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Gesellschaft

Ferienzeit und Medienkonsum

Diese Psychologin aus Wetzikon weiss, ob die Playstation mit in die Ferien darf

Traumstrand vor der Nase, aber lieber im Hotelzimmer gamen? Ein paar Tipps für Familien, wie sie in den Ferien den Medienkonsum der Kids regeln können.

«Mit klaren Abmachungen muss der Medienkonsum auch in den Ferien nicht zum Dauerstressthema werden», sagt Psychologin Raphaela Hügli.

Foto: Karin Sigg

Diese Psychologin aus Wetzikon weiss, ob die Playstation mit in die Ferien darf

Mit den Schulferien stehen für Schulkinder fünf Wochen Freizeit und damit «Freiheit» auf dem Stundenplan. Doch gilt das auch für den Medienkonsum? Raphaela Hügli gibt Tipps.

Eltern von Kindern und Jugendlichen kennen es bestimmt: Die Sache mit dem Medienkonsum ist nicht leicht. Es gibt zig Ratgeber und Studien über die altersgerechte Nutzung von Smartphone, Tablet, Fernseher, Computer und Co. – ob und wie lange und zu welcher Zeit und überhaupt.

Kaum hat man sich in einem für alle Seiten erträglichen Mass eingependelt, stehen schon wieder Schulferien vor der Tür. Und jetzt? Müssen die Regeln auch in den Ferien eingehalten werden? Oder verhält es sich mit dem Medienkonsum dann wie am Buffet im Ferienresort, «à discrétion»?

Raphaela Hügli ist Psychologin und berät in Wetzikon Paare und Familien. Während 14 Jahren arbeitete sie im Bereich der Suchtprävention. Sie kennt sowohl die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen als auch die Nöte und Sorgen der Eltern.

Man sieht alte Handys und Playmobilfiguren.
Wie viel Medienkonsum ist in den Ferien sinnvoll oder notwendig?

Ob die Playstation auch in einen Koffer gepackt werden darf, hängt unter anderem von der Art der Ferien ab. «Es macht einen Unterschied, ob die Kinder eine Woche zu den Grosseltern ins Nachbardorf fahren oder die ganze Familie zwei Wochen ans Mittelmeer fliegt», sagt Raphaela Hügli.

Reisten die Familienmitglieder an eine Feriendestination – egal, wie weit weg –, stehe das gemeinsame und bewusste Erleben im Vordergrund. Im Hotelzimmer auf der mitgebrachten Konsole zu zocken, macht also wenig Sinn, wenn draussen Traumstrände und malerische Städtchen locken. «Es wäre doch schade, sich in einer virtuellen Welt zu bewegen, wenn es direkt vor der Nase so vieles zu entdecken gibt.» Für eine unbeschwerte Ferienzeit hat die Psychologin fünf Tipps zusammengestellt.

Handy-Check-in und Handy-Check-out

Wäre also eine Radikalkur ratsam, im Sinne von «Digital Detox»? «Es ist sicher gut, ab und zu komplett auf Bildschirmzeit zu verzichten», so die Psychologin. Es komme dabei aber auch auf das Alter der Kinder an. «Bei einem 8-jährigen Kind muss es sicher möglich sein, für eine Woche komplett auf Fernseher, Tablet und Co. zu verzichten.»

Bei einem 15-jährigen Teenager das Smartphone für eine Woche zu verbannen, erachtet sie allerdings als schwerer umsetzbar. «Hier geht es oftmals auch um soziale Kontakte, welche die Jugendlichen untereinander pflegen.» Das sei bei Erwachsenen ja nicht anders. Hügli rät deshalb zu bewussten Handypausen. «Wichtig ist, dass sich alle Familienmitglieder darauf einlassen – auch die Eltern.»

Keine E-Mails von der Arbeit checken

Die Eltern sollen ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und nicht ständig das Handy zücken. Das gelte auch für geschäftliche Nachrichten. «Es wäre einen Versuch wert, das Smartphone den ganzen Tag bis 17 Uhr nicht zu nutzen und erst dann nachzusehen, was alles reingekommen ist.»

Bei jüngeren Kindern könne man vereinbaren: «Bei der Rückkehr ins Hotel nach einem ereignisreichen Tag dürfen sie für eine vereinbarte Zeit auf dem Tablet spielen oder etwas schauen.» So lange, bis alle bereit sind für das gemeinsame Abendessen in der Pizzeria.

Einbezug der Kinder bei der Ferienplanung

Wichtig sei, bereits vor der Abreise in die Ferien das Thema gemeinsam offen zu besprechen. Wolle ein Kind zum Beispiel partout seine Spielkonsole mitnehmen, könne man es auch nach dem Grund fragen. «Hast du Angst, dass es dir langweilig werden könnte am Ferienort?» Entsprechend solle das Kind unbedingt auch in die Planung der Aktivitäten einbezogen werden.

