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SUP-Boom auf den Seen: Kampagne wirkt, Humor auch

Seit der Pandemie ist die Anzahl der Stand-up-Paddler rasant gestiegen. Eine Kampagne wollte die Wassersportler zu den Schutzräumen sensibilisieren. Mit Erfolg, wobei eine Schlüsselfigur essenziell ist.

«Aufs Wasser mit Rücksicht»: So macht die Kampagne auf sich aufmerksam.

Foto: Mel Giese Pérez

SUP-Boom auf den Seen: Kampagne wirkt, Humor auch

Seit der Pandemie ist die Anzahl der Stand-up-Paddler rasant gestiegen. Eine Kampagne wollte die Wassersportler zu den Schutzräumen sensibilisieren. Mit Erfolg, wobei eine Schlüsselfigur essenziell ist.

Sie sind kaum zu übersehen und zieren die Ufer der Seen in der Region: die Plakate mit der Aufschrift «Aufs Wasser mit Rücksicht». Dabei handelt es sich um eine Kampagne des Vereins Natur & Freizeit. Der Verein hat das Ziel, Erholungsuchende und Sporttreibende zu einem natur- und umweltschonenden Verhalten zu motivieren.

1. Abstand halten zum Schilf. Mindestens 25 Meter, wo immer möglich 100 Meter. Im Schilf brüten und verstecken sich viele Vögel.

2. Abstand halten zu Kiesinseln und Sandbänken. Nach Möglichkeit 100 Meter oder mehr. Hier rasten und brüten viele Vögel oder suchen Nahrung.

3. Grosse Distanz wahren zu Vogelansammlungen. Im Herbst und Winter keine Gewässerabschnitte mit Vogelansammlungen befahren. Störungen sind schon aus einem Kilometer Entfernung möglich.

4. Schutzgebiete respektieren. Stets ausserhalb der Grenzen bleiben. Diese sind teilweise mit gelben Bojen oder Tafeln markiert und in Karten eingezeichnet.

Seit bereits vier Jahren läuft die Kampagne auf insgesamt elf Seen. Im Kanton Zürich stehen die Plakate nicht nur am Greifensee und am Pfäffikersee, sondern auch am Türlersee und am Zürichsee. Alle Seen weisen Schutzzonen auf, von Naturschutzgebieten bis zu Grundwasserschutzzonen. «Der Greifensee wie auch der Pfäffikersee haben besonders viele solche Zonen, auf die man achten muss», erklärt Kampagnenleiter Reto Solèr.

Mit der Aktion sollen Besuchende sowie Wassersportlerinnen und Wassersportler über die Schutzzonen aufgeklärt werden. Bei der Kampagne steht vor allem eines im Fokus: Stand-up-Paddeln (SUP).

Stand-up-Paddler schwieriger zu erreichen

Seit der Pandemie hat das Stehpaddeln an hoher Beliebtheit gewonnen und ist aus den Gewässern nicht mehr wegzudenken. «Kein Wunder, es handelt sich um einen leicht ausübbaren Wassersport, der weder grosse Investitionen noch Vorkenntnisse braucht», sagt Solèr. Aber der SUP-Boom macht auch Druck auf die Wildtiere und die Natur.

Je mehr Personen sich eigenständig eine Sportart aussuchten, desto schwieriger sei es jedoch, diese zu erreichen. Bei Fischer- oder Wasserportvereinen beispielsweise sei das einfacher. «Diese haben selbst ein grosses Interesse daran, dass man sich an die Regeln hält, weil sie ja langfristig die Seen nutzen wollen», erklärt der Kampagnenleiter.

Bei einer solchen Gruppierung sei die Sensibilisierung um einiges einfacher. Deshalb richtet sich die Kampagne vor allem an die Stand-up-Paddelnden, die schwieriger zu erreichen sind. Sie nutzt Plakate, Flyer sowie Kleber und ist auf Social Media präsent. Auch werden vor Ort sogenannte Dialoger eingesetzt, die die Wassersportler persönlich aufklären.

