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Jööh-Faktor garantiert

In Weisslingen kann man inmitten von flauschigen Alpakas malen

Achtung, Spoiler: Ja, flauschige Alpakas sind unglaublich herzig. Und zwischen ihnen zu malen, total entspannend.

Ob ihm das Bild gefällt? Kunstkritik von einem der Protagonisten höchstpersönlich.

Foto: Karin Sigg/Nicole Maurer

In Weisslingen kann man inmitten von flauschigen Alpakas malen

Vom Spazieren bis zum Yoga – Events mit Alpakas schiessen wie Pilze aus dem Boden. Was macht sie so beliebt? Beim Malen auf einer Alpakaweide versuchen wir das Geheimnis zu lüften.

Neugierig nähert sich die kleine Menschengruppe der Weide auf dem Alpakahof Theilingen, direkt bei Weisslingen. Dann hört man ganz viele verzückte «Jööh»-Ausrufe – unter den flauschigen Tieren sind nämlich auch zwei Baby-Alpakas. «Till und Stacey sind anderthalb Wochen alt», erzählt Bettina Bachofner. Sie hält kurz das Gatter auf, damit die sieben Frauen, die zwei Mädchen und der Mann eintreten können. «Ich fühle mich schon beim Anblick der Tiere viel entspannter», sagt eine der Frauen und lacht.

Die Alpakas indes zeigen sich von den Fremden nicht sonderlich beeindruckt. Hin und wieder kommen sie vorbei, um die Besuchenden neugierig zu begutachten, wenden sich dann aber doch wieder dem Gras zu oder legen sich entspannt in den Schatten.

Bettina Bachofner gehören die rund 20 Tiere, die in einem Offenstall ein artgerechtes Leben als Herde führen dürfen. Die frischgebackene Landwirtin – am Vorabend durfte sie ihr Diplom in Empfang nehmen – wird voraussichtlich im nächsten Jahr den elterlichen Hof übernehmen. «Neben den Alpakas haben wir Mastrinder, die auch in einem Offenstall leben, Enten, Hühner, Katzen und einen Hund.»

Auf der weitläufigen Weide warten zwischen den Obstbäumen schon die bereitgestellten Staffeleien auf ihre Künstler. Denn an diesem frühen Abend findet der Event «Malen inmitten von Alpakas» statt. Hinter der Organisation steht Alpaka Erlebnisse Schweiz – ein 2020 gegründetes Kollektiv aus Betreibern von Alpakahöfen, Yogalehrerinnen und Künstlerinnen, die mit verschiedenen Anlässen ihre Leidenschaft teilen. Malen ist seit diesem Jahr neu im Angebot und ergänzt Yoga, Picknick und Fondue auf Alpakaweiden.

Malen für alle

Für den rund zweistündigen Abendevent sind keine Vorkenntnisse nötig. Die Maltherapeutin Anita Guggisberg weiht die Teilnehmer in die Geheimnisse des Malens mit Acrylfarbe auf Leinwand ein. Und für jene, die sich nicht zutrauen, frei Hand ein Alpaka zu zeichnen, hat sie auch eine Lösung parat: «Wir haben verschiedene Vorlagen, die man ausschneiden und als Schablone verwenden kann.»

Später verrät die Pädagogin augenzwinkernd, dass vor allem Erwachsene oft von sich selbst sagen würden, dass sie nicht zeichnen könnten. «Jeder kann malen», ist sie überzeugt. «Viele Menschen scheuen sich eigentlich nur vor negativer Kritik.»

Schritt für Schritt zeigt sie, wie die Teilnehmer zu ihrem Kunstwerk gelangen. Dazwischen schaut sie den Malenden über die Schulter und bringt sich mit wertvollen Tipps ein. «Das Weiss in den Augen wird am natürlichsten, wenn ihr den Pinsel ganz locker aus dem Handgelenk zu einem Häkchen ansetzt.»

Die Teilnehmenden sind durchs Band begeistert. Nicole aus dem «Säuliamt» liebt die Ruhe, welche die Tiere ausstrahlen. Sie hat die Teilnahme an diesem Event von ihrer Mutter Erna zum Geburtstag bekommen. «Was für ein tolles Geschenk, ich würde das sofort wieder machen.»

