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Ein Sommerfest für Jugendliche mit und ohne körperliche Beeinträchtigung

Illnau-Effretikon will Inklusion leben und veranstaltet mit einer Organisation ein Fest, wo Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung zusammen feiern sollen.

Bald steigt vor dem Jugendhaus in Effretikon ein Fest für Jugendliche mit und ohne körperliche Beeinträchtigung. (Archiv)

Foto: Markus Haab

Ein Sommerfest für Jugendliche mit und ohne körperliche Beeinträchtigung

Illnau-Effretikon will Inklusion leben und veranstaltet mit einer Organisation ein Fest, wo Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung zusammen feiern sollen.

Inklusion ist in aller Munde, doch sie zu leben ist weit schwieriger, als darüber zu sprechen. Gemeint ist, dass jede Person unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Behinderung am sozialen Leben teilhaben kann und sich die Gesellschaft durchmischt. Oder einfacher gesagt: Jeder soll Zugang zum gewünschten Wohnraum, Arbeitsplatz oder Freizeitangebot haben.

So auch Jugendliche mit einer Beeinträchtigung. Doch für sie ist es schwierig, denn Jugendtreffs beispielsweise sind oft nicht barrierefrei, und ausserhalb medizinischer Einrichtungen fehlen manchmal schlicht geeignete Räume zur Begegnung.

Am 12. Juli findet auf dem Effimärt in Illnau-Effretikon ein inklusives Sommerfest für Jugendliche statt: «Party für alli». Denn dort ist man der Meinung, dass Inklusion nicht bloss besprochen, sondern auch gelebt werden muss: «Wir möchten möglichst viele Menschen aus der Gesellschaft erreichen», sagt Lisa Weiller, Leiterin des Ressorts Soziokultur Illnau-Effretikon.

Am Sommerfest im Juli sollen Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung zusammen feiern können. Auf dem Programm stehen Spiele wie Pingpong, Jenga oder Rätsel, aber auch ein Parcours, um Jugendlichen ohne Beeinträchtigung zu zeigen, wie es sich mit einer Beeinträchtigung lebt.

Jugendtreffs oft nicht barrierefrei

Veranstaltet wird das Fest von der Noreen Bun Organisation, eine Non-Profit-Organisation (NPO), die sich der Förderung von Inklusion und sozialer Teilhabe von Jugendlichen mit körperlicher Beeinträchtigung verschrieben hat. Die NPO organisiert Ausflüge oder Workshops für Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung und stellt das benötigte medizinische Hilfspersonal zur Verfügung – so auch am Sommerfest.

Das Fest findet auf dem Effimärt und im Erdgeschoss des Jugendhauses statt. «Wir haben ein wunderschönes Haus, das viele lässige Aspekte bietet, jedoch nicht barrierefrei ist», erklärt Weiller. Sie betont, dass barrierefrei nicht nur rollstuhlgängig bedeutet, sondern auch andere Aspekte wie beispielsweise Markierungen für blinde Personen dazugehören. Das Ressort Soziokultur prüfe immer wieder, was möglich wäre und sei um schrittweise Verbesserungen bemüht.

Doch eine Jugi so anzupassen, dass sie keine Hindernisse mehr aufweist, ist gar nicht so einfach. In der Recherche zu diesem Text hat sich ergeben, dass viele Jugendtreffs im Kanton nicht barrierefrei sind. Das kann viele Gründe haben: meistens sind die Häuser alt oder stehen unter einem Schutz – was eine bauliche Veränderung schwierig bis unmöglich macht. Auch die finanzielle Situation einer Gemeinde kann eine Hürde sein.

Eine Organisation, die weiss, wovon sie spricht

Das Ressort Soziokultur in Illnau-Effretikon hat darum andere Wege gesucht, um die Inklusion der Gesellschaft zu fördern und will verschiedene Dinge ausprobieren. So hat Illnau-Effretikon den Kontakt zur Noreen Bun Organisation gesucht.

Die bennante NPO mit Sitz in Zürich ist aus einem persönlichen Schicksal entstanden. Denn die heute 17-jährige Noreen Bun wurde mit Jarcho-Levin-Syndrom geboren. Die seltene Krankheit führt zu einer Umformung des Skeletts, wobei vor allem die Wirbelsäule und die Rippen betroffen sind. Der Brustkorb wird dadurch zu eng, was sich auch auf die Lungenfunktion auswirkt. Noreen kann zwar selbstständig laufen und sich bewegen, wegen ihrer Atembeschwerden muss sie aber öfters Pausen einlegen oder durchschnaufen.

