Verdichtung brauchen die Walzen eine Asphalttemperatur von rund 100 Grad, denn sonst leidet die Qualität.
Um über die Temperaturen Bescheid zu wissen, werden nicht etwa manuell Thermometer benutzt. Die Arbeiter können auf die «Kommunikation» zwischen der Belagsfertigungsmaschine und den Walzen zählen. Erstere übermittelt die genauen Temperaturangaben an die Walzen.

Was während der Arbeiten neben dem frisch gewalzten Asphalt noch deutlich mehr in der Sonne glänzt, sind die rasierten und braun gebrannten Waden der Arbeiter. «Der Grund für die glatt rasierten Beine ist nicht etwa Eitelkeit, denn das Bitumen in Verbindung mit der Hitze verklebt die Haare so stark, dass sie kaum noch zu reinigen sind», erklärt Metzler etwas verschmitzt.
