Fussballklub fordert bessere Garderoben und verwirft Alternativen
Schlechte Garderoben und eine unzureichende Beleuchtung: Der FC Glattal Dübendorf fühlt sich von der Stadt vernachlässigt. Diese wiederum wirft dem Verein mangelnde Kompromissbereitschaft vor.
Marco Kienast und Sergio Cunha sind unzufrieden, wie der FC Glattal Dübendorf von der Stadt behandelt wird. Die beiden sind seit vielen Jahren Mitglied und engagieren sich als Trainer und Spieler beim Fussballklub. Der Verein ist quasi das italienische Pendant zum FC Dübendorf, der allerdings mit seiner ersten Mannschaft in einer höheren Liga spielt. Italienisch, weil der Verein eng mit dem Serie-A-Topklub AC Milan verbandelt ist.
An die Öffentlichkeit getreten sind die zwei Trainer mit dem Segen des Klubvorstands, dieser will sich allerdings zum Zwist mit der Stadt nicht äussern.
Das Zuhause des FC Glattal Dübendorf mit seinen 21 Teams ist der Sportplatz Buen, auf dem an diesem Abend nebst den vielen trainierenden Junioren auch Kienast und Cunha stehen. Sie ärgern sich über die Infrastruktur, die ihrer Meinung nach nicht mehr zeitgemäss ist.
Ein Problem sei die Flutlichtanlage. Weil nur zwei statt vier Leuchtkörper den Platz erhellten, könnten sie abends nicht richtig trainieren, sagt Kienast und zeigt auf die Masten. Damit sei die Anlage zudem nicht wettkampftauglich. «Abendspiele können wir hier nicht austragen, dafür müssen wir auf den Sportplatz Dürrbach ausweichen. Das kostet schnell mal ein paar hundert Franken.»
«Nur der Parasitenverein»
Heute bezahlen sie laut Kienast 18'000 Franken Miete für den Platz in der Buen. Zwar würden diese Kosten durch den Vereinsbeitrag der Stadt etwa wieder ausgeglichen. Doch die beiden Trainer sind der Meinung, dass ihr Klub gegenüber dem FC Dübendorf benachteiligt wird. Kienast sagt: «Für die Stadt sind wir nur der Parasitenverein.»
Zwar höre sich die Stadt die Anliegen des Vereins an, aber für ihn machten die Ansprechpersonen jeweils nur «Göschenen–Airolo», sagt Kienast – also zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.
Diesen Vorwurf lässt Stadtpräsident André Ingold (SVP) nicht auf sich sitzen. Bei einem längeren Gespräch mit Marco Kienast in seinem Büro habe er klargemacht, dass solche Anliegen Teil des Gemeinde-Sportstätten-Konzepts (Gesak) seien, das zurzeit in Bearbeitung sei. In diesem werde geklärt, welchen Bedarf der Breiten- und der Spitzensport aufweise.
Kein WC für die Mädchen
Ein weiteres Ärgernis für die zwei Trainer ist das Gebäude am Rand des Fussballplatzes, wo Materiallager, Umkleidekabinen, Duschen und WCs untergebracht sind. Der Fussballklub nutzt das Untergeschoss, für den Tennisklub ist das obere Stockwerk vorgesehen.
Sergio Cunha zeigt die Toilette, die mit einem Pissoir und einer Kabine ausgestattet ist. Diese müssten auch die Mädchen benutzen, die er trainiere. «Wenn Mütter mich fragen, wo denn die Mädchen-WCs seien, kann ich ihnen nur das anbieten. Das ist doch beschämend.»
Ebenso fehlt eine nach Geschlechtern getrennte Garderobe. Generell seien die zwei Umkleidekabinen zu klein. Wenn mehrere gemischte Teams gleichzeitig auf dem Sportplatz Buen seien, müssten sie für die Mädchen zusätzlich die Kabinen des Tennisklubs einen Stock darüber mieten oder für das Spiel erneut auf die Anlage Dürrbach ausweichen.
«Dieses Problem ist uns bewusst», sagt André Ingold dazu. «Deswegen hatten wir dem Verein ein Gebäude der Stadtgärtnerei als Garderobe zur Verfügung gestellt.» Das Haus befindet sich gleich neben den Fussballplätzen.
