So will Turbenthal Kinder und Jugendliche stärken
Turbenthal will mehr tun für Kinder und Jugendliche. Doch gleichzeitig hat der Gemeinderat Respekt vor hohen Kosten – und will alles genau abklären. Konzept, Ziele und Massnahmen im Überblick.
Turbenthal soll für Kinder und Jugendliche ein attraktiver Ort zum Aufwachsen sein. Der Gemeinderat hat sich deshalb das Legislaturziel gesetzt, ein eigenes Kinder- und Jugendkonzept zu erarbeiten. Das sind die wichtigsten Punkte.
Das Konzept
Diese Aufgabe für die Erstellung des Konzepts hat der Gemeinderat an eine Arbeitsgruppe der Gesellschaftskommission übertragen. Sie hat zusammen mit der Fachstelle Prävention und Frühintervention Winterthur das Konzept erstellt, das der Gemeinderat im Juni verabschiedet hat.
«Mit dem vorliegenden Kinder- und Jugendkonzept verfolgen wir die Vision einer lebenswerten Gemeinde für Kinder und Jugendliche», schreibt Gemeinderätin Cornelia Oelschlegel (parteilos) im Vorwort des 20-seitigen Papiers. «Turbenthal möchte Angebote und Räume schaffen, die sich an den Bedürfnissen der jungen Menschen und ihrer Familien orientieren.» Besonders wichtig sei dabei, den Prozess gemeinsam mit der jungen Bevölkerung zu gestalten.
Die Grundlage
Die Arbeitsgruppe hat das neue Konzept zum Anlass genommen, bei den Turbenthaler Jugendlichen den Puls zu fühlen. Sie hat deshalb im Herbst 2024 mit den Schülerinnen und Schülern der Sek Turbenthal-Wildberg eine Befragung durchgeführt.
Sie hat dabei auf ein Angebot der Schweizerischen Gesundheitsstiftung Radix zurückgegriffen, die solche Umfragen in zahlreichen Gemeinden bereits gemacht hat. Somit liegen auch Vergleichswerte vor.
So fühlen sich Jugendliche in Turbenthal
Insgesamt, so hält die Gesellschaftskommission fest, zeige sich in der Befragung ein positives Bild – auch im Vergleich mit anderen Gemeinden. So haben beispielsweise relativ viele Jugendliche angegeben, dass sie auf familiäre Unterstützung und Anerkennung zählen können.
«Besonders gefreut hat mich, dass Covid auf die Turbenthaler Jugendlichen offenbar keine grossen Auswirkungen hatte», sagt Gemeinderätin Oelschlegel. Das allgemeine Wohlbefinden bewerteten die Jugendlichen auf einer Skala von 1 bis 10 bei 7,4.
Eine heile Welt gibt es aber auch in Turbenthal nicht. So weisen einige Risikofaktoren auffällige Werte auf, darunter:
- psychische Belastungen
- Suizidgedanken
- Alkohol- und Drogenkonsum
- fehlende Integration in die Wohnumgebung
«Selbst wenn wir bei einigen dieser Faktoren besser dastehen als andere Gemeinden, heisst das nicht, dass kein Handlungspotenzial besteht», betont Cornelia Oelschlegel. «Es ist ein Thema, das man seriös angehen muss.»
Das sind mögliche Massnahmen
Im Kinder- und Jugendkonzept schlägt die Arbeitsgruppe mögliche Massnahmen vor, um Kinder und Jugendliche in der Gemeinde zu fördern. Dazu gehören unter anderem folgende Ideen:
- Offene Kinder- und Jugendarbeit: Diese soll als zentrale, niederschwellige Anlaufstelle fungieren und jungen Menschen einen geschützten Raum zur Begegnung, Beratung und sinnvollen Freizeitgestaltung bieten.
- Familienzentrum: Durch ein Familienzentrum als zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle sollen Kinder in der frühen Kindheit optimal gefördert werden. «Es besteht das Bedürfnis nach einem öffentlich geführten und offiziellen Familienzentrum, das die bereits bestehenden Angebote für Familien und frühe Kindheit unter einem Dach bündelt», führt die Kommission aus.
- Öffentlicher Spielplatz für Kleinkinder: Spielplätze sind laut dem Konzept zentrale Orte für die gesunde Entwicklung von Kindern. Der bereits bestehende Spielplatz im Chilepark soll deshalb spezifisch auch für Kleinkinder beworben werden.
- Bessere Zusammenarbeit mit den Schulen: Turbenthal ist keine Einheitsgemeinde. Um die Situation für Kinder und Jugendliche zu verbessern, will die Politische Gemeinde deshalb auch den engeren Austausch mit den beiden Schulgemeinden suchen. So können Gesundheitsförderungs- und Präventionsprojekte gemeinsam durchgeführt werden.
So geht es nun weiter
Kürzlich hat der Gemeinderat zum Zukunftsworkshop «Turbi 2040» eingeladen. Dort hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich dem Thema «Kinder und Jugendliche in Turbenthal» widmen will.
«Es ist wichtig, dass wir Massnahmen unter Einbezug aller erarbeiten, damit sie breit abgestützt sind», sagt Cornelia Oelschlegel. Die Gruppe will deshalb auch das Gespräch mit Vereinen und Schulen suchen – und natürlich auch Jugendliche einbeziehen.
Wann konkrete Projekte in Turbenthal vorliegen, ist aber noch offen. Da mögliche Massnahmen mit Kosten verbunden sind, ist für den Gemeinderat klar, dass es eine Bedarfsanalyse braucht, bevor man Dinge umsetzt.
Für diesen Prozess sucht Oelschlegel auch den Kontakt zu den Nachbargemeinden. So hat Zell im vergangenen Jahr entschieden, eine offene Kinder- und Jugendarbeit einzuführen. Vorerst ist das Projekt auf fünf Jahre begrenzt. Bei Erfolg soll es in einen regulären Betrieb umgewandelt werden.
