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Gesellschaft

Nach langer Umbauphase

Neues Hallenbad: Bauma zieht nach einem Jahr Bilanz und verordnet Zwangspause

Das Baumer Hallenbad ist frisch saniert, trotzdem muss nachgebessert werden. Es gibt aber auch gute Nachrichten.

Das Hallenbad Bauma bietet seit dem Umbau Abwechslung mit den verschiedenen Becken und dem Seilgarten.

Foto: privat

Neues Hallenbad: Bauma zieht nach einem Jahr Bilanz und verordnet Zwangspause

Ein Jahr nach der Wiedereröffnung muss Bauma beim Hallenbad bereits nachbessern. Doch es gibt auch «Good News» – ein Zwischenstand.

Es ist ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch: stahlblauer Himmel, kaum ein Lüftchen, und das Thermometer kratzt an der 30-Grad-Marke. Wer an diesem Mittwochnachmittag alle im kühlen Nass der Töss vermutet, liegt jedoch falsch.

Viele Wasserratten haben sich im Baumer Hallenbad eingenistet, ziehen gemütlich ihre Längen, jagen Schwimmbällen hinterher oder planschen im Nichtschwimmerbecken. Die Gemeinderätinnen Heidi Weiss (EVP) und Manuela Burkhalter (SVP) stehen an der Glasfront im Bistro und beobachten das Treiben.

Ein zufriedenes Lächeln huscht über ihre Gesichter. «Ich habe nach wie vor sehr grosse Freude», sagt Weiss. Ein gutes Jahr ist vergangen, seit die Ressortvorsteherin Hochbau und Liegenschaften das «Halli» im Rahmen der Wiedereröffnung an die Bevölkerung übergeben konnte. Trotzdem steht bereits die nächste längere Schliessung an.

Komplikationen und fehlende Pommes frites

Bereits der Weg zur Eröffnung war steinig. Die umfassende Sanierung dauerte über zwei Jahre, verschiedene Faktoren hatten diese ausgebremst. Darunter fallen etwa die unerwartet schlechte Bausubstanz des Gebäudes, der Konkurs der verantwortlichen Baumeisterfirma, die Suche nach Ersatz oder Verzögerungen bei Lieferanten.

Eine mehrfache Verschiebung der Wiedereröffnung war die Konsequenz. Die letzte erfolgte sogar so kurzfristig, dass die Veranstaltungsflyer bereits gedruckt waren.

Auch im betrieblichen Bereich tat sich einiges. So war der Hallenbadausschuss unter der Leitung von Gesellschaftsvorsteherin Burkhalter damit beschäftigt, ein neues Betriebskonzept auszuarbeiten. Es resultierte ein rund 20-seitiges Dokument, das unter anderem die neue Positionierung des Bistros regelt.

Man sieht das neue Bistro des Hallenbads Bauma.
Das neue Bistro im «Halli» erlaubt einen direkten Blick auf des Geschehen im Badebereich.

Dieses hat das ursprüngliche Gastro-Angebot mit funktionsfähiger Küche abgelöst. Mit deren Wegfall verschwanden auch Menüs wie das klassische Schnitzel mit Pommes frites – ein Entscheid, der einst für heftige Diskussionen sorgte. Heute haben sich die Wogen geglättet. Die Gäste sind laut Burkhalter zufrieden mit dem neuen Angebot.

Kritische Stimmen werden laut

Zufriedene Badegäste und ein funktionierendes Bistro – was nach einem Happy End klingt, ist noch keines. Zurücklehnen können die beiden Gemeinderätinnen noch nicht.

Denn eine Meldung sorgt in der Gemeinde für Unruhe: Das frisch sanierte Hallenbad bleibt über den Sommer länger geschlossen als üblich. Sechs anstatt fünf Wochen sind angekündigt – wegen Revision, Reinigung und Mängelbehebung. Die kritischen Stimmen lassen nicht lange auf sich warten.

Auf Facebook sind Kommentare zu lesen wie: «Zum Glück hets ja nöd erst gad Millione kostet.» oder «Revision, das Ding ist für Millionen neu gebaut? Wer zahlt das?» Und in einem Leserbrief beschwört die IG Pro Bauma gar ein «Desaster ohne Ende?» herauf und fragt sich, warum die Probleme nicht bereits während der Bauphase erkannt wurden. Auch äussert sie sich besorgt, welchen Einfluss dies auf die Baukosten haben werde.