Für sie ist es jedoch schwer, soziale Kontakte ausserhalb ihrer Familie oder der Sonderschule zu knüpfen. «Ich sah, wie sie sich zunehmend isolierte», erzählt Mutter Soka Bun, Präsidentin des Vereins. Ihre Tochter war immer mehr am Handy und alleine in ihrem Zimmer. «Als ich jung war, war die Jugi ein essenzieller Ort für mich. Sie soll die gleiche Chance haben», sagt die Mutter.

Mutte rund Tochter füttern eine Katze.
Noreen Bun ist mit dem Jarcho-Levin-Syndrom geboren. Sie und ihre Mutter Soka Bun setzen sich für eine inklusivere Gesellschaft ein.

Für Soka Bun war es höchste Zeit, die Zügel der Inklusion selbst in die Hand zu nehmen. 2023 gründete sie die Noreen Bun Organisation, mit dem Ziel, Jugendtreffs und Freizeitangebote in der Schweiz inklusiv zu gestalten.

Dass diese NPO aus einem persönlichen Schicksal heraus agiert, ist ein wichtiger Aspekt für die Soziokultur Illnau-Effretikon: «Wir bringen bereits Fachexpertinnen und den wissenschaftlichen Aspekt mit, aber die Zusammenarbeit mit Betroffenen ist essenziell», sagt Weiller.

Die Nachfrage bestimme das Angebot

«Menschen mit Beeinträchtigung werden schon den ganzen Tag ‹nicht normal› behandelt», sagt die Präsidentin des Vereins und bezieht sich auf die ständige Aufsicht, die Jugendliche mit Beeinträchtigungen untersetzt sind. Selbstverständlich bräuchten sie mehr Hilfe oder Pflege, es sei jedoch umso wichtiger, dass sie auch den gewöhnlichen Alltag erleben.

Sie wünscht sich sogar, dass ab 2027 die Inklusion von Jugendlichen mit Beeinträchtigungen zur Selbstverständlichkeit wird. Die Noreen Bun Organisation wird ab 2027 keine inklusive Jugendtreffs mehr organisieren, denn dafür fehlt schlicht das Geld. Schliesslich ist die NPO auf Spendengelder angewiesen. Stattdessen wird sich die Organisation dann anderen Inklusionsprojekten für Jugendliche mit körperlichen Beeinträchtigungen widmen.

Ob sich das inklusive Sommerfest oder sogar eine regelmässige Inklusion im Jugendtreff in Illnau-Effretikon etablieren wird, sei von der Nachfrage abhängig. «Wir haben jetzt nicht etwa einen Drei-Jahresplan ausgearbeitet, sondern schauen, wie sich das Treffen im Juli ankommt. Die Nachfrage bestimmt das Angebot», sagt Weiller.

Man könne dies jedoch nicht anhand von Besucherzahlen festnageln. Bei der Evaluation sei Qualität statt Quantität gefragt, und da sei die Rückmeldung der Betroffenen wichtig.

Noreen Bun Organisation

Seit 2024 organisiert der Verein Freizeitangebote für Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren – mit oder ohne Beeinträchtigung und mit medizinischem Fachpersonal anwesend. Die Organisation führte ihre Projekte bereits in Basel, Bern, Luzern und Zürich durch.

Illnau-Effretikon: Samstag, 12. Juli, 14 bis 20 Uhr, Sommerfest auf dem Effimärt für Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung. Jugendliche mit Beeinträchtigung müssen sich bis am 5. Juli 2025 über die Webseite der Organisation anmelden.

Uster: Samstag, 18. Oktober, 14 bis 20 Uhr, Herbstfest für Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung. Zeughausareal Uster.

Ab Juli wird sie auch inklusive Chor- und Tanzgruppen an verschiedenen Standorten aufziehen, die langfristig bestehen bleiben sollen. Auch die Online-Lounge auf Discord – sozusagen ein digitaler Treffpunkt – wo sich Jugendliche mit Beeinträchtigung austauschen können, bleibt ebenfalls ein fixer Bestandteil des Angebots.

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