Drei Generationen beim gemeinsamen Malen

So ist auch gleich Nicoles Familie mitgekommen: Mutter Erna und Tochter Lina (elfjährig) begleiten sie und malen beide auch an einer Staffelei. Für die 80-jährige Erna ist es ganz klar der «Niedlichkeitsfaktor», der Alpakas so einzigartig macht. «Mit ihrem wuscheligen Fell und ihren grossen, treuherzigen Augen muss man sie einfach ins Herz schliessen.»

Man sieht Frauen und ein Kind Alpakas füttern.
Für Lina (links) sind Alpakas ihre zweitliebsten Tiere – nach Faultieren.

Michel, der einzige Mann unter den Teilnehmenden, malt zusammen mit Freundin Lea und Nichte Sofia. «Ich habe Sofia, die eine begabte Zeichnerin ist, diesen Event geschenkt.» Der Dübendorfer hat einen besonderen Bezug zu Alpakas: «Meine Mutter kommt aus Peru, weshalb unsere Familie sich sehr verbunden fühlt mit diesen wunderbaren Tieren.» Sofia findet den Abend «mega cool», Lea gefällt an den Alpakas, dass sie «süss, flauschig und beruhigend» seien.

Anastasiia ist zusammen mit Maria aus Winterthur angereist. «Diese freundlichen Tiere faszinieren mich», erzählt Anastasiia. Sie geniesst die Kombination aus Naturerlebnis und Kreativität. «Es ist schön, in der Natur etwas für die Seele zu tun.»

Als die Teilnehmer auf das nahende Ende des Anlasses aufmerksam gemacht werden, sind alle ganz enttäuscht. Viel zu schnell ist der Abend vorbeigerauscht. Bevor sich alle zum Schlussfoto mit ihren Kunstwerken aufstellen, darf man noch auf Tuchfühlung mit den Vierbeinern gehen.

Kaum betritt Bettina Bachofner mit einem Eimer voll Futter die Weide, scharen sich die Alpakas um sie herum. Wer mag, kann sich Leckerli nehmen und die Tiere füttern. Die Aufregung ist gross, als beim allgemeinen Gedränge ums Futter eines der Alpakas tatsächlich spuckt. Getroffen wird allerdings niemand, das Gelächter ist dennoch gross.

Für Bettina Bachofner ist es ganz klar die ruhige, soziale Art, die Alpakas bei so vielen Menschen beliebt macht. «Sie sind neugierig, beschnuppern uns, beissen aber nicht.» Viele Tiere in ihrer Herde seien auf ihrem Hof aufgewachsen und von klein auf den Umgang mit Menschen gewöhnt, deshalb seien sie besonders menschenbezogen.

«Mit ihrer neugierigen, zutraulichen und zugleich sanften Art zaubern die Alpakas ein ganz besonderes Feeling», beschreibt es Maltherapeutin Anita Guggisberg. «Sie suchen von sich aus unsere Nähe, halten aber immer einen gewissen Abstand.» Durch die Ruhe, die sie ausstrahlten, würden sich viele Menschen entspannt fühlen und den Alltag ausblenden.

Ob es wohl umgekehrt für die Tiere kein Stress ist, fremde Leute auf ihrer Weide zu haben? «Im Gegenteil», erklärt ihre Besitzerin lachend, «für die neugierigen Tiere ist es eine willkommene Abwechslung.» Und wie auf Kommando legt sich ein Alpaka direkt neben eine malende Gruppe und wälzt sich genüsslich.

«Malen inmitten von Alpakas» – weitere Termine

Am Sonntag, 13. Juli, steht auf dem Alpakahof Theilingen der nächste Malevent mit Alpakas auf dem Programm. Von 10 bis zirka 12 Uhr, Tickets können online gebucht werden.
Am Samstag, 13. September, findet dann in Oetwil am See um 13 Uhr ein weiteres Alpakamalen auf dem Schlössli-Hof statt.

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