Dorfbewohner entwickeln Zukunftsvision für historische Beiz
In einer Ideenwerkstatt sammelten Elggerinnen und Elgger Vorschläge für die Guhwilmühle in Hofstetten bei Schlatt. Die Genossenschaft WAK will das Ausflugsrestaurant ab 2027 nachhaltig weiterführen.
Was passiert, wenn eine Genossenschaft ein Traditionsrestaurant kauft und ein ganzes Dorf über dessen Zukunft mitentscheiden darf? Die Beantwortung dieser Frage erfolgte am letzten Samstag im Kultursaal von Elgg. Die Genossenschaft Wohnen, Arbeit und Kultur (WAK) hatte die Elggerinnen und Elgger dazu aufgerufen, in einer öffentlichen Denkwerkstatt Ideen zu sammeln, wie das Restaurant Guhwilmühle künftig betrieben werden soll.
37 Personen folgten dem Aufruf und trugen während dreier Stunden ihre Visionen zusammen. «Darunter ein Pensionär, der im Militär noch mit der Kavallerie in der Guhwilmühle eingekehrt war, sowie mehrere Neuzuzüger, die sich in Elgg einbringen wollen», erzählt Projektleiter Martin Glaunsinger von der WAK.
Ziel der Genossenschaft ist es, alte Häuser in Elgg zu erhalten und das Dorf zu beleben. Zu ihrem Gastroportfolio gehören das Restaurant Eintracht sowie das Bistro Bechandra. Das Projekt «Untermühle mit Bistro» teilt sie sich mit der Heimatschutz-Vereinigung Elgg. Die Guhwilmühle selbst liegt in Hofstetten, einem Weiler nahe Schlatt.
Im letzten Oktober hatte der Vorstand der WAK angekündigt, auch die traditionsreiche Wirtschaft Guhwilmühle übernehmen zu wollen. Ein Antrag, dem die Mitgliederversammlung kurz darauf geschlossen folgte. Die Idee dafür stammt von der Besitzerin. Diese will die Ausflugsbeiz möglichst erhalten. Die derzeitigen Pächter, die Familie Schaufelberger, ziehen sich auf Ende 2026 altersbedingt zurück.
Von der Kegelbahn bis zum Yoga-Retreat
«Ausgangslage der Denkwerkstatt war eine Analyse, die zeigte, dass die Guhwilmühle nicht mehr in der bisherigen Form als Familienbetrieb geführt werden kann», erklärt Glaunsinger. Zwar schöpft die WAK bei ihren Betrieben keinen Gewinn ab, die jeweiligen Pächter bezahlen nur eine Kostenmiete. «Es ist aber leider auch die traurige Realität, dass aktuell jeder vierte Beizer im deutschsprachigen Raum ans Schliessen denkt. An eine Familie verpachten zu können, ist da fast ein Ding der Unmöglichkeit.»
Von den trüben Aussichten hätten sich die Teilnehmenden am Samstag aber nicht die Laune verderben lassen. Die Ideen seien nur so gesprudelt. «Mehrere ältere Herren, die sich als Kinder noch in der Wirtschaft als Kegelbuben ein Sackgeld verdient hatten, planen eine Reaktivierung der Kegelbahn. Und eine andere Gruppe hat sich Gedanken darüber gemacht, wie man die bestehenden Fischteiche gewinnbringend nutzen kann.»
Thema sei auch eine stärkere Ausnutzung der Aussenräume gewesen: ein Wasserspielplatz für Kinder, ein Streichelzoo oder auch Goldwaschkurse im Fahrenbachtobel. «Und nicht zuletzt wurde die Eröffnung eines Yoga-Retreats in einem der Nebengebäude angedacht.»
Nutzung der Wasserkraft geplant
Nicht nur eine Idee, sondern bereits einen Schritt weiter ist die künftige Energieversorgung der Gebäude: Gemeinsam mit der Energiegenossenschaft Elgg und der ZHAW will die WAK ein Projekt für alternative Energiegewinnung aufgleisen. «Die Guhwilmühle steht unter Heimatschutz, Solaranlagen könnten daher schwierig zu realisieren sein», sagt Glaunsinger.
«Wir haben aber einen Bach sowie eine eigene Quelle vor dem Haus. Und die Guhwilmühle heisst nicht umsonst Mühle. Eine Nutzung der Wasserkraft ist da nicht abwegig.» Erst einmal müssen nun die rechtlichen Seiten abgeklärt werden. «Die Gebäude liegen in einem Landschaftsschutzgebiet und stossen an die Landwirtschaftszone an, was das Ganze nicht einfacher macht.»
Im Anschluss an die Denkwerkstatt haben sich rund 30 Freiwillige bereit erklärt, in verschiedenen Kommissionen und Arbeitsgruppen weiter mitzuarbeiten. Das Ziel? «Ein Businessplan, der verhebt.»
Die Genossenschaft möchte den Restaurantbetrieb ab 2027 möglichst ohne Unterbrechung weiterführen. Projektleiter Glaunsinger gibt sich zuversichtlich. «Mein grösstes Learning am Samstag war, was für Kompetenzen in einem kleinen Dorf wie Elgg so schlummern.»
