«Wahnsinn» – die Tour de Suisse rollte durch das Tösstal
Im Eiltempo vorbei am Schneckenkreisel
Dutzende Zuschauer jubelten den Velorennfahrern in Kollbrunn zu. Den Kreisel meisterten diese problemlos. Dafür kam es kurz vorher zu einem Sturz.
«Jetzt sind sie in Turbenthal», sagt ein Zuschauer mit Blick auf sein Handy. Die Spannung steigt, eine Schulklasse bejubelt hupende Töffs und Einsatzfahrzeuge.
Keine Geduld haben hingegen diverse Autofahrer auf der Tösstalstrasse, die schon länger von einem Feuerwehrmann gestaut werden. Immer wieder wird auch dort gehupt, bis Rudolf Mohr, ein Zuschauer, die Kolonne abschreitet und den Autofahrern ruhig erklärt, dass hier bald ein grosses Sportereignis stattfinden wird: Die Tour de Suisse mit fast 170 Fahrern rast gerade auf Kollbrunn zu. «Nur einer der wartenden Autofahrer reagierte richtig hässig», erzählt Mohr mit einem Lachen, als er wieder zurück ist.

Beim Zeller Schneckenkreisel treffen immer mehr Leute ein, bis die Strasse bunt gesäumt ist. Einer der Zuschauer ist Christoph Ott aus Seuzach, der mit dem Velo angeradelt ist. Der Schneckenkreisel und die Abzweigung Richtung Weisslingen seien der ideale Ort, um die Tour zu sehen, sagt er. «Hier müssen alle stark abbremsen.» Die Baustelle auf der Tössbrücke mache die Situation zusätzlich knifflig und eng.

Drei Radsportfans aus Aadorf TG sehen es genau gleich. Sie seien ebenfalls hier, weil dieser Abschnitt spektakulär sei. Alle drücken den Schweizer Fahrern die Daumen, Stefan Küng oder Stefan Bissegger werden genannt. Erfreutes Gerede unter den Zuschauern, als ein Fahrzeug mit Lautsprecher verkündet, dass zwei Schweizer in der Spitzengruppe mit dabei sind.

Dann eine Meldung im Ticker auf dem Handy: Kurz vor Kollbrunn kam es mitten im Feld zu einem Sturz. Beide involvierten Fahrer konnten das Rennen aber fortsetzen.
Bald fahren sie durch Kollbrunn, wo zwei Grossmütter mit ihren Enkelkindern das Spektakel geniessen. Beeindruckt sind sie von der reibungslosen Organisation. Genauso wie die Schwestern Ruth Disch und Frieda Büchi, die vor allem wegen der Atmosphäre hier sind. «Schön, wie die Schüler Freude haben», sagt Frieda Büchi. Sie ist die Mutter von Radsportler Hans-Ruedi Büchi, der einst bei der Tour mitfuhr.

Kurz bevor der Tross auftaucht, sausen diverse Einsatzfahrzeuge vor und sperren alles ab. «Wahnsinn, wie die Teamautos um die Kurve sausen», sagt jemand, ein anderer ergänzt: «Und wie viel Geld in Form von Fahrrädern die auf ihren Dächern haben.»
Dann grosser Jubel: Die Spitzengruppe zischt vorbei, in wenigen Sekunden ist es vorbei. Wenige Minuten später folgt das Hauptfeld, das die heikle Passage aber problemlos bewältigt. Einige Teamautos, die teils mit quietschenden Reifen abgebogen sind, schienen mehr Probleme mit der engen Kurve zu haben.
Gewonnen hat die Etappe nach Regensdorf übrigens Bryan Coquard aus Frankreich. Zweiter in der Bergwertung ist nach dieser Etappe der Schweizer Luca Jenni.