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Gesellschaft

60 Jahre Hobbyfussball

Wie einer Mannschaft aus Wald eine unzerbrechliche Freundschaft gelang

Wie alt ist ihre längste Freundschaft? Diese Hobbyfussballer kennen sich nun schon 60 Jahre.

Damals schon eng, heute noch immer: der FC Hinternord aus Wald.

Foto: PD

Wie einer Mannschaft aus Wald eine unzerbrechliche Freundschaft gelang

Diese Walder Hobbyfussballer trotzten dem Lauf des Lebens und haben es geschafft, ihre Beziehungen untereinander über ein halbes Jahrhundert zu pflegen.

Freundschaften wollen gepflegt werden. Tut man das, können sie auf ewig halten. Oder zumindest 60 Jahre lang, so, wie jene der Mitglieder des FC Hinternord aus Wald. 1965 schloss sich eine Gruppe von fussballbegeisterten Jugendlichen aus der Gemeinde zusammen und gründete ihren Verein anlässlich der Schweizer Vereinsmeisterschaft in Winterthur. Der Älteste unter ihnen mit Jahrgang 1946, der Jüngste mit Jahrgang 1950. «Im Vergleich zu uns ist der Verein noch jung», stellt der Torhüter Joseph «Josy» Scherrer amüsiert fest.

Nun ist eine Chronik dieses Hobbyfussballvereins erschienen, die die besonderen Momente und überhaupt die Seele des Vereins widerspiegelt. Vor allem die unzähligen Grümpelturniere aus der Vergangenheit stehen im Fokus. Aber auch geschichtliche Nebenschauplätze werden darin nicht ausser Acht gelassen.

FC Hinternord aus Wald
Ein Foto anlässlich der Gründung des Fussballklubs aus längst vergangenen Zeiten.

Beispielsweise, dass Wald in den 1960er Jahren, als die Beatles gerade die Charts stürmten, noch über neun Metzgereien verfügte. Oder dass den einstigen Buben im Hinternord bei Wald nur eine Teppichstange an der Laupenstrasse als Fussballtor diente, sie mit ihren Bällen für etwas Tumult in der Nachbarschaft sorgten und einige Scheiben in die Brüche gingen. Sie kannten sich also schon aus Kindertagen, lange bevor sie ihren eigenen FC gründeten.

Wertvoller «Grümpel»

Die Chronik hebt jedoch noch viel «wichtigere Tatsachen» hervor, denn da steht auf einer Seite geschrieben: «Hinternördler sind wie Göppel, ob Velo oder Auto. Weder schnittig noch chic. Dafür robust, mit Herz und Charakter. Der Hinternördler ist vielleicht etwas eigensinnig und braucht gutes Zureden, aber er ist treu wie Gold und absolut loyal. Ächzt, stöhnt und leidet, lässt einen aber nie im Stich.»

«An einem Grümpelturnier trifft sich der fussballerische Grümpel. Also die, die man sonst nirgends spielen, höchstens im Tor stehen lässt», sagt Scherrer. Sofern ihre Knöchel noch nicht allzu lädiert waren, gewannen jeweils die Besten der Schlechtesten auf den Fussballäckern.

Während den sportlichen Resultaten früher mehr Gewicht zugemessen wurde, sind es heute eher die kameradschaftlichen Erlebnisse, die als umso wertvollere Ergebnisse zählen. «Zumindest im Beisammensein wurden wir von Jahr zu Jahr besser.» Wobei es auf und neben den Feldern auf alle Fälle nicht an versuchter Professionalität mangelte. Am 18. Juni 2004 beispielsweise fand bereits das 40. Grümpelturnier mit dem FC Hinternord statt. Und zwar inklusive Fotoshooting, Massagen und einer längeren Taktikbesprechung.

Als die Truppe noch etwas jünger war, zog sie Ende der 1960er Jahre sogar mit Tandems in die Campingferien zum Neuenburgersee und machte bei Windisch einen Zwischenstopp, um am dortigen Grümpelturnier teilzunehmen. «Dort gab es allerdings einen Turniersiegbetrug durch den einheimischen Schiedsrichter», ist sich Scherrer noch heute sicher.

Möglichst keine Verletzungen

Mitte der 1990er Jahre waren die Fussballer dann doch bereits etwas in die Jahre gekommen. Konnte die Truppe in ihrer Blütezeit noch über einen engeren Stammkader von mehr als zwölf Spielern verfügen, manchmal gar zwei Mannschaften stellen, musste das Team am Walder Grümpelturnier 1994 bereits mit Nachwuchs-Hinternördlern gespickt werden. «Verständlich, dass sich ältere Jahrgänge nicht mehr einer Verletzungsgefahr aussetzen wollten», meint Scherrer.

Männer auf einem Fussballplatz.
Bilder aus bereits etwas späteren Zeiten.

Zumal das Risiko, wegen einer Verletzung berufliche Ambitionen aufs Spiel zu setzen, schlicht zu hoch gewesen sei. «Ohnehin war stehender Fussball nicht gerade eine Stärke von uns, da die Erfolge auf einer kämpferischen und nicht einer technischen Basis beruhten.»

Der grosse Rückhalt

Trotz dem unerschütterlichen Sportgeist und dem Willen auf und neben den Spielfeldern wäre der Zusammenhalt der Truppe ohne den Rückhalt der «Spielerfrauen» wohl kaum möglich gewesen. «Hinter jedem erfolgreichen Team stehen meist starke Unterstützer, in diesem Fall Unterstützerinnen», betont Scherrer.

Sie hätten den FC Hinternord über Jahrzehnte begleitet und an den Spielen mitgefiebert, den Männern bei Bedarf den nötigen Schub verliehen. «Auch unsere jährlichen Treffen ohne Fussball wären ohne unsere Frauen völlig undenkbar.»

Neben dem Platz

Was die beruflichen Laufbahnen der Hinternördler betrifft: Abgesehen von einem entschieden sich alle für eine Lehre. Die Ausnahme wurde Lehrer. Andere entwickelten sich vom Verkäufer zum Musiker, weiter zum Firmenchef oder vom Schneider zum Designer bis hin zur Mitarbeit bei Swiss Olympic, den SBB und der Uefa. Ein einstiger Laborant wurde Doktor der Krebsforschung, ein Maschinenzeichner mauserte sich zum Sozialarbeiter. So unterschiedlich ihre beruflichen Wege auch waren, so ähnlich waren sich die Spieler auf dem Fussballplatz.

Grümpelturniere in Wald

Schon Mitte der 1950er Jahre wuchs das Interesse am Grümpelturnier in Wald. Die Teilnehmerzahlen stiegen in die Höhe. Bald stellten unzählige Firmen und Vereine Mannschaften zusammen. Am 20. Grümpelturnier 1971 spielten bereits 108 Mannschaften um Preise und den Sieg im «Zipfelcup». Bis 1975 erhöhte sich die Zahl sogar auf 120 Teams, die über Jahre am Turnier teilnahmen. Für die Vereinskasse des FC Wald waren die Grossanlässe die wichtigste Einnahmequelle. Erst Ende der 1980er Jahre sank die Anzahl der Teams auf unter 100. Angeblich waren das Überangebot an Freizeitaktivitäten sowie die immer härter werdende Gangart an den Spielen Gründe dafür. Dazu kam die rapid steigende Zahl an Verletzungen, was Firmen dazu bewog, ihren Angestellten die Teilnahme an Grümpelturnieren zu verbieten. (lda)

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