Studie belegt Wirkung

Auf den Erfolg vertrauen wollte der Verein aber nicht. Er hat deshalb die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) beauftragt, die Fortschritte der Kampagne zu evaluieren. Die WSL hat die Studie auf dem Greifensee durchgeführt und bestätigt nun den Erfolg der Kampagne: 2024 kennt mehr als ein Drittel der Paddelnden die Aktion und verhält sich messbar umweltbewusster.

So werden Schutzgebiete häufiger gemieden und die Abstände zu Schilfgürteln besser eingehalten als noch 2021. Besonders erfahrene Paddelnde würden Lernfortschritte zeigen, während es bei Neueinsteigenden noch Nachholbedarf gebe.

Laut der Studie gibt es noch Luft nach oben. So habe die Onlinepräsenz beispielsweise eher wenige aus der Zielgruppe erreicht. Die Wirkung könnte sich laut Studie verstärken, wenn man Influencer einbinden würde. Für Kampagnenleiter Reto Solèr ist jedoch auch eine andere Zusammenarbeit äusserst wichtig: die mit den Rangern.

Der Ranger mit Humor

Einer von ihnen ist Niklas Göth. Er ist leitender Ranger bei der Greifensee-Stiftung und arbeitet dort schon seit 13 Jahren. Mit seinem Team schaut er beim Gebiet um den Greifensee zum Rechten. Und ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist die Sensibilisierung.

Er hat gemerkt, dass Menschen, die sich nicht an die Regeln halten, meistens von ausserhalb kommen. «Das sind beispielsweise solche, die zum ersten Mal am Greifensee sind», erklärt er. «Wer hier in der Region aufgewachsen ist, weiss im Normalfall genau, was man darf und was nicht.»

Seine Geheimwaffe, um Ahnungslose zu sensibilisieren, ist daher Humor. So trägt er neben seiner Uniform stets ein Lächeln. Mit viel Geduld und einem lustigen Spruch will er die Gäste so konfrontieren, dass sie sich auch langfristig an die Regeln halten.

Ein Ranger steht am Seeufer.
Niklas Göth ist seit 13 Jahren Ranger mit Leidenschaft. Seine Geheimwaffe ist Humor.

Viele Menschen meinten es gar nicht böse, sondern seien schlicht nicht so aufgeklärt wie Einheimische. Und würde man einfach ein Verbot aussprechen und die Besuchenden wegschicken, würden sich diese bloss ärgern. «Man muss nachvollziehen können, wieso etwas verboten ist», sagt er. «Und erst dann ist eine Aufklärung auch wirklich nachhaltig.» Und begleitet man den Ranger auf seiner Tour, bestätigt sich die Devise, die er vertritt. Mit seinem Humor gewinnt er die Besuchenden für sich.

Kein akutes Problem

Zwar kommt es immer wieder zu Fehlverhalten, doch nicht so oft, wie man vielleicht denkt. «Natürlich gibt es Menschen, die sich nicht an die Regeln halten», sagt er. «Doch das ist eine Minderheit.»

Die Behörden bestätigen, was Göth bereits sagt: Ein akutes Problem gibt es auf den Seen der Region nicht. Die Seepolizei, die zur Kantonspolizei Zürich gehört, muss wenig ausrücken. Auf Anfrage schreibt die Kantonspolizei, dass nur vereinzelt Meldungen über Missachtungen von Schutzzonen durch Personen auf SUPs eingehen.

Die Sensibilisierung vor Ort scheint zu greifen – nicht zuletzt dank persönlichem Einsatz und einer Kampagne, die auf Information statt Repression setzt. Doch bis alle Wassersportler die Regeln kennen – und auch befolgen –, braucht es Geduld. Und Menschen wie Niklas Göth, die mit Haltung, Herz und Humor vermitteln, was Rücksicht auf dem Wasser wirklich bedeutet.

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