Windrad-Infos zum Batzberg verzögern sich um ein Jahr
Zusätzliches Messinstrument ob Wald installiert
Es wird länger gemessen und später informiert: Ob sich auf dem Batzberg zwischen Wald und Rüti drei Windräder rentabel betreiben lassen, wird erst Mitte 2026 klar.
Ursprünglich wollte Daniel Diggelmann die Bevölkerung im Frühjahr 2025 über die ersten Ergebnisse der Windmessung auf dem Batzberg informieren. Doch dann verschob der Geschäftsführer der Walder Energieberatungsfirma e3hus GmbH, der auch Mitglied der Leitung des Windparkprojekts ist, diesen Termin auf den Frühsommer.
Und jetzt im Juli vertröstet die Trägerschaft des Windparkprojekts auf dem grossen Hügel zwischen Wald und Rüti erneut. Sie erklärt, dass erst im Sommer 2026 eine ausführliche Information der Öffentlichkeit geplant sei.
Langzeitprognosen noch nicht möglich
Initiiert worden ist das Vorhaben vom EW Wald. Der lokale Energieversorger erhebt zusammen mit der SN Energie AG und den St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerken (SAK) seit Ende November 2024 das Windenergiepotenzial auf dem Batzberg. Sie wollen klären, ob sich dort oben ein Windpark in der Dimension realisieren lässt, wie ihn sich die Zürcher Baudirektion vorstellt.
Drei 220 Meter hohe Windenergieanlagen sollen nach deren Schätzung jährlich einen Ertrag von rund 25 Gigawattstunden liefern. Das entspricht dem heutigen Stromverbrauch der Gemeinde Wald in einem Winterhalbjahr.
Als Grund für die über einjährige Verzögerung geben die Projektverantwortlichen an, dass die bisherige Messperiode von rund sechs Monaten noch zu kurz sei, «um verlässliche Langzeitprognosen machen zu können».
Daher werden die Messungen bis zum Frühjahr 2026 fortgesetzt, um Daten aus einer zweiten Winterperiode zu erhalten. Ursprünglich hätte nur bis Ende dieses Jahrs gemessen werden sollen.
Laserstrahlen im Einsatz
Auch wenn es jetzt noch keine Informationen zum Windaufkommen auf dem Batzberg gibt, so betont die Projektleitung aber: «Die bisherigen Messungen mit dem 120 Meter hohen Messmast zeigen, dass die gewünschten Daten zuverlässig erfasst und gespeichert werden.» Dies bestätigt ein Quervergleich mit den Erhebungen eines sogenannten Lidar-Messsystems. Eine entsprechende Apparatur ist im Mai neben dem 120 Meter hohen Mast aufgestellt worden.


Dieses Gerät erfasst seine Daten elektrooptisch. Es ist in der Lage, die Temperatur, die Zusammensetzung und die Partikelgrösse in Wolken aus der Ferne zu erheben. Möglich ist dies dank Laserstrahlen. Lidar unterscheidet sich damit von einem Radar, der auf Radiowellen basiert.
Das System kann sowohl horizontale wie auch vertikale Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen messen. Es wird schon heute in Windparks zur optimalen Einstellung der Windräder genutzt. Auf dem Batzberg soll Lidar zudem an einem zweiten Standort innerhalb des Windpotenzialgebiets zum Einsatz kommen.
Stille Rufe aus der Nacht
Übrigens werden auf dem Batzberg nicht nur die Windverhältnisse unter die Lupe genommen, sondern auch die Rufe der Fledermäuse. Diese fliegen laut schreiend durch die Nacht, um sich zu orientieren. Menschen können diese Rufe allerdings nicht hören, da sie im Ultraschallbereich ertönen. Diese Erhebung ist wichtig, da die Rotoren der Windräder allfälligen Fledermäusen nicht in die Quere kommen sollen.
Wenn die Messungen im nächsten Frühling abgeschlossen sind, werden die Daten ausgewertet und den langjährigen Datenreihen von festen Messstationen mit vergleichbaren Windverhältnissen gegenübergestellt.
«Basierend auf dieser Analyse, werden mögliche Standorte für die Windenergieanlagen sowie deren Anzahl definiert und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für einen möglichen Windpark auf dem Batzberg durchgeführt», halten die Projektverantwortlichen fest. Und erst danach gibt es die eigentlich früher versprochene breite Information der Bevölkerung.
Kaum Reaktionen aus Bevölkerung
Wie Daniel Diggelmann im Frühling gegenüber den Lokalblättern «WAZ» und «Rütner» erklärte, hat der Messmast bis dahin kaum für Reaktionen gesorgt. Das, obwohl Passanten auf einer nahe dem Mast aufgestellten Tafel aufgefordert werden, sich mit Fragen über die angegebene Telefonnummer oder E-Mail-Adresse an die Projektleitung zu wenden. «Bisher haben erst sechs Personen davon Gebrauch gemacht, vier davon mit Sachfragen und zwei, um ihren Unmut auszudrücken», liess sich Diggelmann zitieren.
Parallel zu den Messungen sucht die Projektleitung das Gespräch mit den Landbesitzern. Ziel ist es, sich mit diesen zu einigen und eine Absichtserklärung für die Nutzung der Fläche abzuschliessen.
Richtplaneintrag bis Ende 2026
Auf kantonaler Ebene wird der Richtplan Windenergie bearbeitet. Die Baudirektion wertet aktuell die Rückmeldungen aus der öffentlichen Vernehmlassung aus und erstellt einen Mitwirkungsbericht als Grundlage für einen anschliessenden Antrag des Regierungsrats an den Kantonsrat. Dieser wird den Richtplan im nächsten Jahr beraten und verabschieden.

Grosse Windenergieanlagen, wie sie auf dem Batzberg geplant sind, dürfen nur in rechtskräftig im Richtplan eingetragenen Eignungsgebieten gebaut werden. Die Betreiber eines potenziellen Windparks Batzberg rechnen damit, dass dieser voraussichtlich Ende 2026 rechtskräftig wird.

