Hitzetage in Rüti: Wenn die Badi an ihre Grenzen kommt
Ansturm und Unmut
In der Badi Rüti reiht sich Badetuch an Badetuch, die Parkplätze sind voll – ein Szenario, das je länger, je mehr zur Normalität werden könnte. So reagiert die Gemeinde.
13.52 Uhr am Mittwochnachmittag in Rüti. Die Sonne brennt vom Himmel, erbarmungslos. 36 Grad zeigt das Thermometer an. Da gibt es nur eines: ab ins kühle Nass. Doch wer dachte, am frühen Nachmittag einfach einen Platz in der Badi Rüti ergattern zu können, lag falsch – schon jetzt ist der Parkplatz überfüllt. Eine Frau in gelber Weste regelt den Verkehr und weist regelmässig Neuankömmlinge ab. «Nei, de Parkplatz isch würkli volle. Si müend irgendwo andersch go parkiere» – ein Satz, den sie noch einige Male wiederholen wird in dieser Woche.
Je näher man der Badi kommt, desto höher wird der Geräuschpegel. Das Jauchzen und Johlen von Kindern vermischt sich mit dem Geplauder der Erwachsenen, durchzogen vom Kreischen, wenn das kühle Wasser überrascht – und immer wieder das laute «Platsch», wenn jemand mit Anlauf ins Becken springt.
«Es ist voll – aber noch nicht so voll wie letztes Wochenende», sagt Fabienne Iff. Sie ist Fachspezialistin Kommunikation bei der Gemeinde Rüti und im regelmässigen Austausch mit den Badi-Betreibenden. Diese sind zu beschäftigt, um dieser Zeitung auf Fragen Antworten zu geben; zu gross ist der Aufmarsch in diesen Hitzetagen.

Am Samstag zählte die Badi Rüti knapp 2000 Besuchende; ein Spitzenwert, wie Iff weiss. «Man hat mehr Badetücher als Wiese gesehen», verdeutlicht sie. Ein Umstand, der teilweise zu Unmut geführt hat: Die Gemeinde hat Rückmeldungen erhalten, dass die Badi «zu voll» war. Auf Facebook veröffentlichte sie einen Beitrag, in dem sie sich an die Bevölkerung richtet: «Gerade in diesen letzten Wochen vor den Sommerferien, wenn das Wetter schön ist, sieht man mehr Tüechli als Wiese. Als Gemeinde können wir leider niemanden frühzeitig in die Sommerferien schicken. Deshalb unser Tipp: Wenn es machbar ist, die Badi zu Randzeiten besuchen.»
Die Nerven liegen teilweise blank
Mehrere Hitzetage kurz vor den Sommerferien – das sind die Gründe, weshalb die Badis in der Region momentan so überflutet werden. Dass es in Rüti besonders voll ist, hat gemäss Fabienne Iff auch mit der Umgebung zu tun; in der Nähe liegende Gemeinden wie Dürnten oder Bubikon oder gar Städte wie Rapperswil-Jona haben keine Freibäder, weshalb die dortigen Bewohnenden dann nach Rüti ausweichen. «Vor allem, wenn man das Schwimmbecken den Naturgewässern vorzieht», fügt Iff an.
Um die Masse an Besuchenden besser aufzufangen, hat die Gemeinde bereits verschiedene Massnahmen getroffen. So wird der Verkehr auf dem Parkplatz geregelt, und es ist mehr Personal im Einsatz. Einerseits, um die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten – andererseits, um präventiv Gehässigkeiten oder Streitereien vorzubeugen. Fabienne Iff: «Die Ferien stehen kurz bevor, alle haben heiss und suchen die Abkühlung – da liegen die Nerven schon mal blank.»
Verschiedene Massnahmen werden geprüft
Auf Facebook wurde die Forderung laut, die Gästezahl zu limitieren oder Personen mit einer Saisonkarte sowie Gemeindebewohnenden den Vortritt beim Einlass zu geben. So einfach ist es aber nicht, das weiss Fabienne Iff. «Die Gemeinde prüft derzeit verschiedene Optionen. Eine Limitation ist schwierig. Denn egal, wo wir die Grenze ziehen würden – jemand wäre unglücklich.»
Man wolle eher darauf setzen, dass sich die Badegäste vor ihrem Besuch ein Bild zur aktuellen Auslastung in der Badi machen könnten – zum Beispiel über eine entsprechende Anzeige auf der Website. Ist die Badi sehr voll, könnte der Besuch dann je nachdem zeitlich oder örtlich verschoben werden. «Spruchreif ist aber noch nichts», stellt Fabienne Iff klar. Man setze sich aber mit dem Thema auseinander – auch im Hinblick auf künftige Hitzesommer.
Iff appelliert an die Besuchenden, Rücksicht walten zu lassen – und fordert Eltern auf, ein Auge auf die eigenen Kinder zu haben. Sie stellt klar: «Die Verantwortung über die Sicherheit liegt bei den Eltern, nicht beim Personal der Badi. Gerade in Zeiten, wo viele Leute am Beckenrand sind, ist das sehr wichtig.»
Weiter ruft Iff dazu auf, wenn möglich mit dem Fahrrad, den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuss anzureisen – das würde den Besuch schon einiges entspannter machen. Bis zum Beginn der Sommerferien müsse man aber mit einem erhöhten Besucheraufkommen rechnen; danach werde sich die Situation erfahrungsgemäss beruhigen.