Regen sorgt für drittschlechteste Open-Air-Kinosaison in Uster
Programmanpassung zum Abschluss
Über zwei Wochen Regenwetter haben die Zuschauer verscheucht. Nun hoffen die Betreiber des Open-Air-Kinos in Uster auf die Rückkehr des Sommers zum Saisonende.
Mittwochabend, 6. August, gezeigt wird «Friedas Fall»: Es ist der erste trockene und halbwegs «warme» Abend nach einer gefühlten Ewigkeit im Ustermer Buchholz. Diese Ewigkeit dauerte zwar «nur» zwei Wochen. Doch das nasse und kühle Wetter bedeutete für Christoph Jost, dass nur wenige Leute ins Open-Air-Kino kommen.
«Das ist bisher unsere drittschlechteste Saison», erklärt der 70-jährige Walder. Das will etwas heissen. Immerhin ist es schon der 27. «Sommer», in welchem er dieses Kinoangebot unter freiem Himmel betreibt. Und mitgezählt sind dabei auch die beiden Corona-Jahre.
Die meisten Plätze blieben leer
Nur gerade die ersten drei Abende Mitte Juli waren von den Besucherzahlen her gut. Eigentlich verfügt Jost über 900 Sitzplätze. Die ganze Organisation ist auf durchschnittlich 400 bis 500 Besucher ausgelegt. Diese Zahl hat seine Partnerin Claudia Wanner, die den Ticketverkauf führt, diese Saison allerdings erst zweimal verbuchen können.

An den schlechtesten Abenden kamen gerade einmal 30 oder 40 Leute ins Buchholz. Dann waren auch nur drei Organisatoren vor Ort. Sonst braucht es mindestens acht Leute für den Betrieb. Denn Jost verkauft nicht nur Getränke, sondern bietet neben Raclette, Würsten und Kuchen jeweils auch ein Menü an.
Komödie statt schwere Kost zum Schluss
Nun hofft Jost darauf, dass wenigstens an den letzten der insgesamt 31 Vorführungen das Wetter stimmt und die Leute kommen. Auf dem Programm stehen noch einige vielversprechende Filme. Gezeigt wird zum zweiten Mal «Typisch Emil». Auch Emil und Niccel Steinberger werden nochmals persönlich ins Buchholz kommen. «Ich hätte mir schon am ersten Auftritt ein grösseres Publikum für Emil gewünscht als die 200 Personen, die dann wirklich kamen», meint Jost.


Der ehemalige Maître de Cabine der Balair freut sich darauf, dass die neue Komödie von Michael «Bully» Herbig, «Das Kanu des Manitu», im Buchholz oben gleich zweimal zu sehen sein wird. Diese Fortsetzung der Erfolgskomödie «Der Schuh des Manitu» aus dem Jahr 2001 hat seine Premiere in einer Woche. Nun kann Jost den Film nicht nur am 16. August, sondern gleich auch noch am folgenden und letzten Tag dieser Saison zeigen.
Eigentlich wäre ursprünglich die Dokumentation «Wisdom of Happiness» angesetzt gewesen. Doch diese filmische Begegnung mit dem Dalai Lama ist eher schwere Kost. «Ich möchte zum Abschluss der Saison, dass die Besucher mit einem Lächeln das Kino verlassen», meint Jost. Das sei mit der Komödie garantiert.
Neue Filme mit Überlängen
Ob Jost den ganzen Spielfilm sehen wird, ist trotz der zweimaligen Vorführung allerdings fraglich. Normalerweise muss er während des ersten Teils der Filme die Küche aufräumen. Erst nach der Pause hat er Gelegenheit, auf die 70 Quadratmeter grosse Leinwand zu schauen: «Ich kenne alle Filmenden», meint er mit einem Schmunzeln. Ein Schluss, den er nicht verpassen dürfe, sei jener von «Bohemian Rhapsody» gewesen. Das biografische Filmdrama zeigt das Leben und Sterben des Queen-Sängers Freddie Mercury.

Seine Begeisterung für dieses Drama kann dessen Länge nicht schmälern. Obwohl seine Kritik an neueren Filmen gerade deren Dauer anbelangt. «Die neueren Filme sind einfach zu lange», meint Jost. Nur wenige Streifen würden eine Länge von mehr als zwei Stunden rechtfertigen. «Bei ‹F1› mit Brad Pitt könnte ohne inhaltlichen Verlust auf zwei Rennszenen verzichtet werden.»
Diesbezüglich wird die jüngste Fortsetzung der «Mission Impossible»-Serie für den Filmenthusiasten zu einer Durchhalteübung. Mit einer Filmdauer von drei Stunden dauert der Filmabend plus Pause und Werbung dann dreieinhalb Stunden – der Abspann läuft erst am nächsten Tag. «Da werden auch für mich die Arbeitstage sehr lang», meint Jost. Normalerweise geht er gegen 14 Uhr zum Einkaufen fürs Abendessen und ist dann gegen 1 Uhr nachts wieder daheim, nachdem das ganze Areal aufgeräumt ist.
Auch mit der Tour de Suisse unterwegs
Trotz der langen Einsätze gefällt ihm die Beschäftigung als Kinobetreiber und Koch. «Solange meine Gesundheit mitmacht, möchte ich das fortsetzen.» Einen langen Schnauf und viel Flexibilität verlangt auch seine zweite «Freizeit-Beschäftigung». So ist er jeweils mit der Tour de Suisse unterwegs. Dort ist er für das Catering der VIP-Gäste mitverantwortlich. «Auf diesen Touren lerne ich die Schweiz wirklich kennen», schwärmt Jost.
Nun allerdings wünscht er sich vor allem noch stabiles Schönwetter zum Abschluss der Kino-Tour. Und etwas mehr Anerkennung für diesen Grossevent vonseiten der Stadt Uster. «Leider gilt das Kino-Open-Air hier nicht als Kultur», meint Jost. Mit weniger Bürokratie und mehr Werbemöglichkeiten wäre ihm schon geholfen. Ausser das Wetter mache ihm dann nicht wieder einen Strich durch die Rechnung.