Diese Jungs aus dem Tösstal bauen ein Love-Mobile für die Street Parade
35’000 Franken für eine Party
Wie drei Freunde im Zürcher Oberland ein eigenes Love-Mobile für die Street Parade bestücken – mit Herzblut, Handwerk und 30 Tonnen Material.
Der Lastwagen steht in einer gemieteten Halle in Saland, ein Gerüst ziert die Ladefläche, überall schlängeln sich Kabel über den Boden. «Es ist schon ein Riesen-Viech. Auf der Visualisierung hat unser Love-Mobile viel kleiner ausgesehen», sagt Dimitri Zwahlen und schmunzelt.
Der 25-Jährige aus Steg hat zusammen mit seinen Freunden Mike Anliker und Benjamin Klingenberg eine ganze Woche Ferien für den Aufbau des Wagens geopfert. Gemeinsam haben sie dafür ein Kollektiv gegründet: die BPM-Events.
Aus den Boxen wummern House Beats. Noch kommt der Sound nicht aus den richtigen Lautsprechern – die werden gerade von den Kollegen aufgehängt.
Eine Materialschlacht am Truck
«Wir verbauen hier 30 Tonnen», erzählt Zwahlen. Neun Leute werkeln an diesem Donnerstagmorgen am Truck. Die Zeit drängt: Am Samstagmorgen um Punkt 6 Uhr muss das Love-Mobile abfahrbereit sein – Richtung Zürich, Richtung Street Parade.
Vieles steht noch offen: Die Bar fehlt, auch von der Deko ist bislang wenig zu sehen. Doch der Boden für die tanzbare Plattform ist bereit.





«Wir hatten zum Glück einen wilden Haufen an Helfern. Die letzten Tage waren auch Schreiner und Zimmermänner vor Ort», erzählt Zwahlen.
Ein fahrender Dschungel
Das Motto ihres Wagens: Prism & Paradise – Eine visuelle Reise durch Neon, Tropen und prismatische Vibes.
Mit dem Slogan zum Dresscode: «Wir bringen den Jungle, bringt ihr die Tiere.» Man solle zum Spirit Animal werden und sich als Papagei, Leopard, Flamingo oder schillernder Schmetterling aufbrezeln.
Passend dazu auch der Truck: knallgrün wie ein Frosch, mit Zebrastreifen. «Das war aber reiner Zufall.»
Zwahlen führt über den Wagen. «Wir haben das gleiche Soundsystem, wie sie es auch am Tomorrowland nutzen», erzählt er stolz. Dieses zählt zu den grössten elektronischen Musikfestivals der Welt.
Die DJ-Pulte stehen schon, doch der Generator, der mit seinem Strom alles zum Dröhnen bringen wird, muss noch auf die Fläche gehievt werden. «Den werden wir mit Sicherheit übertönen», sagt der 25-Jährige.
Sicherheit als wichtiges Element
Dass man nicht einfach einen Lastwagen dekoriert und loslegt, zeigt ein Blick hinter die Kulissen:
«Zuerst mussten wir uns beim Street-Parade-Komitee mit einem Konzept bewerben», sagt Zwahlen. Die Zusage kam – inklusive 45-seitigem Reglement.
Sponsoringverträge, technische Standards und Sicherheitsauflagen: eine endlose Liste. Deswegen werden während der Parade 16 Security-Frauen und -Männer auf und rund um den Wagen mit der Nummer 25 im Einsatz sein. «Wenn sich jemand nicht benimmt, fliegt er vom Wagen – so einfach ist das.» Die Sicherheit gehe vor.
Der Preis der Party
Ein Love-Mobile kostet zwischen 35’000 und 40’000 Franken. Bis Freitagmorgen sind 85 von 165 Tickets verkauft – ein finanzielles Risiko. «Bei uns kann man bis kurz vor der Parade noch mit einsteigen», bleibt Zwahlen optimistisch. Wenn es schlecht läuft, müssen die drei Vereinsmitglieder je 5000 Franken drauflegen.
«Eigentlich wars die blödeste Idee, gleich so gross anzufangen», sagt Zwahlen und lacht. Denn die drei haben noch nie zuvor einen Event organisiert. «Es wäre mit Sicherheit einfacher gewesen, eine Party in einer fixen Location zu veranstalten.» Doch das Herzensprojekt stand: ein eigenes Love-Mobile für die Street Parade.
Keine Bieridee
Trotz all der Herausforderungen sei die Idee aber nicht aus einer Schnapslaune entstanden. «Ich träumte schon länger davon, mit einem eigenen Wagen dabei zu sein», sagt der 25-Jährige. Die Motivation? Girls, Ruhm und Ehre? Zwahlen lacht. «Nein, es war effektiv ein Kindheitstraum von mir.»
Schon als Achtjähriger wollte er zur Parade. «Ich nervte meinen Vater so lange, bis er mich endlich mitnahm.» Aber er musste warten, bis er 14 Jahre alt war. Erst dann ging es los, gemeinsam mit seinem Papa, der übrigens privat auch Techno hört.
«Am Ende hat es meinem Vater noch besser gefallen als mir», sagt der Steger und lacht. Heute, elf Jahre später, steht er nicht mehr neben, sondern auf einem Wagen. «Ehrlich, es ist das erste Mal, dass ich auf einem Love-Mobile mitfahre – und auch noch selber auflege.»
Zwahlen wird als DJ Dimitri Level als dritte Person am Mischpult stehen. Das ist es auch, was alle Helfenden verbindet: die Liebe zur Musik, zu Afro Beats, Tech House und Melodic Techno.
Wer kauft sich denn eigentlich so ein Ticket für 220 Franken, um für fünf Stunden auf einem Wagen zu tanzen? Die Antwort mag überraschen: Denn die Besucher sind gar nicht so jung wie die Wagenbauer: «Die meisten Gäste sind 70er oder 80er Jahrgänge – also viele, die mit der Street Parade aufgewachsen sind», weiss Zwahlen, denn die Tickets sind personalisiert.
Die Hitze als Problem?
Am Samstag soll sich Zürich auch ganz ohne Street Parade bis zu 33 Grad aufheizen – kein Zuckerschlecken auf einem Lastwagen voller Tanzwütiger. Doch auch dafür ist das Kollektiv gewappnet: Ein Teil des Wagens ist überdacht, damit zumindest ein paar Schattenplätze entstehen.
«Wir haben auch 1200 Liter Wasser dabei, damit niemand kollabiert», sagt Zwahlen. Das macht rund sieben Liter pro Person – Hydration ist wichtig, vor allem bei so viel Bass und Sonne.
Zwahlen freut sich besonders auf die Bilder von oben: Auf einem der Wagendächer haben sie ein grosses Signet angebracht – als charmante Einladung an die Kameradrohnen, die traditionell über den Bürkliplatz kreisen. Die Aufschrift: «Zoom-in Baby!» – ein kleiner Witz, aber auch ein Wunsch. Denn wer so viel Herzblut, Schweiss und Neon in ein Projekt steckt, darf ruhig ganz gross rauskommen.
