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Ein vielseitiges Hobby

Von wegen «Würmli baden» – Junge haben das Fischen für sich entdeckt

Mit 20 Jahren fing Cedric Steinmann an zu angeln. Das ist nun schon 15 Jahre her. Doch das Fischen findet immer mehr Anklang - vor allem bei jungen Menschen.

Ein Naturtalent: Cedric Steinmann hat bereits nach zehn Minuten seinen ersten Egli am Haken.

Foto: Marie Fredericq

Von wegen «Würmli baden» – Junge haben das Fischen für sich entdeckt

Kein Altmännersport, sondern ein Hobby für alle: Das Angeln erreicht immer mehr junge Begeisterte. Auch am Greifensee bemerkt man diese Veränderung.

Wer sich einen Fischer vorstellt, landet gedanklich schnell bei einem alten Mann, der stundenlang seine Rute ins Wasser hält, ab und zu an seinem weissen Bart zupft oder eine Zigarre raucht – getreu dem Bestseller «Der alte Mann und das Meer» von Ernest Hemingway.

Doch Angeln ist schon längst nicht mehr nur ein Zeitvertreib für Menschen höheren Alters. Vielmehr erfährt der Sport einen regelrechten Aufschwung: Auch am Greifensee tummeln sich Hobbyfischer, die vermehrt schon in jungen Jahren ihre Leidenschaft fürs Angeln entdecken.

In den hiesigen Vereinen merkt man davon nur teilweise etwas – zum Leidwesen der Vereinslandschaft.

Zwischen Angelsport und Naturschutz

Auch Cedric Steinmann ist leidenschaftlicher Fischer. Der 35-Jährige ist zwar kein Jugendlicher mehr, aber dafür schon fast ein Urgestein auf dem Wasser: Bereits seit 15 Jahren geht er dem Angelsport nach, hat seit sieben Jahren mit einem Freund ein Ruderboot auf dem Greifensee und verbringt hier jede freie Minute.

«Das Fischen ist für mich ein guter Ausgleich zum Job, sorgt für Entspannung und jede Menge schöner Momente», so Steinmann.

Wenn er nicht auf dem Wasser ist, arbeitet der Winterthurer als Sozialarbeiter. «Da geht es oft drunter und drüber. Beim Angeln kann ich den Kopf lüften, bin am Puls der Natur», erzählt Steinmann.

Hechte, Egli, Rotaugen, Felchen: Hunderte Fische hat der 35-Jährige über die Jahre schon aus dem See gezogen. «Wenn etwas anbeisst, ist das einfach ein Erfolgsgefühl – da geht ‹die Pumpe› schon etwas schneller», erzählt Steinmann begeistert.

Es sei schön, die Natur zu beobachten, Hypothesen zum Verhalten der Fische zu erstellen und entsprechend den Köder und die Methode zu wählen. Dabei ist es ihm sehr wichtig, eine gute Balance zwischen Angelsport und Naturschutz beizubehalten.

Und da sehe er alle Fischerinnen und Fischer in der Verantwortung, nicht wahllos für Trophäen den See auszunehmen. «Ich hoffe, dass sich das vor allem auch die jungen und unerfahrenen Fischer zu Herzen nehmen», so Steinmann.

Fangerträge in den Oberländer Seen

Trotz dem offensichtlichen Interesse an der Fischerei, gerade bei jungen Menschen, widerspiegelt sich der Trend nicht in den Fangzahlen 2024.

Der Gesamtfang im Greifensee betrug vergangenes Jahr 10,6 Tonnen – 19 Prozent weniger als im Vorjahr und ganze 28 Prozent weniger im Vergleich zum Zehnjahresdurchschnitt. Damit ist das Jahr 2024 in Bezug auf den Fangertrag das niedrigste seit den 1980er Jahren, wie es im Jahresbericht Fischerei des Amts für Landschaft und Natur Kanton Zürich steht. Dies sei vor allem auf die reduzierte Aktivität des Berufsfischers zurückzuführen.

Würden nur die Erträge der Sportfischerei verglichen, seien die Zahlen seit den 2000er Jahren stabil. Im Fischvergleich sank der Ertrag vor allem bei den Egli um ganze 49 Prozent, Felchen hingegen wurden 44 Prozent mehr aus dem Greifensee gefischt.

