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Gesellschaft

Schulraumplanung wird konkret

Licht an für die neue Schul- und Sportanlage in Bubikon

Am Dienstagabend präsentierten die Verantwortlichen das Konzept für Bubikons Meilenstein, die neue Schul- und Sportanlage. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Visualisierung der neuen Schul- und Sportanlage in Bubikon.

Visualisierung: Zuend Images

Licht an für die neue Schul- und Sportanlage in Bubikon

Am Dienstagabend präsentierten die Verantwortlichen das Konzept für Bubikons Meilenstein, die neue Schul- und Sportanlage. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Rund 80 Besuchende brachten am Dienstagabend Leben in die historischen Gemäuer des Ritterhauses in Bubikon. Männer, Frauen und einige Kinder schlenderten durch den Rittersaal und betrachteten die aufgebauten Modelle und Visualisierungen. Es handelt sich um die acht Projekte, die beim Studienauftrag für die Realisierung der neuen Schul- und Sportanlage eingereicht wurden.

Worum geht es?

Vor mehr als drei Jahren machte sich die Gemeinde an die Erarbeitung einer Immobilienstrategie. Vor knapp zwei Jahren orientierte sie die Bevölkerung darüber, dass viele ihrer Liegenschaften, darunter auch die Schulliegenschaften in Bubikon einen hohen Sanierungsbedarf aufweisen. Gleichzeitig zeigen Prognosen einen steigenden Bedarf an Schul- und Sporträumen.

Die älteste Turnhalle im Schulhaus Spycherwise ist über 100-jährig und nur noch eingeschränkt nutzbar. Auch das 70-jährige Schulhaus Mittlistberg ist gebäudetechnisch in einem schlechten Zustand. «Beim Lehrschwimmbad Bergli ist der Zustand so prekär, dass wir jedes Jahr mit einer Schliessung rechnen müssen», sagte Gemeindepräsident Hans-Christian Angele (FDP).

Nachdem während vieler Jahre nur minimalste Ausbesserungen vorgenommen worden seien, sei es nun an der Zeit, eine gesamtheitliche und zukunftsfähige Lösung für die Schul- und Sportinfrastruktur zu finden. Im vergangenen Dezember bewilligte die Gemeindeversammlung einen Kredit von 625’000 Franken, um einen Projektwettbewerb durchzuführen.

Acht Teams durchliefen das Verfahren

Von 25 eingegangenen Bewerbungen beauftragte der Gemeinderat dann acht Teams mit einem Studienprojekt. «Wir haben uns für die aufwendige Variante eines zweistufigen Verfahrens entschieden», erklärte Angele. Was bedeutet, dass die Teams ihre Vorschläge in einer Zwischenphase den Entscheidungsträgern präsentierten. Die daraus resultierenden Optimierungsvorschläge konnten sie dann für die Überarbeitung ihrer Projekte einbeziehen.

«Das siegreiche Projekt der Arbeitsgemeinschaft der Waldrap Architekten hat keine Schwächen», fasste der Rütner Architekt Paul Rickli an diesem Abend zusammen. Er war als stimmberechtigte Fachperson im Beurteilungsgremium dabei. «Von so einem Projekt können wir in Rüti nur träumen.»

Zwar hätten alle eingegangenen Vorschläge ein extrem hohes Niveau. Trotzdem sei die Entscheidung für das Siegerprojekt einstimmig ausgefallen.

Damit punktet das Siegerprojekt

Die Architekten planen drei Neubauten: ein Primarschulhaus, ein Gebäude mit Schwimmbad, Turnhalle und Infrastruktur für die familienergänzende Betreuung (FEBA) und eine Dreifachturnhalle. Damit gliedern sie das Areal in drei über Geländesprünge verbundene Bereiche.

So werden die Altersstufen klar voneinander getrennt. Der Bereich um das alte Schulhaus Spycherwise mit dem Schulhaus Dörfli und dem geplanten Neubau ist für die jüngeren Kinder ausgelegt – mit Tagesbetreuung, Kindergarten und Primarschule.

Im Neubau sind auch die neue Schwimmhalle sowie die neue Einfach-Turnhalle angeordnet. Diese beiden Hallen werden von den jüngeren Kindern am intensivsten genutzt. Über den Hartplatz ist dieses Gebäude eng mit dem neuen Primaschulhaus verbunden.

Der Sportbereich mit der neuen Dreifach-Turnhalle schafft zugleich eine Verbindung zum Bereich der Sekundarschule. Auch hier sind die Wege kurz, wird diese Halle doch am meisten von den Oberstufenschülern genutzt.

Da die Gebäude platzsparend angeordnet wurden, entstehen zwischen ihnen grosse Freiräume. Die Schulzimmer sind flexibel geplant, sodass die Räume den Klassengrössen und den pädagogischen Ansprüchen angepasst werden können.

Darum ist das Projekt nachhaltig

Bei der Wahl der Materialien wurde bei den Fundamenten auf Beton, bei den Überbauten auf Holz gesetzt. Wo immer möglich werden vorgefertigte Elemente für ein effizientes Bauen verwendet.

