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Beispiel aus Hinwil

So können auch Landwirte in die Ferien

Auf einem Hof wird eigentlich jeden Tag, also auch sonntags gearbeitet. Für Urlaub ist trotzdem ab und an Zeit, wie ein Hinwiler Hof beweist.

Auch Landwirte machen Ferien – oft in der Schweiz oder bei Berufskollegen auf anderen Höfen.

Foto: Seraina Boner

So können auch Landwirte in die Ferien

Früher war es beinahe eine Selbstverständlichkeit, dass Bauern keine Ferien machten. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet – oder zumindest etwas. So zum Beispiel bei Judith Rüegg aus Hinwil.

Bauern verreisen nicht so oft oder gönnen sich Ferien, wie es die «Normalbevölkerung» hierzulande tut. Vor allem früher hiess es gern: «Ihr seid schon den ganzen Tag an der frischen Luft, wozu braucht ihr Urlaub?»

Speziell die älteren Generationen in der Landwirtschaft kannten und kennen Urlaube nach wie vor kaum. Dafür scheint sich bei den jüngeren Landwirtinnen und Landwirten ein Sinneswandel vollzogen zu haben. Generell seien Ferien und Ferienablösungen in der Landwirtschaft ein heikles Thema, erklärt Pablo Nett vom Zürcher Bauernverband (ZBV) mit Sitz in Dübendorf. «Gerade bei jüngeren Landwirten sind Ferien ein gewisses Reizthema, da moderne Partnerinnen auf Ferien bestehen.»

Man arrangiert sich

Bei Ackerbaubetrieben oder Reb- und Obstbetrieben werden Ferien grundsätzlich dann gemacht, wenn es die Vegetation erlaubt – will heissen in den kälteren Jahreszeiten oder nach der Ernte. «Bei tierhaltenden Betrieben sind Urlaube jedoch noch schwieriger zu beziehen, da Milchkühe jeden Tag gemolken werden wollen, sprich müssen», unterstreicht Nett.

Kühe stehen in einer Reihe ausserhalb eines Stalls.
Milchkühe müssen jeden Tag gemolken werden. Auch Melkroboter würden nicht komplette Abhilfe schaffen, wenn ein Bauer in die Ferien reist.

Meistens lasse sich zwar in der Familie jemand finden, der für die Ferienzeit einspringe. Entweder der Vater, der noch mithilft, ein Geschwister oder der zukünftige Landwirt. «Wenn das nicht geht, fragt man den Nachbarn oder Berufskollegen, die im gleichen Sektor arbeiten.»

Gebe es niemanden, so bestehe noch immer die Möglichkeit, einen Betriebshelfer einzustellen. «Aber das ist teuer, und gute zu finden, ist leichter gesagt als getan», sagt Nett.

Wer über keine konkreten Kontakte für Betriebshelfer verfügt, kann sie sowohl für geplante Ausfälle (beispielsweise bei Operationen) als auch bei Notfällen über die Maschinenring Mittelland AG finden. Die Handwerker und Landwirte sind grundsätzlich innert Tagesfrist verfügbar. Zudem sind sie in Sachen Arbeitssicherheit ausgebildet und in Gesamtarbeitsverträgen angestellt, dementsprechend über die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) versichert.

Und dann sind da noch die Finanzen. Denn Landwirte verbuchen meist tiefere Löhne als Vergleichsgruppen. «Wir beobachten, dass junge Landwirte nach der Lehre eher ins Ausland gehen, manchmal kombiniert mit Arbeitseinsätzen, um Erfahrungen zu sammeln.»

Generell würden junge Landwirte mit Familie eher einmal ins Ausland verreisen, um die Welt kennenzulernen. Ältere verbrächten ihre Ferien öfters in der Schweiz und besuchten nicht selten Berufskollegen auf deren Höfen. «Komplett verallgemeinern sollte man das natürlich nicht.»

Nachwuchs steht im Fokus

Während das Kinderkriegen bei manchen Städtern etwas provokativ umschrieben gerne als Projekt der Selbstverwirklichung betrachtet wird, geht es in der Landwirtschaft hinsichtlich des Nachwuchses in einem gewissen Sinne noch immer um die Sicherung der Fortführung des Hofs – wenn auch nicht primär. Und obwohl über zehnköpfige Familien auf Bauernhöfen nicht mehr die Regel sind, bleiben Grossfamilien auf Höfen im Oberland nach wie vor keine Seltenheit.

Da ist beispielsweise die Familie Rüegg vom Hof Bodengut in Hinwil. Judith Rüegg ist stolze Mutter von sechs Kindern. Zwei Töchter und drei Söhne haben eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert, lediglich eine Tochter hat sich für einen anderen Weg entschieden. «Dennoch hat sie einen Bauern geheiratet», sagt Rüegg frohen Mutes.

Und ebendiese Kinder sind und waren es, auf die das Ehepaar Rüegg stets zählen konnte, seitdem es 2012 den Hof in Hinwil, dessen Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, übernahm. Denn trotz dem grossen Arbeitspensum und den vielen Tieren auf dem Bodengut hat es sich die Familie generell nicht nehmen lassen, ab und an in den Urlaub zu fahren. «Wir waren in Afrika, Neuseeland, Australien, den USA, Norwegen, Schweden und Italien», sagt Rüegg.

Wissen aus dem Ausland

Sie selbst arbeitete in jüngeren Jahren sogar einmal für drei Jahre in Übersee auf Farmen. Auslandserfahrungen sind in der Landwirtschaft sowohl gern gesehen als auch beliebt. Sobald ihr zweitjüngster Sohn die Rekrutenschule abgeschlossen hat, wird er sich ebenfalls im Ausland, genauer in Australien, fortbilden und danach mit seiner Freundin auf dem Hof in Hinwil einsteigen.

Auch während ihrer früheren Urlaube konnte Rüegg stets auf die Hilfe aller ihrer Nachkommen zählen. «Natürlich war da dann auch mal noch ein Grossvater, der das grosse Ganze im Auge behielt und für Notfälle erreichbar gewesen wäre.»

Trotz den schönen Erinnerungen gibt Rüegg gerne zu, dass sich allein die Organisation für den eigenen Hof, ganz von jener einer weiten Reise abgesehen, durchaus schwierig gestaltet. «Oft ist es so, dass sich jemand gut mit Kühen auskennt, dafür von Schweinen, Pferden oder Ziegen keine Ahnung hat», sagt die Landwirtin schmunzelnd.

Um sich um einen Hof mit all diesen unterschiedlichsten Bewohnern wie den ihrigen zu kümmern, brauche es dann doch etwas mehr als reine Tierliebe. «Zum Glück konnte ich mich stets auf meine Kinder verlassen.» Dies will sie künftig vermehrt tun und sich über kurz oder lang nur noch auf die Gastronomieveranstaltungen auf dem Bodengut fokussieren. Dazu gehören Hochzeiten, 1.-August-Feiern oder Muttertage. «Das heisst aber nicht, dass ich zwischenzeitlich am Meer die Beine hochlagere.» Salzwasser könne sie ohnehin nicht ausstehen, ganz zu schweigen vom Herumliegen, das ihr viel zu langweilig sei.

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