Auch der Pfäffikersee verzeichnet einen Ertragsverlust: Ganze 36 Prozent weniger Fische wurden 2024 im Vergleich zum Vorjahr aus dem See geholt. Auch hier führt der Jahresbericht auf, dass der Rückgang auf die Aktivität des Berufsfischers respektive die geringeren Laichfischfänge zurückzuführen ist.

Auch aufgrund des Wetters seien die Fangerträge 2024 eher unterdurchschnittlich.

Ein modernes Hobby

«Das Interesse an der Fischereiausbildung ist gross, gerade auch bei jungen Menschen. Das hängt möglicherweise auch mit Themen wie Nachhaltigkeit und Selbstversorgung zusammen», sagt Lukas Bammatter, Co-Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich. Diese Tendenz sehe er nicht nur in der Fischerei, sondern auch bei der Jagd: «Die Leute wollen wissen, wo ihr Essen herkommt. Auch aus urbanen Gebieten absolvieren immer mehr die Ausbildung.»

Einen Anstieg am Interesse der Fischerei sieht Marco Riget, Präsident des Freien Fischervereins Greifensee-Schwerzenbach, ebenfalls. «Seit diesem Jahr haben wir einen regelrechten Boom bei den Jungfischern, die dem Verein beitreten.»

Das führt er auf die Angebote zurück, die der Verein spezifisch für Jugendliche offeriert. Ausserdem seien sie auf den sozialen Medien vertreten, was ebenfalls Aufmerksamkeit bei jungen Leuten generiere.

Aber schon seit der Corona-Pandemie sei ihm aufgefallen, dass das Angeln vor allem bei jungen Menschen an Gefallen gewinne. «Angeln ist mittlerweile technologisch modern, das zieht junge Leute an. Ausserdem ist es ein Hobby, das sich günstig ausführen lässt», so Riget.

Wichtige Erfahrungen teilen

Es freut ihn, dass es Nachzügler gibt. Das sichere die Zukunft des Vereins – auch wenn bei Weitem nicht alle Interessierten beiträten. «Heute ist man nicht mehr so auf einen Verein angewiesen, was schade ist.»

Dabei wäre das die optimale Möglichkeit, um von routinierten Fischern zu lernen. «Es ist wichtig, dass die Jungen von der Erfahrung anderer profitieren.»

Es gebe wohl einen Grund dafür, dass man einen Sachkundenachweis brauche – doch nicht alle seien so regeltreu. «Es gibt immer Abweichler – das ist aber altersunabhängig.» Probleme seien dort der richtige Umgang mit den Tieren, aber auch vermehrter Abfall um den See.

Bindungsängste im Vereinswesen?

Von einem Anstieg an Jungfischern spürt Marcel Gartmann, Präsident des Sportfischervereins am Greifensee Uster, derweil nichts. «Im Verein haben wir auf jeden Fall keinen Ansturm, und wenn, dann melden sich eher Menschen im mittleren Alter», sagt er.

Das müsse jedoch nicht heissen, dass das Angeln keinen Anklang bei jungen Leuten finde. Vielmehr ist er überzeugt, dass sich diese nicht in Vereinen binden wollen. «Dabei wäre es wichtig, dass sich auch junge Menschen engagieren, um einen kommunalen Beitrag zu leisten», so Gartmann.

Natur, Technik, Nervenkitzel, Ruhe

Auch Cedric Steinmann ist nicht in einem Verein. Dennoch sei ihm aufgefallen, dass besonders seit der Pandemie vermehrt junge Menschen um den Greifensee fischten. «Das war vor 15 Jahren noch nicht so», sagt er.

Es freut ihn, dass seine Leidenschaft auch bei anderen Anklang findet und das Fischen für junge Leute attraktiv ist. So habe auch er schon mehrfach mit seinen Jugendlichen von der Arbeit Angelausflüge gemacht. Beim Fischen habe man einfach alles: Natur, Technik, Nervenkitzel, Ruhe.

«Ich glaube, junge Leute gehen viel umsichtiger mit ihrer Psyche um und suchen sich dementsprechend Hobbys und Beschäftigungen, die ihnen nicht nur Spass machen, sondern auch guttun.» Gleichzeitig sei das Angeln sowohl allein als auch in der Gruppe ein Spass. «Es ist, entgegen der alten Vorstellung von stundenlangem Rumsitzen, ziemlich vielseitig.»

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