«Mängel gehören dazu»

Weiss relativiert: «Die lange Schliessung hat nichts mit der Schwere der Mängel zu tun.» Die langwierigsten Arbeiten betreffen den Materialraum, dort, wo früher das Bistro war. Wie die Gemeinderätin erklärt, war die Umnutzung nicht Teil des Umbauprojekts.

Nach einem Jahr in Betrieb hat sich herausgestellt, dass der bisherige Boden für die neue Nutzung zu rutschig ist. Deswegen wird während der Revision ein rauer Belag eingebaut. Bis dieser durchgetrocknet ist, dauert es seine Zeit. Daher reichen die üblichen fünf Schliessungswochen nicht aus.

Gleiches gilt für die Arbeiten in der Halle selbst, und zwar bei den Fugen zwischen den Plättli. «Einige müssen neu gekittet werden», sagt Weiss. Eine Mängelbehebung, die unter der üblichen Garantiefrist läuft.

«Mängel entsprechen leider dem heutigen Zeitgeist», gibt sie zu bedenken. Ihr seien einige grössere Projekte mit den immer gleichen Phänomenen bekannt: Die Zeit drängt, es gibt Engpässe, und die Schnittstellen gestalten sich schwierig.

Zudem hat sich im Verlauf des ersten Betriebsjahrs gezeigt, dass sich die Bademeister-Loge zu stark aufheizt. Das ist vor allem im Sommer problematisch. «Wir haben letztes Jahr Temperaturen von über 30 Grad gemessen», sagt Burkhalter. Aus Sicht der Arbeitssicherheit zu viel.

Die Loge befindet sich noch am gleichen Ort wie früher, grenzt jetzt aber direkt ans neue Bistro. Ob das einen Einfluss auf die hohen Temperaturen hat, können die beiden Gemeinderätinnen nicht sagen. Jedenfalls erhält der Bereich während der Revision nun eine eigene Lüftung.

Als unterstützende Massnahme ist geplant, eines der Fenster im Bistro durch ein solches zu ersetzen, das sich bei Bedarf von Hand öffnen lässt. Für dieses wie auch für die neue Lüftung hat der Gemeinderat einen Zusatzkredit gesprochen.

Teuerung und externe Gäste

Wie hoch die definitiven Baukosten ausfallen, kann Weiss noch nicht sagen, da die Schlussrechnung noch nicht vorliegt. Klar ist aber schon, dass die einst genehmigten 11,2 Millionen Franken nicht reichen werden. Im Frühling vor einem Jahr rechnete die Baukommission bereits mit prognostizierten Kosten von 13,6 Millionen Franken.

Die Mehrausgaben hängen nicht nur mit den ausserplanmässigen Vorkommnissen zusammen. Ein grosser Posten ist die Teuerung in den letzten Jahren. Kurz vor der Eröffnung betrug sie 14 Prozent. «Bei einem Grossprojekt macht das viel aus», so Weiss. Sie ist aber guter Dinge, dass die Schätzungen eingehalten werden können.

Es gibt aber noch andere Kosten, die beschäftigen. Und zwar die Energiekosten für Strom, Wasser und Wärme. Diese sind heute höher als vor dem Umbau. Mit ein Grund ist, dass es nun einen eigenen Zähler für das Hallenbad gibt.

In der Vergangenheit gab es nur einen gemeinsamen mit der angrenzenden Schule, entsprechend wurden die Energiekosten einfach untereinander geteilt. Hinzu kommt, dass die neuen technischen Anlagen grösser und leistungsfähiger sind und dadurch mehr Energie brauchen.

Zurück zum Badebetrieb. Was diesen betrifft, konnte das Team um Manuela Burkhalter einen Erfolg verbuchen. «Die Zahlen sind besser als vor dem Umbau», sagt die Gesellschaftsvorsteherin zufrieden. Sie glaubt, dass es viele wundernehme, wie das «neue ‹Halli›» jetzt aussehe.

Woran das liegt? In Heidi Weiss’ Augen sind die vielen Becken ein Publikumsmagnet – besonders die Angebote für Kinder scheinen zu punkten. Manuela Burkhalter ergänzt: «Es ist und bleibt ein Hallenbad für Familien.»

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