Zieht sich die Anreise zum Feriendomizil über eine längere Distanz hin, langweilen sich viele Kinder. «Wann sind wir endlich da?» – eine Frage, die wohl alle Eltern, ob vor 30 Jahren oder heute, schon leicht genervt hat. Die Versuchung liegt nahe, für die zehnstündige Autofahrt jedem Kind ein Tablet in die Hände zu drücken und bis zum Zielort als Eltern seine Ruhe zu haben.

«Als Überbrückung für lange Fahrten im Auto oder Zug kann man Kindern mit einem Film auf dem Tablet oder mit mehr Smartphone-Zeit tatsächlich die Reisezeit verkürzen», sagt die Psychologin. Bei vielen Langstreckenflügen ist es heutzutage ohnehin Standard, dass jeder Sitz über einen eigenen Bildschirm verfügt.

Allerdings rät Hügli, auch bei langen Reisen die Kinder nicht pausenlos und stundenlang auf den Bildschirm starren zu lassen. Bei Autofahrten besser mehrere Haltepausen einplanen, in denen die Kinder etwas frische Luft und Bewegung bekommen. Zudem könne man zur Abwechslung auch mal gemeinsam ein Hörspiel oder ein Hörbuch anhören, einander die Lieblingssongs vorspielen oder Reisespiele und Malsachen mitnehmen. Zudem eignen sich lange Autofahrten für spannende, lustige und wertvolle Gespräche.

Klare Regeln, welche auch im Alltag gelten

«Grundsätzlich sind Leitplanken auch in der Ferienzeit zu Hause immer besser als unbegrenzter Medienkonsum», lautet die Devise der Psychologin. Natürlich vorausgesetzt, dass im Alltag klare Regeln herrschen.

Hügli empfiehlt, Anpassungen der Regeln schon zu Beginn der Schulferien mit den Kindern zu besprechen. «Je nachdem, wie viel Bildschirmzeit die Kinder im Alltag erhalten, spricht nichts gegen Sonderregeln im adäquaten Rahmen.»

Sprich: Darf ein Kind täglich eine Stunde Medien konsumieren, könnte es in den Schulferien ab und zu zwei Stunden den Bildschirm nutzen. Hat es im Alltag allerdings schon zwei Stunden, wäre eine Verdoppelung auf vier Stunden dann verhältnismässig viel. Nach einem Ferientag, wo die digitalen Medien länger genutzt werden durften, soll im Idealfall ein Ferientag folgen mit weniger Bildschirmzeit. Sowieso soll es in den Ferien und auch im Alltag immer wieder bildschirmfreie Tage geben.

So lange sollten Kinder maximal vor dem Bildschirm sitzen

– Bis 2 Jahre: Für Kinder im Baby- und Kleinkindalter wird empfohlen, möglichst auf Bildschirmmedien zu verzichten.

– 2 bis 4 Jahre: Für Kinder im Vorschulalter reichen die Angaben von 5 bis 10 Minuten am Tag bis zu einer maximalen Bildschirmzeit von einer Stunde. Letzteres sollte eher die Ausnahme sein und nicht täglich vorkommen.

– 4 bis 8 Jahre: Kindergartenkinder und Schülerinnen und Schüler der Unterstufe sollten nicht länger als 30 bis maximal 60 Minuten pro Tag vor dem Bildschirm sitzen.

– 9 bis 10 Jahre: In diesem Alter reichen die Empfehlungen von 60 Minuten bis zu einer maximalen Bildschirmzeit von 100 Minuten am Tag.

– Ab 10 Jahren: Mit älteren Kindern kann ein wöchentliches Zeitkontingent vereinbart werden. Zum Beispiel eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche in Form von Mediengutscheinen.

(Quelle: Bildschirmzeit: Empfehlungen für Kinder und Jugendliche, Pro Juventute)

«Eltern sollten von Anfang an klarstellen, dass es sich dabei um Ausnahmen handelt.» So falle die Rückkehr in den (Schul-)Alltag leichter – es ist so auch für Kinder nachvollziehbar, dass dann wieder die herkömmlichen Regeln gelten. Solche Ferienregelungen können auch an Bedingungen geknüpft werden, etwa: «Wenn du den ganzen Tag draussen gespielt hast oder wir in der Badi waren, kannst du am Abend dafür eine Stunde länger gamen.»

Schöne Erinnerungen im Herzen statt im Handy abspeichern

Ähnlich verhält es sich bei Teenagern im Umgang mit sozialen Medien. Die Eltern von Teenagern kennen es vielleicht: Die Tochter oder der Sohn «muss» gefühlt alle paar Minuten Selfies posten und den Freunden schicken. «Auch dafür könnten die Familienmitglieder einen Zeitpunkt vereinbaren, an den sich alle halten.» Zum Beispiel jeden Abend vor dem Abendessen.

«Es gibt allerdings Menschen, die ihre ganzen Ferienerlebnisse ausschliesslich durch die Handykamera erleben, was ich persönlich sehr schade finde», resümiert Raphaela Hügli. Manchmal sollte man die Kamera einfach weglegen und die Ferien ganz bewusst in sich aufnehmen. «Die schönsten Erinnerungen sind ohnehin jene, die in unseren Herzen bleiben.»

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