«Doch der Verein hat den Bogen überspannt und dort Grillabende durchgeführt, worauf sich Anwohner über den Lärm beschwert haben», sagt Ingold. Daraufhin habe die Stadt dem einen Riegel schieben müssen und dem Verein die Erlaubnis für die Nutzung des Gebäudes wieder entzogen. Man habe dem Fussballklub auch die Umkleidekabine der Sportanlagen Im Chreis angeboten, die sich knapp 100 Meter Luftlinie entfernt vom Sportplatz befänden. «Doch das war den Verantwortlichen zu weit weg.»
Cunha sagt, dass sie das Gebäude nicht als Umkleidekabine gebrauchen konnten. «Dennoch war das Haus eine Hilfe; wir haben dort Teambesprechungen abgehalten.»
An den Grillfeiern seien weder er noch Marco Kienast dabei gewesen. Seines Wissens seien diese Abende aber vor 22 Uhr beendet gewesen. Von einer Lärmbelästigung wisse er nichts, mit einer direkten Reaktion der Anwohner sei der Verein nicht konfrontiert gewesen. «Ich finde es schade, dass die Anwohner nicht das Gespräch mit uns gesucht haben.»
Container für 26’000 Franken
Aktuell wollen die Verantwortlichen des Vereins Container aufstellen lassen, die Nasszellen und Umkleidekabinen enthalten. Dies hätten sie schon bei anderen Klubs gesehen. Ein entsprechendes Gesuch sei bei der Stadt eingereicht worden, sagt Kienast.
Dies bestätigt André Ingold. Die Kosten für die Container müsste die Stadt tragen. Bei der Variante Miete wäre das ein Betrag von zirka 14'000 Franken jährlich und bei einem allfälligen Kauf 26'400 Franken. Dazu kämen noch Bewilligungs- und Anschlussgebühren sowie der Wasser- und Kanalisationsanschluss. Vom Verein habe man noch weitere Unterlagen eingefordert, um das Gesuch prüfen zu können. Wann darüber entschieden werde, könne er noch nicht sagen.
Sportzentrum Dürrbach – eine Alternative?
Ein möglicher dauerhafter Ausweichstandort für den Verein wären die Sportanlagen Dürrbach. Derzeit wird dort das neue Sportzentrum gebaut, welches im nächsten Jahr fertig sein soll. Schon heute stehen dort mehrere Fussballfelder, darunter auch ein Kunstrasenplatz. Die Anlage befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Wangen-Brüttisellen. Das Sportzentrum ist als Zweckverband der beiden Gemeinden Dübendorf und Wangen-Brüttisellen organisiert.
Ingold hat dem FC Glattal Dübendorf nahegelegt, dass Abendspiele im Dürrbach durchgeführt werden sollen. So könne in der Buen auf zusätzliche Flutlichtmasten verzichtet werden. «Warum sie nicht wollen, erschliesst sich mir nicht.»
Für Marco Kienast und Sergio Cunha ist das Sportzentrum Dürrbach keine Alternative. Dort hätte man zu wenig Raum zur Verfügung, weil sich der FC Glattal Dübendorf die wenigen Rasenplätze noch mit einem American-Football-Team teilen müsste, sagt Kienast.
«Auch wenn das Sportzentrum Dürrbach mit neuen Umkleidekabinen dereinst fertig sein wird, wollen wir, dass hier in der Buen etwas gemacht wird.» Cunha pflichtet ihm bei: «Wir sind schon immer da gewesen. Hier ist unser Heimplatz, unser Zuhause.»
Stadt wünscht Bereitschaft zu Kompromiss
Die zwei Trainer bleiben bei ihrer Kritik. Kienast sagt: «Seit vielen Jahren kämpfen wir für bessere Garderoben. Passiert ist nichts.» Die heutigen Junioren spielten eigentlich auf der gleichen Anlage wie schon ihre Eltern. «Das ist für Schweizer Verhältnisse einfach nur lächerlich.»
Trotz dem Ärger gestehen die beiden der Stadt in einigen Bereichen aber auch gute Arbeit zu. «Es ist nicht so, dass die Stadt Dübendorf gar nichts macht», sagt Kienast. «Die Rasenpflege klappt tipptopp, und auch die Garderoben und WCs sind immer sauber.»
Ingold hält sich seinerseits mit Kritik gegenüber dem FC Glattal Dübendorf zurück, sagt aber: «Der Verein muss auch Bereitschaft zeigen, uns entgegenzukommen. Bis heute fehlt mir von den Verantwortlichen ein klares Signal.»