Weil kaum Untergeschosse eingeplant sind, fallen die Aushubmenge und die graue Energie, also der indirekte Energieverbrauch, gering aus. Die Flachdächer der Primarschule sowie das Giebeldach der Einfachsporthalle werden begrünt und mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet. Zudem sind Massnahmen geplant, damit das Regenwasser versickern kann und die Hitze vermindert wird.

In der Umgebungsgestaltung nahmen die Architekten Rücksicht auf ökologische Aspekte. Mit der Anpflanzung von Wildhecken, artenreichen Wiesensäumen und mit Nisthilfen wird die Biodiversität gefördert. Zugleich sollen die Kinder Raum zum Spielen und Entdecken erhalten.

Wie finanziert sich das Projekt?

Es geht um die beträchtliche Summe von 67 Millionen Franken. Das Siegerprojekt hält die Kostenvorgaben ein. Ein grosser Batzen für eine Gemeinde mit knapp 8000 Einwohnern.

Müssen die Bubiker mit einer Steuererhöhung rechnen? Der Steuerfuss ist mit aktuell 118 Prozent ohnehin schon stattlich.

«Wir haben an der letzten Gemeindeversammlung versprochen, die Steuern möglichst nicht zu erhöhen», sagte Gemeindepräsident Hans-Christian Angele. Die in der Konzeptphase getroffene Annahme sieht vor, dass ungefähr im Jahr 2031 die Verschuldung mit knapp 40 Millionen Franken am höchsten ist. Danach soll sie bei gleichbleibendem Steuersatz langsam wieder abgebaut werden.

Langfristige Prognosen zu treffen, sei kaum möglich. «Je mehr dazukommt, desto schwieriger wird es, das Versprechen zu halten.» Projekte wie der notwendige Bau des neuen Werkhofs für rund 3 Millionen Franken oder unter Umständen die Aktienkapitalerhöhung für das GZO über weitere 3 Millionen würden die Verschuldung weiter in die Höhe treiben.

So sieht der Zeitplan aus

«Dieses Projekt ist erst ein Konzept», mahnte Angele die Besucher, «die Details werden jetzt erarbeitet.» An der nächsten Gemeindeversammlung im Dezember entscheidet die Bevölkerung über den Kredit für die Projektierung. Ist dieser gesprochen, geht es Anfang 2027 an die Ausarbeitung des Bauprojekts und den entsprechenden Baukreditantrag.

Fällt die Urnenabstimmung Ende 2027 dann positiv aus, kann theoretisch Anfang 2028 der Spatenstich erfolgen. «Dieser Zeitplan ist allerdings sehr optimistisch», gestand der Gemeindepräsident.

Was passiert mit den Schülern während der Bauzeit?

In den Bauphasen kommt man ganz ohne Provisorien aus. Weil schrittweise gebaut und abgebrochen wird. So können auch Baupausen eingelegt werden, wenn das Geld knapp wird. Denn das Preisschild hat es in sich.

Das sagt die Bevölkerung

Sowohl in der Ausstellung im Ritterhaussaal als auch beim anschliessenden Apéro in der Trotte waren nur positive Stimmen zu hören. Vor allem die Optik der neuen Anlage scheint zu gefallen.

«Ich finde die Gestaltung extrem schön», sagte etwa Birgit O’Hara, die direkt gegenüber der Schulanlage wohnt. «Ohne zu wissen, dass es sich um das Siegerprojekt handelt, bin ich sofort daran hängen geblieben.»

Auch Brigitte Weber wohnt direkt neben der Schule und ist begeistert von der Arbeit des Architektenteams. «Wie sie unser Dorf und die Landschaft wahrnehmen und ins Projekt einfliessen lassen, finde ich unglaublich toll.»

Die luftige und doch kompakte Anordnung der Gebäude, die Freiräume dazwischen und die Einbettung ins Gesamtbild – diese Aussagen waren mehrmals zu hören an diesem Abend. Auch, dass sich dieser Schritt längst aufgedrängt habe: «Ein solches Projekt ist bitter nötig, auch für die Vereine», sagte etwa Martin Kägi, der selbst in einem Verein aktiv ist. «Die jetzige Turnhalle ist stark ausgelastet.»

Eine Besuchergruppe diskutierte beim Apéro darüber, dass ein grösseres Lehrschwimmbecken und die Dreifachturnhalle hohe Betriebskosten generieren. «Aber das werden die zuständigen Personen schon entsprechend abgeklärt haben.»

Ein weiterer Besucher sagte, dass 50 Jahre lang nichts gemacht worden sei an der Infrastruktur, «jetzt muss man halt mal Geld in die Finger nehmen». Die befragten Einwohner gehen davon aus, dass sich die Gemeinde diesen Bau leisten kann. Und auch wenn sie notfalls höhere Steuern zahlen müssten – die im Ritterhaus anwesenden Bubiker schienen geschlossen hinter ihrer Schul- und Sportanlage der Zukunft zu stehen.

Besichtigung im Ritterhaussaal

Interessierte können das Siegerprojekt sowie alle weiteren Projektvorschläge bis zum 20. Juli zu den gewohnten Öffnungszeiten im Ritterhaus Bubikon begutachten.

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